Gefährlicher Besuch - Tag 3:

 

Dies ist eine reine Spaßgeschichte. Die Eigenschaften und Verhaltensweisen die den Bandmitgliedern hier angedichtet werden, dienen einzig und allein der Unterhaltung, und entsprechen in keinster Weise der Wirklichkeit.

Viel Spaß!

 

 

Ein klapperndes Geräusch riss mich aus dem Schlaf, und sorgte dafür das ich mich erst einmal grummelnd umdrehte, um mich dann nur noch tiefer in die weichen, felligen Decken zu vergraben. Ich hatte absolut keine Lust jetzt aufzustehen, so gemütlich wie es hier war…

Ein verlockender Duft der mir in die Nase stieg, sorgte schließlich dafür dass ich, wenn auch widerwillig, doch noch meine Augen öffnete. Das erste was mir ins Blickfeld rutschte, war ein Teller mit einem riesengroßen, dampfenden Pfannkuchen von dem der leckere Duft ausging.

   "Nnnh, wrrg wch?"

   "Äh… was? Wo?" fragte ich.

   "If pfagde ob du pfon wiepfer pfach biff."

   "Jaja, ich bin wach…" murmelte ich träge, und schälte mich etwas ungeschickt aus den Fellen. Als ich meinen Blick durch die Höhle gleiten ließ, runzelte ich verwirrt die Stirn. Das war nicht die Höhle in der ich eigentlich untergebracht war…

Ich wollte gerade eine entsprechende Frage stellen, als ich mit dem Fuß an etwas stieß, das sich nach genauerem Hinsehen als meine Tasche entpuppte. Und in diesem Augenblick fiel mir alles wieder ein. Mein Alptraum aus dem mich Kita gerettet hatte, mein Umzug in seine Höhle, und die gehässigen Fratzen der anderen Monster…

Aber wenigstens hatte ich jetzt gut geschlafen. Ich konnte mich an keinen grässlichen Traum erinnern, und ich fühlte mich auch nicht mehr müde und zerschlagen, sondern im Gegenteil, frisch und ausgeruht. Ich warf einen dankbaren Blick auf Kita, der gerade seinen Kopf tief in seinem Napf versenkt hatte, und genussvoll schmatzend kaute. Dann wandte ich mich auch meinem frischen Pfannkuchen zu.

Der Bärenhunger der mich plagte, sorgte dafür dass ich das nach menschlichen Maßstäben riesengroße Ding tatsächlich komplett wegputzte, nachdem ich schon beim letzten 'Frühstück' ziemlich derb gestört worden war. Einmal mehr wunderte ich mich darüber, das Monster doch so gut kochen konnten, denn die Apfelfülle erwies sich als äußerst deliziös.

   "Na, fertig?" fragte Kita?

   "Ja, danke. Sehr lecker!" antwortete ich, ohne dabei auch nur im Ansatz lügen zu müssen. "Aber… ich müsste mal wohin. Wo kann ich…"

   "Ach… natürlich, das konnte ich dir gestern ja nicht mehr zeigen." meinte Kita. "Dort hinten!" Ich folgte seiner ausgestreckten Pranke mit meinen Blicken, und erblickte einen mit einem dunklen Vorhang zugehängten Durchgang.

Mit einem dankbaren Nicken bewegte ich mich darauf zu, und schob den Vorhang zur Seite. Was zum Vorschein kam, war ein vollkommen normales Plumpsklo. Es war für meine Begriffe vielleicht ein wenig überdimensioniert, aber das war ich von hier ja inzwischen gewöhnt. Ich musste nur aufpassen nicht durch das Loch zu fallen.

Nachdem ich mein Geschäft verrichtet hatte, ließ ich mich von Kita wieder zu ebener Erde hinab bringen. Noch bevor ich mich fragen konnte wie ich dort im Falle des Falles ohne ihn wieder hinauf kommen sollte, zeigte er mir die ziemlich abenteuerliche Konstruktion aus Leitern und Stegen die zum Eingang der erhöhten Höhle in der er mich untergebracht hatte führte.

Ich drängte den Gedanken an meine Höhenangst vorläufig zur Seite und folgte dem Manbeast als er die Höhle verließ.

 

   "Äh… wo gehen wir eigentlich hin?" fragte ich, nachdem ich nun schon einige Zeit mehr oder weniger schweigend neben ihm her gegangen war.

   "Grarff… lass dich überraschen." meinte das neben mir dahin schlendernde Manbeast geheimnisvoll.

   "Ich hoffe du bist nicht wieder auf der Suche nach Whisky." seufzte ich.

   "Ok, das von Gestern tut mir leid… Graur…" meinte Kita zerknirscht. "Aber du brauchst keine Angst haben, wir besuchen nur jemanden."

   "Aha… und wen?" fragte ich neugierig.

   "Das wirst du gleich sehen…"

Ich murmelte etwas Unverständliches, gab mich aber mit der ausweichenden Antwort zufrieden. Ich nahm nicht an das mich das Biest zu Kalma brachte, zumal sich die beiden auch nicht übermäßig gut verstanden, also konnte es schon nicht so schlimm werden. Ich beschloss mich einfach überraschen zu lassen.

   "GRUOARRRR!" entfuhr es dem Manbeast neben mir plötzlich. Ich blieb abrupt stehen und blickte erschrocken zur Seite, doch meine Sorge war vollkommen unbegründet. Kita hatte sich lediglich auf zwei Beine aufgerichtet, und streckte gerade genussvoll seinen Rücken durch, was dieser mit beleidigten Knacken honorierte. "Gra…ngh." knurrte er, während er sich mit beiden Pranken ans Kreuz griff.

   "Tut dir was weh?" fragte ich besorgt. Ich bemerkte erst jetzt das der Gang durch den wir gegangen waren stetig höher geworden war, sodass das Manbeast nun ohne Probleme aufrecht stehen und gehen konnte. Einmal mehr war ich beeindruckt wie riesig er wirklich war - ich reichte ihm nämlich gerade einmal bis knapp über die Hüfte…

   "Grumpf. Von dem Rumlaufen auf allen Vieren krieg ich immer Verspannungen im Kreuz." murrte Kita, und setzte sich wieder in Bewegung.

   "Das kann ich mir vorstellen" sagte ich mitfühlend, und folgte ihm wieder.

Schon nach ein paar Schritten bogen wir scharf nach Rechts ab, und hielten in dem sich noch weiter erhöhenden Gang auf ein riesiges Tor zu, das aus dem Nichts heraus in der blanken Felswand erschien. Die Türklinke dieses eindeutig überdimensionierten Durchgangs befand sich in einer Höhe, die ich nicht einmal erreichen hätte können, wenn ich mich auch noch so gestreckt hätte. Für Kita jedoch befand sich der Griff bestenfalls auf Augenhöhe, und war somit bequem für ihn zu erreichen.

