Arockalypse Now!

 

I – Der König erwacht

 

 

 

„Schwarz.

 

Alles rundherum schwarz.“, dachte er.

 

Moment!

 

Denken?

 

Eine Regung war in seinem Gehirn vollzogen worden. Ein Gedanke.

Er konnte denken!

 

Nach dem ersten Gedanken kamen gleich weitere dazu – Er war mehr als verwundert oder erschrocken, er war regelrecht schockiert. Seit einer Zeit, die so ewig her war, dass sie sich mit menschlichen Worten nicht beschreiben lässt, war er nicht mehr in der Lage dazu gewesen zu denken.

 

Das nächste Wunder geschah: Er spürte auf einmal, wie irgendetwas sein zerfurchtes, kantiges Gesicht entlang kroch. Er spürte! Seine Nerven hätten an sich schon längst abgestorben sein müssen, bedenkt man die Äonen, die sie ohne jede Körperempfindung brach gelegen hatten.

 

Ein euphorisches Gefühl begann in seinem Kopf aufzusteigen, wie bei einem kleinen Kind, das sich über seine Weihnachtsgeschenke freut. Aufgeregt versuchte er, seine Gesichtsmuskeln zu bewegen. Tatsächlich – Er hatte wieder die Kontrolle über sie! Er machte den Mund auf und zu. Der Käfer, der gerade über seine Lippen gekrabbelt war, fiel ihm geradewegs in den Rachen. Stören tat ihn das in keinster Weise.

 

Nun wagte er den großen Schritt: Er steckte all seine neu gewonnene Energie in den Versuch, seine Gliedmaßen zu bewegen. Gehorsam streckte und beugte sich erst sein linker Arm, dann sein rechter. Auch die Beine taten ihren Dienst. Seine mächtigen Pranken mit den langen scharfen Klauen und seine kräftigen, rauen Beine hatten in all der Zeit keinen Schaden genommen.

 

Sein vor Staunen offener Mund verzog sich zu einem bösen Grinsen. Seine dunkel gelben, gefährlich aussehenden Zähne fügten sich aufeinander.

Sein Körper war wieder da, und er wollte ihn endlich wieder benutzen.

 

Langsam setzte er ein Bein auf den harten Boden auf.

Dann das andere daneben.

Er stüzte sich mit den Händen ab und erhob sich langsam, aber sicher aus seinem ewigen, finsteren Gefängnis.

 

Bis auf die Tatsache, dass ihm seine Augen noch nicht so recht gehorchen wollten und er sie daher nicht öffnen konnte, konnte er alles an sich wieder kontrollieren.

 

Ewig war er nicht mehr in dieser Welt gewesen. Ewig hatte er nichts mehr gefühlt.

Doch nun spürte er wieder den kühlen Wind durch sein langes, schwarzes Haar und seinen zerzausten Bart wehen.

Er spürte wieder den erdigen Boden unter seinen mächtigen, schweren Stiefeln.

Er spürte wieder, wie sein Brustkorb sich langsam auf und ab bewegte und seine Lunge die eisigkalte, trockene Luft aufnahm.

 

Sein diabolisches Grinsen erweiterte sich. Wie lange hatte die Welt ihn zurückgehalten. Wie lange hatte auf der Grenze des Daseins gestanden. Wie lange hatten die Bewohner dieser Erde gedacht, ihn für immer verbannt zu haben.

ZU lange.

 

Nun tat er das, worauf er sich nach dieser schier unendlich langen Zeit diebisch gefreut hatte:

 

Er schlug die Augen auf und brüllte seinen markerschütternden Monsterschrei in die Nacht hinaus.

 

 

 

More coming soon...

 

©  by Hisui  aka  Spongie *W*   2006