Das Manbeast öffnete die laut knarrende Tür, und machte eine einladende Handbewegung in den dahinter liegenden Raum. Zögernd trat ich ein, und riss im nächsten Moment die Augen auf. Ich befand mich auf einem etwa vier mal vier Meter großen Felsvorsprung, von dem direkt an der Wand eine relativ schmale Treppe in die Tiefe führte. Leuchtende Kristalle, wie ich sie schon in Kita's Höhle gesehen hatte, spendeten weiches, gelbliches Licht, und beschienen eine riesige Höhle deren Grenzen sich irgendwo in nebeligem Dunst verloren. Doch ich hatte keine Augen für die Schönheit der riesigen, domartigen Höhle, denn mein Blick hatte sich fest gesogen an dem Wesen das mit schnellen, eleganten Bewegungen auf den Eingang zu eilte. Es war ein Drache.

Von allen Dingen die ich hier herunten erwartet hatte, war dieses eines der unwahrscheinlichsten. Aber mir blieb nicht sehr viel Zeit zum Staunen, denn das riesige, dunkelrot geschuppte Ungeheuer kam schnurstracks auf mich zu. Die Zähne die es dabei entblößte, waren gigantisch. In Anbetracht dessen das der Kopf des Drachen in etwa die Ausmaße einer durchschnittlichen Gartenhütte hatte, mussten seine Zähne in etwa die Länge von meinen Unterarmen haben. Von ihrer Größe konnte ich mich gleich darauf aus nächster Nähe überzeugen, obwohl ich darauf gerne verzichten hätte können.

Mit angstgeweiteten Augen wich ich zurück, als der riesige Schädel kaum einen Meter vor mir Auftauchte. Gelbliche Augen mit geschlitzten Pupillen funkelten mich bösartig an, als ich hastig zurückwich. Doch anstatt hinter mir das Holz eines großen Portals zu fühlen, stieß mein Rücken einmal mehr an massiven Fels. Natürlich - hier verschwanden die Türen ja ständig, sobald man sie geschlossen hatte…

Was mir aber am meisten Sorgen machte, war nicht die Tatsache dass keine Tür mehr da war - sondern das Kita verschwunden war. Hektisch blickte ich mich um, doch von dem Manbeast fehlte jede Spur. Ich überlegte ob ich mir einen Spurt zur Treppe leisten konnte, um dem Drachen zu entkommen, sah aber im gleichen Moment ein das es sinnlos war. Egal ob auf dem Felsvorsprung oder der Treppe - ich saß in jedem Fall wie auf dem Präsentierteller.

   "Äh… h- hör mal." begann ich zitternd. "I- ich schmecke ganz und gar nicht gut, so richtig scheußlich… u- und ich bin zäh, ganz furchtbar zäh!"

Die Drachenschnauze näherte sich mir bis auf wenige Dezimeter, sodass ich die heiße Atemluft sogar durch mein Gewand spüren konnte. Dann entblößte das riesige Maul mehrere Reihen rasiermesserscharfer, blendend weißer Zähne, so als ob er mir damit sagen wollte 'Ob zäh oder nicht, kauen kann ich dich in jedem Fall.' Ich beschloss es mit einer anderen Strategie zu versuchen.

   "O- oh… hast du aber schöne Z- zähne…" versuchte ich möglichst anerkennend zu sagen. Wenn das riesige Monster vor mir wenigstens ein erbsengroßes Gehirn hatte, vielleicht halfen dann Komplimente? "D- du putzt sie bestimmt j- jeden Tag…"

Zu meiner Überraschung glitt der riesige Schädel tatsächlich ein Stück zurück, während mich gelbe Augen etwas verwirrt musterten.

   "U- und entdecke ich da etwa einen Hauch Minzfrische?" sagte ich weiter.

Nun schien der Drache tatsächlich geschmeichelt zu sein, denn bog seinen Hals elegant zurück, und sah mich eindeutig ERFREUT an. Und zwar nicht erfreut im Sinne einer leckeren Mahlzeit, sondern tatsächlich geschmeichelt von meinen Worten.

Nur Augenblicke später glitt der Kopf wieder näher an mich heran, diese Mal jedoch ein wenig seitlich, sodass er mich mit seinen Augen besser erfassen konnte. Dabei klimperte er, wenn es nicht so absurd gewesen wäre, fast aufreizend mit den Wimpern, und ein Geräusch das wie ein Gurren klang, entfuhr seiner Kehle. Ein zaghafter Gedanke klopfte an, und ließ mich den Drachen noch ein wenig genauer in Augenschein nehmen.

   "U- und weißt du was…" begann ich zögernd. "Du… du bist… ein Mädchen! Ja, ein Drachenmädchen! Natürlich! Diese natürliche Eleganz… deine glänzenden Schuppen… dein wohlgeformtes Näschen…" Die Drachendame blies mir eine Rauchwolke in Form eines Herzens entgegen, und unterbrach damit ungewollt meinen Schwall an Komplimenten, indem sie mich zu einem leichten Hustenanfall reizte.

   "Oh… ooooh…" sagte ich. "So ein liebreizendes, feingliedriges Wesen kann nur eine echte Dame sein…"

Es schien tatsächlich zu wirken, denn ich konnte sehen wie die ohnehin rötliche Schuppenhaut des Drachenweibchens sichtbar stärker errötete. Sie hielt gespielt schüchtern eine ihrer großen, klauenbewehrten Pranken vor den Mund, und warf mir ein  für drachische Verhältnisse wohl aufreizendes Lächeln zu, während sie immerfort mit ihren Wimpern klimperte.

   "GROOOOAAAARR!!! GRRR GRARRFF GRARR GROARR!!!!!" vernahm ich es plötzlich neben mir. Nur Bruchteile eines Augenblicks später sah ich mich mit Kita konfrontiert, der mich vom Rand der Plattform weg äußerst wütend anstarrte. Zu seiner vollen beeindruckenden Größe aufgerichtet, begann er sich gefährlich langsam auf mich zuzubewegen, wobei die Klauen an seinen Pranken plötzlich an Länge noch zuzunehmen schienen.

   "GRRGRRRRRRRRRR!" hallte es durch die riesige, domartige Halle.

   "W… was ist denn?" fragte ich bebend, und musterte das Manbeast voller Angst. Hatte er es sich jetzt doch anders überlegt, und wollte mich auf einmal doch fressen? Aber warum…was hatte ich getan?

   "HÖR SOFORT AUF MIT MEINER FREUNDIN ZU FLIRTEN!!!" wiederholte er in meiner Sprache, jedoch ohne die ohrenbetäubende Lautstärke dabei herunterzudrehen. Ich war für einen Moment lang nicht nur vollkommen perplex, sondern überdies auch noch vorübergehend komplett taub. Ich unternahm den unsinnigen Versuch mich alleine Kraft meines Willens durch massiven Fels zu bewegen, als sich Kita drohend vor mir aufbaute, und sein Gesicht nur wenige Millimeter vor das meinige schob.

   "F… freundin?" wimmerte ich.

   "DU…" begann das Manbeast, wurde jedoch unterbrochen.

   "Ach komm Kita… er wollte doch nur nett sein." vernahm ich eine andere, melodisch und angenehm wirkende Stimme.

   "Na gut…" knurrte das Biest, und fuhr seine Krallen wieder ein. Ich atmete schon erleichtert auf, da packte mich Kita an der Schulter, und presste mich hart an den Fels. "Aber nur ein falscher Blick, ein Kommentar, und ich überdenke meine Freundschaft noch einmal gründlich - klar?" sagte er.

   "S- sonnenklar." antwortete ich schnell. Ich hatte nicht wirklich Lust darauf herauszufinden, was ein eifersüchtiges Manbeast mit mir anzustellen vermochte.

   "Gut." knurrte er, und ließ mich wieder los. Augenblicklich war alle Feindschaft aus seinem Blick verschwunden.

   "Er ist sehr höflich für einen Menschen." meldete sich die Drachendame wieder zu Wort. "Willst du ihn mir nicht vorstellen?"

   "Natürlich, Schatz." sagte Kita. "Er ist Reporter, und wird eine große Story über unsere Band schreiben." Und an mich gewandt fuhr er fort: "Darf ich vorstellen - meine Freundin Aleya."

   "Angenehm." Die Drachendame neigte zur Begrüßung leicht den Kopf, und streckte mir dann eine ihrer riesigen Pranken entgegen. Etwas zögernd ergriff ich eine Klaue die in etwa so groß wie mein Bein war, und schüttelte sie.

   "Die Freude ist ganz meinerseits." antwortete ich etwas steif.

   "So, nachdem wir uns nun kennen, kannst du ihn doch ruhig mit herunter bringen Kita. Der Tee wird sonst noch kalt - du magst doch bestimmt auch ein Schlückchen, oder?"

   "Oh… gerne." sagte ich.

Das Manbeast blickte mich etwas missbilligend an, sagte jedoch nichts, sondern begann die Stufen hinunter zu stapfen. Ich folgte ihm etwas zögernd, und versuchte mich dabei möglichst nahe an der Wand zu halten. Die schmale Treppe hatte überhaupt kein Geländer, und es ging von ihrem höchsten Punkt mindestens zehn Meter weit in die Tiefe. Kita schien die Höhe überhaupt nichts auszumachen, denn er überwand die Treppe in seinem eigentümlichen, wippenden Gang den er auf zwei Beinen entwickelte, relativ schnell.

Ich brauchte für die Mengen an ziemlich steil in die Tiefe führenden Stufen deutlich länger, da ich mich krampfhaft bemühte nicht hinunter zu sehen, nachdem mir schon beim ersten Versuch desselben schlecht geworden war. Als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war ich heilfroh. Ich mochte gar nicht daran denken dass ich diese Treppe nachher wahrscheinlich auch wieder hinauf musste…

Auf der gleichen Ebene mit dem Drachenweibchen stehend, wirkte es noch beeindruckender als es schon von oben ausgesehen hatte. Es war nicht nur einfach groß - es war riesig. Im Vergleich zu ihr, war sogar Kita winzig. Und das ergab in meiner Phantasie einige Probleme, die sich nicht nur auf so simple Dinge wie Küssen beschränkten…

Vorläufig aber versuchte ich mit den Beiden Schritt zu halten, anstatt mich überhaupt mit solchen Fragen auseinander zu setzen. Irgendwo am hinteren Ende der Höhle konnte ich den Schein eines Feuers ausmachen, auf den Kita und seine Freundin augenscheinlich zu hielten. Um genau zu sein schlenderte die Drachendame gemächlich, während das Manbeast rannte. Ich rannte ebenfalls, aber ich hatte noch nicht einmal einen Bruchteil der Strecke zurückgelegt, den das Drachenweibchen innerhalb von zwei Schritten überwunden hatte.

Aleya schien es auch als erstes zu bemerkten das ich nicht mit ihnen mithalten konnte, und wandte sich wieder um.

   "Steig auf." meinte sie, als sie wieder bei mir angekommen war.

   "Kommt nicht in Frage, auf meiner Freundin reite nur ich!" rief das ebenfalls wieder dahergaloppierende Manbeast. Ich musste mit Macht ein Grinsen unterdrücken - ob Kita wohl wusste wie zweideutig diese Worte in meinen Ohren geklungen hatten?

   "Du brauchst dich doch nicht so anstrengen." meinte Aleya sanft, und berührte dabei das Manbeast ganz sachte mit einer ihrer Klauen an der Wange. "Für mich ist er doch viel leichter."

   "Na gut Schatz… Du hast ja Recht." gab er schließlich etwas widerwillig zu, und verfolgte mit Argusaugen wie ich zögernd begann mich auf den Rücken seiner Freundin zu hieven. Irgendwie schienen der Drachendame meine ziemlich ungeschickten Versuche zu langsam zu gehen, denn sie half mit einem gezielten Schub ihrer großen Pranken nach. Ehe ich mich versah, saß ich zwischen zwei Zacken des Hornkamms etwa im Nacken des Drachenweibchens, und klammerte mich dort krampfhaft fest.

Kita grummelte irgend etwas unverständliches, als sich Aleya mit fließenden Bewegungen auf den Feuerschein zu bewegte. Ich wurde dabei anfangs ordentlich durchgeschüttelt, schaffte es jedoch mich nach ein paar Schritten des riesigen Wesens an den Rhythmus zu gewöhnen. Irgendwie war es nicht sehr viel anders als zuhause auf einem Pferd zu reiten - nur das das Tier unter mir in etwa die Ausmaße eines ganzen Hauses hatte.

Als wir auf der gegenüber liegenden Seite der Höhle angekommen waren, ließ mich die Drachendame kurzerhand über ihren ausgestreckten Vorderfuß zu Boden rutschen. Etwas ungeschickt kam ich auf dem sandigen Boden auf, und überschlug mich. Als ich mich wieder aufrappelte und den Sand ausspuckte den ich aus Versehen verkostet hatte, sah ich Kita auf mich zu galoppieren. Das Manbeast schoss mit weit ausgreifenden Schritten direkt auf mich zu, und bremste dann kaum einen Meter vor mir so abrupt ab, dass ich von einer wahren Fontäne aus Sand beinahe verschüttet wurde. "Hrrhrrr!"

   "Kita!" sagte Aleyas melodische Stimme streng.

   "Gruaff." machte das Manbeast, und richtete sich wieder auf zwei Beine auf.

   "Ach, schon in Ordnung…" murmelte ich, während ich begann mir den Sand aus den Klamotten zu klopfen. Irgendwie war es vollkommen umsonst sich hier unten überhaupt umzuziehen - weil man nämlich binnen kürzester Zeit ohnehin wieder schmutzig war. Nun, aber das war ich ja schon von zuhause gewohnt - und ein bisschen Dreck hatte bekanntlich noch keinem geschadet.

Während die Drachendame irgendwo bei dem großen Feuer, dessen Hitze ich ganz deutlich auf meiner Haut spüren konnte, klappernd mit etwas hantierte das ich durch ihren massigen Körper nicht einsehen konnte, sah ich mich ein wenig um. Ich musste die Augen zusammenkneifen und ganz genau hinsehen, um den Felsvorsprung und die Treppe über die wir auf den Boden der riesigen Höhle gelangt waren, überhaupt noch erkennen zu können. WIE groß war diese verdammte Höhle eigentlich?!

Meine Gedankengänge wurden unterbrochen von einer Tasse die von einer riesigen Drachenpranke vor mir abgestellt wurde. Sie hatte in ungefähr die Ausmaße einer Salatschüssel - und zwar einer großen. Vor Kita, der sich mit überkreuzten Beinen und noch immer etwas angespanntem Gesichtsausdruck zwischen mir und einem riesigen schuppigen Ding, das ich jetzt als Drachenhintern identifizierte, niedergelassen hatte, stand eine ähnliche Tasse mit hübschen Flammenmotiven.

   "Ich habe leider keine Tassen in Menschengröße - ich hoffe das stört nicht?" fragte Aleya.

   "Nein, nein, überhaupt nicht!" beeilte ich mich zu antworten, während das Manbeast ein genervtes Grummeln von sich gab.

   "Beschwer dich nicht Schnuckelchen, immerhin hast du ihn mitgebracht." sagte die Drachendame, während sie Kita dabei neckisch in die Backe zwickte. Ich hätte schwören können, dass das Biest in diesem Moment errötete.

Ich hob artig meine Tasse, als sich ein Teekessel von den Ausmaßen eines Swimmingpools auf mich herunter senkte. Natürlich füllte das Drachenweibchen meine Tasse fast bist zum Rand voll, so das ich sogar Mühe hatte sie noch ordentlich zu halten.

   "Zucker?"

   "Oh ja, bitte." sagte ich.

Augenblicke später klatsche ein mindestens 10 x 10 cm großer Würfel Zucker in meine Tasse. Ich verzog das Gesicht, als ein kleiner Spritzer der heißen Flüssigkeit auf meiner Hand landete. Und im nächsten Moment explodierte etwas. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, und ich duckte mich instinktiv als mich ein etwa oberschenkeldickes noch brennendes Holzstück nur knapp verfehlte. Einen Augenblick der Freude das ich dem heimtückischen Anschlag entronnen war später, ergoss sich auch schon der brühheiße Inhalt der Tasse die ich vor Schreck fallen hatte lassen über meine Füße.

   "AUAAAAAA!" brüllte ich.

   "KIIIIIIIITAAAAAAAA!!!!!!!" hallte gleichzeitig eine Stimme durch die riesige Höhle. Der Ruf, der von den Wänden gebrochen und zurückgeworfen wurde, ließ meine Ohren klingen. "Wo steckst du verfressener Faulpelz schon wieder?!"

Überall in den kleineren Bränden die das explodierende Feuer in einem beachtlichen Umkreis hinterlassen hatte, erschien plötzlich Lordis Gesicht. Und das sah ganz und gar nicht danach aus, als ob der Höllenfürst gerade gut aufgelegt war.

   "Grarrf! Grrr." knurrte Kita, während er sich einige noch rauchende Holzsplitter von den Schultern schüttelte.

   "Was zum Teufel soll das!? Wir suchen dich wie die Idioten, und du machst dir einen faulen Lenz!" schimpften die Abbilder des Obermonsters im Feuer.

   "Grarr, groarr grrr graur! Gruarff!" gab das Manbeast zurück.

   "Das ist mir vollkommen schnurzpiepegal! Wenn du nicht in ein paar Minuten hier antrabst, dann setzt es was!"

   "GROAFF? Grarrgruoarr!"

   "NEIN, SOFORT!"

   "GRRRRRR!!!"

   "SOFORT, SAGTE ICH!"

   "Graurgrr… grmpf." brummte Kita, und stob im nächsten Moment Richtung Ausgang davon.

   "Das habe ich gehört!" knurrten die Lordi-Gesichter noch, ehe sie sich in den Flammen auflösten.

   "Äh?" machte ich hilflos, und drehte mich zu dem explodierten Feuer herum. Beziehungsweise wollte ich mich zu dem Feuer wenden, aber ich musste feststellen das mir etwas Riesiges, dunkelrot Geschupptes nachhaltig die Sicht verstellte. Das Drachenweibchen hatte ich über den Schrecken ja beinahe vergessen…

Die zähen Schuppen Aleyas schienen zu vibrieren, und ich konnte direkt sehen wie sich darunter kräftige Muskeln verkrampften und wieder entspannten. Ein tiefes, wütend klingendes Grollen erklang von irgendwo her. Zentimeter für Zentimeter bewegte ich mich Rückwärts von dem riesigen Geschöpf weg - ich hatte nämlich keine Lust bei einem möglichen Wutausbruch der Drachendame platt gewalzt zu werden.

Ich war schon drauf und dran mich aus der Gefahrenzone zu wähnen, da stolperte ich plötzlich rücklings über etwas am Boden liegendes und fiel der Länge nach hin. Nur Bruchteile eines Augenblicks später schwebte auch schon der drohend knurrende, riesige Schädel Aleyas über mir. Doch als die Drachenaugen meine erschrocken zitternde Gestalt ausmachten, brach das Knurren abrupt ab.

   "Ach so, du bist es nur…" meinte die Drachendame.

   "Äh… j-ja." bestätigte ich kleinlaut. "Du… du willst mich doch nicht fressen, oder?" fragte ich instinktiv.

Aleya zog die Stirn kraus, und schien mich fast entrüstet anzusehen. "Wo denkst du hin?!" sagte sie. "Ich bin Vegetarier!"

Einen Moment lang starrte ich den Drachen perplex an, dann fand ich meine Sprache wieder. "Was?" fragte ich. "Du bist - WAS?"

   "Was ist denn daran so komisch?" fragte Aleya, und setzte einen beleidigten Gesichtsausdruck auf.

   "Äh.. na ja… ich meine… ich dachte immer…" stotterte ich.

   "Ihr Menschen denkt zuviel, das ist euer Problem." meinte die Drachendame trocken.

   "Äh… ja, aber warum…"

   "Weil es erstens widerlich schmeckt, und mir zweitens die Knochen immer zwischen den Zähnen stecken bleiben. Drittens ist es unhygienisch - wer weiß wo das überall rumgelegen hat!"

   "Das… äh… ist eine sehr löbliche Absicht." brachte ich irgendwie hervor. Vegetarisch lebende Drachen? Gab es hier unten eigentlich irgend jemanden der wenigstens ein klein wenig normal war?!

   "Außerdem finde ich es eklig etwas zu essen, das im Mund noch herumzappelt." fuhr Aleya fort.

   "Das… äh… das glaube ich." sagte ich zunächst vorsichtig, doch dann siegte wie immer meine Neugier über die Furcht. Inzwischen hatte ich so viele Schocks erlitten und derartige Ängste durchgestanden, das mich nichts mehr wirklich lange aus dem Konzept bringen konnte. "Warum bist du dann mit Kita zusammen? Ich meine… äh… er mag, äh… Lebendiges."

Das Drachenweibchen seufzte, und ließ den Kopf hängen. In diesem Moment wirkte das riesige Tier todunglücklich. Hatte ich etwas falsches gesagt?

   "Achja, mein Schnuffelchen…" murmelte Aleya, und warf einen traurigen Blick auf die Stelle im Sand, an der das Manbeast vor gar nicht allzu langer Zeit noch gesessen hatte. Jetzt kundete nur noch eine Mulde im Untergrund, in die ein glosendes Holzstück gerollt war, von seiner Anwesenheit. "Immer wenn wir endlich einmal Zeit für uns hätten, dann braucht wieder irgend einer von diesen Säufern etwas…"

Ich brauchte keine große Fantasie, um mir ausmalen zu können wen die Freundin der wandelnden Fressmaschine damit gemeint haben konnte. "Lordi?" fragte ich trotzdem nach. "Kommt das etwa öfters vor? Ich meine… die, äh, Art und Weise in der er deinen Freund ruft?"

   "Ja." murmelte Aleya unglücklich. "Das macht er doch nur um mich zu ärgern. Weil er mich nicht mag! Weil ich keine ekligen, stinkenden und zappelnden Leute essen mag." Die Drachendame sah aus, als ob sie jeden Moment in Tränen ausbrechen konnte.

   "Ich bin mir sicher das Lordi einen triftigen Grund hatte, das er Kita geholt hat…" meinte ich besänftigend "Ganz bestimmt…" Na toll, jetzt konnte ich mich schon dabei ertappen einen ausgewachsenen Drachen trösten zu wollen.

   "Ja, wahrscheinlich ist wieder einer der Gefangenen entwischt…" knurrte Aleya säuerlich.

    "Na, das ist doch ein Grund, oder etwa nicht?!" sagte ich. "Kita hat doch die idealen Voraussetzungen um sich an die Fersen eines Ausbrechers zu heften…"

   "Von wegen Ausbrecher!" schnaubte die Drachendame "Den haben bestimmt wieder dieses Wickelpaket und die Ledertucke rausgelassen, damit sie ihren Spaß haben!"

   "Und wahrscheinlich war der Schrotthaufen auch dabei…" sinnierte ich, und schlug im nächsten Moment die Hand vors Gesicht als ich des überraschten Gesichts Aleyas ansichtig wurde. Ich hatte doch tatsächlich laut gedacht!

   "Darauf würde ich meine rechte Klaue verwetten." knurrte die Drachendame. "Komm, steig auf."

   "Äh… was?" fragte ich, über den plötzlichen Themensprung verwirrt.

   "Steig auf - wir gehen sie suchen!" meinte Aleya, und präsentierte mir ihren muskulösen Nacken, in dem ich zuvor schon Platz hatte nehmen dürfen. "Ich muss ein paar Gestalten wieder mal ordentlich die Meinung sagen. Und glaub ja nicht, dass ich, bloß weil ich kein Fleisch esse, nicht wütend werden kann! Einmal ordentlich angeröstet, und schon machen sich diese Feiglinge in die Hose!"

Zur Bekräftigung blies der Drache eine mannsdicke Stichflamme aus seinen Nüstern, die nur wenige Schritte neben mir in den sandigen Boden fuhr, und mich dazu veranlasste in Deckung zu gehen. Im nächsten Moment fühlte ich mich auch schon von riesigen Klauen gepackt, und fand mich unversehens im Nacken der Drachendame wieder. Als ich mich ob der etwas überstürzten Ereignisse wieder mehr oder minder zurechtfand, und es geschafft hatte mich dem schwankenden Rhythmus des riesigen Wesens anzupassen, wurde ich auch schon wieder abgesetzt.

Als ich mich aufrappelte, fiel mein Blick auf das Portal, durch welches ich mit Kita die Höhle betreten hatte, und das nun einen Spalt breit offen stand. Ich wunderte mich nicht mehr wirklich darüber, dass es jetzt wieder sichtbar war.

Ein Geräusch hinter mir veranlasste mich, mich umzudrehen. Gleich darauf verharrte ich verständnislos, als ich in die leere Höhle starrte. Wo war der Drache hin? So ein riesiges Wesen konnte doch nicht so einfach verschwinden…

Etwas unsicher trat ich an die Kante heran um in die Tiefe zu blicken, als ich etwas vernahm das wie Flügelschlag klang. Den Bruchteil eines Augenblicks später erhob sich vor mir ein rotgeschuppter Körper aus der Tiefe, und setzte elegant auf dem Mauervorsprung auf. Instinktiv duckte ich mich, um von den peitschenden Flügeln Aleyas nicht erwischt zu werden.

   "Verdammt, ich hasse das." hörte ich Aleya sagen. "Das zieht immer so…"

Als sich der aufgewirbelte Sand und Staub wieder ein wenig gelegt hatte, richtete ich mich vorsichtig wieder auf. Sandkörper kratzten unangenehm in meiner Kehle, und zwangen mich zum Husten. Dabei fiel mein Blick auf die Drachendame, die inzwischen das Portal gänzlich aufgedrückt hatte, und ich verschluckte mich prompt.

   "Alles in Ordnung?" fragte Aleya.

   "Urgh… J- ja. A- aber… du bist ja…!" würgte ich zwischen zwei Hustenanfällen hervor. Meine Augen drohten aus den Höhlen zu quellen, als ich die Drachendame ein weiteres Mal musterte, weil ich nicht glauben konnte was ich da gerade sah. Sie war auf einmal um ein vielfaches kleiner!

   "Ja, meinst du ich wäre sonst mit Kita zusammen, wenn ich zu so etwas nicht fähig wäre?" fragte Aleya zwinkernd. "Und jetzt komm!"

   "Ahja." machte ich, und bemühte mich wenigstens den Anschein von Intelligenz zu erwecken. Ich klappte den Mund wieder zu, und folgte der Drachendame ohne weiteres Kommentar. Was musste ich auch fragen…

 

Vielleicht hatte ich, während ich in Gedanken versunken der Drachendame die Führung überlassen hatte, nicht genügend auf meine Umgebung geachtet, oder war das Hindernis in Form einer knorrigen Wurzel tatsächlich aus heiterem Himmel aus dem sandigen Boden gewachsen wie ich fast zu wetten mochte - ich wusste es nicht. Aber es blieb sich gleich, denn ich stolperte darüber und fiel.

Der Länge nach schlug ich auf den Boden, und prallte mit dem Kopf gegen etwas Hartes. Ich identifizierte es zu meiner Verwirrung noch als Huf, ehe ich sternchensehend in die Schwärze der Bewusstlosigkeit abglitt.

Als ich meine Augen endlich wieder öffnete, hätte ich sie am liebsten gleich wieder geschlossen. Als ob ich in den letzten beiden Tagen nicht schon genug abnorm hässliche Monströsitäten gesehen hätte, beugten sich jetzt nebst der Drachendame, die von allen trotz geblecktem Gebiss noch die mit Abstand hübscheste war, zwei weitere Monster über mich, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.

Eines davon, dessen graues, leichenartiges Gesicht mich irgendwie an Kalma erinnerte, blickte mich mit weißen, beunruhigend schlangenartigen Augen kalt an, und schien im Geiste schon das Schlachtbesteck zu wetzen. Ich konnte das abgrundtief hässliche Wesen fast sofort als Monster weiblichen Geschlechts einordnen, wie mir das zwar an vielen Stellen zerrissene und vergilbte, aber figurbetonte Kleid verriet, welches überdies noch mit Perlenketten geschmückt war.

Das zweite Monster das sich über mich beugte schien ebenfalls ein Zeitgenosse der unangenehmeren Sorte zu sein. Das erste was ich in dem wütend schnaubenden, totenschädelartigen Gesicht ausmachen konnte, waren kurze, starke Hörner und ein dicker Nasenring wie man ihn gewöhnlich Zuchtstieren verpasste. Überdies schien das große, athletisch gebaute Etwas über mir auch noch einen sehr ausgefallenen Kleidungsstil aus Leder und Fellen zu bevorzugen was es noch bulliger erscheinen ließ. Und die Bedeutung des Wortes Körperhygiene schien das mich an einen auf zwei Beinen gehenden Ochsen erinnernde Ding nicht einmal zu kennen. Was soviel hieß wie: es stank. Und zwar ganz gewaltig.

Angewidert drehte ich meinen Kopf zur Seite um frische, nicht nach altem Schweiß und Stall stinkende Luft zu bekommen. Dabei streifte mein Blick die unruhig auf der Stelle tretenden Füße des tierartigen Dämons, und ich wäre am liebsten schreiend davongerannt. Die aus der ausgebeulten Hose herausragenden Beine endeten nicht in Füßen, sondern in großen hufartigen Gebilden, die eine bizarre Mischung aus den Zehen einer Kuh und Pferdehufen darstellten!

Augenblicklich wurde mir klar, womit ich kollidiert war. Es brauchte nicht einmal das drohende Schnauben des (ich nannte ihn in meinen Gedanken einfach so) Bullendämons, um mir klarzumachen das ich wieder einmal bis zum Hals in der Scheiße saß. Und kein Kita weit und breit…

Ich unternahm entgegen aller logischen Überlegungen den unsinnigen Versuch einer Flucht, der aber schon nach der ersten robbenden Bewegung meinerseits zu Ende war. Ich fühlte mich ziemlich grob im Nacken gepackt, und wurde gleich darauf ziemlich derb in die Höhe gerissen.

Ein gehörntes Gesicht rutschte in mein Blickfeld, und durch mein angstvolles Einsaugen der Luft bekam ich die volle Packung des deftigen Geruchs ab. Ich hatte ja nichts gegen Kühe - aber dieser Kerl stank wie ein ganzer Kuhstall der schon seit mindestens einem Monat nicht mehr ausgemistet worden war!

Ohne sichtliche Anstrengung hielt mich der bullige Dämon einen guten halben Meter über dem Boden, wobei er mich fast mit dem Kragen meines eigenen Pullovers erwürgte.

   "Hast du was an den Augen?" knurrte das bullige Vieh, und starrte mich gereizt an.

   "N- nein, ich g- glaube nicht…!" würgte ich hervor, und versuchte gleichzeitig mit den Händen den Hals meines Pullovers zu erwischen, der schmerzhaft auf meine Kehle drückte.

   "Warum latscht du halbe Portion mir dann auf die Hufe?" fauchte der Dämon, und schüttelte mich wie einen nassen Sack.

   "Wawawaweil, iiiiich gegegegestotototlperperpert bibibibinnn …"

   "DANN PASS GEFÄLLIGST AUF DU TROTTEL!" schrie mich der bullige Kerl an, und schüttelte mich nur noch stärker.

   "Dadadadas wowowowolltetetete iiiiiich ninininicht… Eeeeeentschuschuschuschuldidigugugugu….

   "Schatz, ich glaube wir verstehen besser was er sagt, wenn du ihn nicht so schüttelst." meldete sich das zweite Monster mit überraschend heller, klarer Stimme zu Wort.

   "Was spielt das für eine Rolle? Ich fress ihn, so oder so!" gab mein stierartiger Peiniger zurück, aber hörte trotzdem auf mich zu schütteln. Ich nützte die Gelegenheit wieder nach dem Halsausschnitt meines Pullovers zu greifen, und mir ein wenig der dringend benötigten Luft zu verschaffen.

   "Entschuldigen sie bitte vielmals." brachte ich in Begleitung eines würgenden Geräuschs hervor. "Es lag mir wirklich fern ihnen Unannehmlichkeiten zu bereiten, aber ich bin unglücklicherweise gestürzt…"

   "Unannehmlichkeiten?" knurrte der bullige Dämon, aber er wirkte schon nicht mehr ganz so wütend. "Meinst du ich lasse wegen deiner erbärmlichen Entschuldigung davon ab dich kleinzuhäckseln und zu Gulasch zu verarbeiten?"

Ächzend versuchte ich meine Kehle ein weiteres mal von dem Druck des gestrickten Kragens meines Pullis zu befreien, doch ich spürte wie meine Kräfte schön langsam zu erlahmen begannen. Der Dämon hingegen schien mein Gewicht an seinem fast ausgestreckten Arm nicht einmal wirklich zu bemerken. Nur mit Macht konnte ich den Impuls unterdrücken mit den Füßen nach dem meinen Sohlen entschwundenen Boden zu strampeln. Ich beschloss alles auf eine Waagschale zu legen.

   "V- verzeihung…" keuchte ich, versuchend den giftigen Blick des Bullendämons zu ignorieren, an das weibliche Monster gewandt "Aber ich kann mich nicht erinnern sie hier bereits einmal gesehen zu haben, schöne Dame. Seid ihr neu in dieser Gegend?"

Das Kompliment tat, genau wie einige Zeit zuvor schon bei der Drachendame, seine Wirkung. Das weibliche Monster setzte einen geschmeichelten Gesichtsausdruck auf, der ihr Gesicht jedoch nur noch umso mehr grauenerregend aussehen ließ, und berührte den bulligen Kerl der mir noch immer einen sehr zweifelhaften Aussichtspunkt bescherte, am Arm.

   "Erstaunlich. Essen mit Erziehung." sprach sie mit ihrer eigentümlichen, hellen Stimme. "Lass ihn los Ox."

   "Na gut Schneckchen…"

Der Bullendämon tat trotz sichtlichen Widerwillens, das er mit bösem Schnauben bekundete, wie ihm geheißen, und ließ mich los. Allerdings machte er sich nicht die Mühe mich vorher abzusetzen, sondern öffnete einfach nur seine Faust mit der er mich im Nacken gepackt hatte, sodass ich mit einem dumpfen Geräusch im Sand aufkam.

   "Immer wenn’s gerade lustig wird…" hörte ich den Dämon murren.

Bunte Punkte tanzten vor meinen Augen, als meine butterweichen Knie einknickten, und ich der Länge nach in den Sand fiel. Da ich dabei gleichzeitig wie ein Erstickender nach Luft schnappte, sog ich neben dem bestialischen Gestank des bulligen Wesens auch noch mehrere Sandkörner ein. Augenblicklich erwachte der grässliche Reiz in meiner Kehle wieder, und ich brach in einen Hustenanfall aus der mir die Tränen in die Augen trieb.

Als ich ob Sand und Gestank hustete und würgte, spürte ich wie mir jemand mit Nachdruck auf den Rücken klopfte. Als ich mich wieder ein wenig beruhigt hatte, und mich schwankend von allen Vieren auf die Knie hochrappelte, bemerkte ich das es Aleya war, die dafür gesorgt hatte das ich die kratzenden Sandkörner wieder aus meiner Kehle bekommen hatte.

   "Wer… wer sind die?" keuchte ich.

   "Keine Ahnung, noch nie  gesehen…" meinte Aleya, während sie mich mit einer ihrer kräftigen Klauen packte, und mich ohne Anstrengung in eine stehende Position hochzog. "Lordi wird jedenfalls nicht begeistert sein, wenn hier irgendwelche anderen Monster in seinen Gründen wildern."

   "Lordi?" mischte sich das unbekannte, weibliche Monster ein. "Weißt du etwa wo wir ihn finden können?"

Sowohl die Drachendame als auch ich starrten die beiden Neuankömmlinge verwirrt an.

   "Was?" fragten wir wie aus einem Mund.

   "Ob ihr vielleicht wisst, wo sich Lordi gerade aufhält." wiederholte die Monsterfrau in dem zerschlissenen Kleid. "Wir suchen ihn nämlich."

   "Komm schon Awa!" fuhr der bullige Dämon dazwischen. "Ich glaube nicht das das Drachenvieh und dieses erbärmliche Menschlein da uns weiterhelfen können. Wir sollten uns einen kleinen Imbiss gönnen, und dann weitersuchen."

   "Drachenvieh?!" fauchte Aleya plötzlich. "Hast du mich gerade DRACHENVIEH genannt?!"

Ich ging vorsorglicherweise in Deckung, und beeilte mich aus der Schusslinie des laufenden Flammenwerfers zu kommen. Nur weil die Drachin vegetarisch lebte, und keinen persönlichen Groll gegen mich zu hegen schien, hatte ich trotzdem keine Lust herauszufinden ob sie mich in einem Wutanfall nicht auch kurzerhand rösten würde.

   "Was dagegen, du wandelndes Feuerzeug?" gab der Dämon zurück, und stemmte die Hände in die Hüften.

   "Ich lasse mich doch nicht von einem Rindviech beleidigen!" knurrte die Drachendame.

   "WAAAAAAAAAAAAS?! WIE HAST DU MICH  GENANNT?!" brüllte der bullige Unbekannte.

Ich beobachtete mit wachsendem Unbehagen wie sich die Situation entwickelte. Es sah ganz danach aus, als ob der Streit jeden Moment eskalieren, und in einem glühendheißen Flammenstoß der Drachin, oder wasweißichwas Fürchterlichem seitens des dämonenartigen, wirklich Ahnlichkeit mit einem Stier aufweisenden Kontrahenten enden konnte.

   "Stopp! Auszeit!" ging plötzlich das andere, weibliche Monster dazwischen. "Hör mal Ox, falls die beiden wirklich wissen wo Lordi ist, werden wir sie noch brauchen. In dem Labyrinth hier können wir ohne Führer bis zum jüngsten Tag herumlaufen. Ich kann dir ja später noch immer ein gutes Gulasch aus dem Kerl machen…"

Zumindest der weibliche Part dieser beiden Neuankömmlinge schien ein bisschen Hirn in ihrem hässlichen Schädel spazieren zu tragen. Das sie den unumschränkten Herrscher dieses labyrinthartigen Gangsystems hier unten ohne Begleitung niemals aufspüren konnten, war wohl der einzige Grund warum ich noch nicht zu Matsch verarbeitet worden war.

Ich hatte keinen Zweifel daran, dass das weibliche Monster nämlich nur zu gerne dabei zugesehen hätte, wie mich ihr monströser, stinkender Begleiter nach allen Regeln der Kunst auseinander nahm. Ich hoffte nur dass sich Aleya hier unten auch wirklich auskannte, denn sonst war es um mich geschehen. Das sich die Drachedame gut verteidigen konnte, davon ging ich aus. Aber um mich war es wohl schlecht bestellt, wenn es sich die beiden Neuankömmlinge doch noch anders überlegten…

   "Einigen wir uns vorläufig auf ein Unentschieden?" fragte das schlangenäugige Monster.

   "Aber sie hat mich ein Rindvieh genannt!" warf ihr Begleiter ein.

   'Womit sie auch recht hat…' dachte ich mir verstohlen, und achtete peinlich genau darauf mit keiner Miene zu verraten was ich dachte.

   "Sie hat eben noch nicht gesehen was für ein großer starker Mann du bist, du Ritter meines Herzens…"

   "In dem Fall werde ich wohl noch einmal darüber hinwegsehen, meine süße Kobra…" sagte der Dämon in einem Ton der für ihn wohl liebevoll klingen sollte, und legte seinen muskulösen Arm um seine augenscheinliche Freundin. Dieser schien der Gestank ihres Begleiters nicht im geringsten etwas auszumachen. "Und du, aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Ich behalte dich im Auge!"

   "O- ok…" erwiderte ich schluckend.

   "Also?" fragte die Schlangenäugige, nachdem sie sich wieder von ihrem Freund losgemacht hatte.

   "Na gut… meinetwegen." willigte Aleya widerwillig ein. "Wir bringen euch zu Lordi. Aber beschwert euch hernach nicht, wenn er euch auseinander nimmt. Er mag Eindringlinge für gewöhnlich nicht so gerne."

   "Das ist schon in Ordnung." meinte das weibliche Monster. "Wir suchen ja eigentlich auch nicht direkt Lordi, sondern zwei Leute aus seiner Gefolgschaft. Sie nennen sich Enary und Kalma."

Nicht nur mein Unterkiefer klappte in diesem Moment herunter. Auch die Drachendame starrte die beiden Neuankömmlinge zutiefst Fassungslos an, doch sie fing sich schneller wieder als ich.

   "Was wollt ihr ausgerechnet von DEN Beiden?!" fragte Aleya, und sprach damit aus was mir auch auf der Zunge lag.

   "Wir… hm… haben eine wichtige Nachricht für die Beiden." gab die Schlangenäugige ausweichend zur Antwort.

Der Blick der Drachendame streifte die drei riesigen Koffer, von denen der bullige Dämon zwei wieder aufgenommen hatte, mit ihren Blicken, sagte aber nichts. "Meinetwegen…" murmelte sie, und vollführte etwas, das ich erst nach genauerem Überdenken als das drachische Equivalent zu einem menschlichen Schulterzucken identifizierte.

   "Ach ja… ich glaube wir haben ganz vergessen uns vorzustellen." meinte das weibliche Monster während sie mit einem kraftvollen Ruck den dritten Koffer, der ein nicht unerhebliches Gewicht aufzuweisen schien, aufnahm. "Wie unhöflich von uns…"

   "Allerdings." kommentierte Aleya.

   "Also, mein Name ist Awa." stellte sich die schlangenäugige Frau. "Und das ist mein Verlobter, Ox." sagte sie während sie auf den Dämon wies, der dieses mit einem undeutbaren Schnauben quittierte.

   "Ich bin Aleya." erwiderte die Drachendame kurz angebunden.

   "Und ich bin…" begann ich, wurde jedoch von dem bulligen Ox sofort unterbrochen.

   "Schnauze, du warst nicht gefragt!" fuhr er mich knurrend an.

   "Das ist ein Reporter." erklärte Aleya an meiner Statt. "Nicht beschädigen, ich glaube er wird noch gebraucht."

   "Ah, ein Schreibfuzzi!" meinte Awa amüsiert. "Soll ich dir ein Interview geben?"

   "Ja, gerne. Ich würde mich darüber freuen…" begann ich, und wurde erneut unterbrochen.

   "Können wir jetzt gehen? Ich habe heute noch mehr vor als Fremdenführer zu spielen." meldete sich Aleya zu Wort. "Unterhalten könnt ihr auch während dem Gehen."

   "Hmm… ok." meinte Awa.

   "Ok." sagte ich, und setzte mich in Bewegung.

   "Hrrrrrmpf." machte Ox, und zerrte die beiden Koffer geräuschvoll hinter sich her. Die Gepäckstücke waren zwar mit Rollen versehen wie mir ein kurzer Seitenblick zeigte, doch diese hatten hier leider überhaupt keine Wirkung, und erwiesen sich eher als Hindernis. Durch den hier fast überall vorherrschenden, sandigen Boden, der auch das Gehen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machte, sanken die Räder immer wieder in den Untergrund ein. Dem Dämon blieb dadurch nichts anderes übrig als die beiden Gepäckstücke, die ungefähr die Große eines normalen Kleiderschranks hatten, schnaubend hinter sich her zu schleifen.

Awa gesellte sich sofort zu der automatisch die Führung übernehmenden Aleya, und begann die Drachendame trotz ihres Versprechens mir ein Interview zu geben in ein unverfängliches Gespräch unter Frauen zu verwickeln. Das hieß für mich dass mir nichts anderes übrig blieb, als neben dem Koffer schleppenden Ox her zu trotten.

Während das Drachenweibchen uns durch die verwirrenden Gangsysteme des Monsterreiches führte, nutzte ich die Gelegenheit um das neben mir stapfende Muskelpaket unauffällig näher in Augenschein zu nehmen. Allerdings musste ich dabei nicht so dezent vorgegangen sein, wie ich dachte, denn auf einmal ruckte der gehörnte Kopf des bulligen Dämons zu mir herüber.

   "Was starrst du mich so an, du halbe Portion?" knurrte er.

   "E- entschuldigung, das wollte ich nicht!" entschuldigte ich mich sofort.

   "Sei froh dass ich gerade keine Hand frei habe, sonst hätte ich dich schon zu Geschnetzeltem verarbeitet!" schimpfte der Bullendämon gereizt, und zog mit einem wütenden Ruck, der mich unwillkürlich zusammenfahren ließ, den Koffer dessen Räder sich zwischen zwei aus dem Boden ragenden Steinen verkeilt hatten, wieder hinter sich nach.

Ich versuchte den Blick starr nach vorne zu richten, auf das wiegende Hinterteil der Drachendame, und frage mich gleichzeitig ob es wohl wie bei uns Menschen ungehörig war einem weiblichen Drachen auf den Hintern zu starren. Doch alle Versuche meine Blicke abzulenken waren sinnlos, denn schon wenig später warf ich wieder verstohlene Seitenblicke auf die imposanten Hufe mit denen das neben mir gehende Monster tiefe Abdrücke im Sand hinterließ. In mir regte sich wieder die verrückte Art von Neugier die mich hier unten schon die ganze Zeit plagte, und ich fragte mich ob er wohl Hufeisen trug.

   "Was gibt’s denn jetzt schon wieder zu glotzen?" schimpfte Ox. "Willst du das ich die Dinger mal auf deinen Zehen parke, oder was?!"

   "Äh… nein…" stotterte ich "Ich… ich frage mich nur…"

   "Was?" knurrte der Dämon.

   "Ich.. äh… frage mich, ob sie auch einmal… äh… menschlich waren?" lenkte ich die Frage die mir eigentlich auf der Zunge gelegen war, vorsichtig in eine andere Richtung.

   "Ob ich… WAS?" Ox blieb unvermittelt stehen, und schenkte mir einen so verblüfften Blick wie ich es seinem grinsenden, totenschädelartigen Gesicht niemals zugetraut hätte. Scheinbar hatte ich auf meinen Schuss ins Blaue einen Volltreffer gelandet.

Einen Moment lang starrte mich der Bullendämon einfach nur perplex an, dann schien er sich wieder zu fangen, und stapfte, die Koffer mit schwellenden Muskeln wieder hinter sich herschleifend, weiter. "Warum fragst du so einen Schrott?" fragte er, doch es klang irgendwie… unsicher.

   "Weil es mich interessiert." erklärte ich wahrheitsgemäß. "Ich bin Reporter, und das ist mein Job."

   "Hmm… na dann…" brummte Ox "Du hast Recht, ich war mal menschlich. Ist allerdings schon ein paar Jahrhunderte her, also mach dir keine falschen Hoffnungen das ich dich laufen lasse, bloß weil ich mal so ausgesehen hab wie du, klar?!"

   "Klar." antwortete ich mit einer Ruhe, die mich selbst überraschte. Bildete ich mir das nur ein, oder wurde ich durch die ständigen Schrecken immer abgebrühter? "Mich würde aber interessieren, wie sie zu einem Monster geworden sind."

   "He, ich bin kein Monster, nur damit das Mal klar ist, ja? Ich bin ein Dämon, da ist ein gewaltiger Unterschied!" begehrte das bullige Monster auf.

   "Oh… Verzeihung, das wusste ich nicht." entschuldigte ich mich. "Dann würde mich also interessieren, wie sie zu einem Dämon wurden?" Ich betonte das Wort mit Nachdruck, um nur ja keinen Fehler zu machen.

   "Ach, das ist eigentlich schnell erzählt." meinte Ox leichthin. "Ich war mal so eine Art Schüler, jedenfalls ein Vertrauter von einem Hohepriester, der mit ziemlich vielen verbotenen Sachen herumgespielt hat. Irgendwann ist eines seiner Experimente ein bisschen aus dem Ruder gelaufen, und er hat den halben Palast abgefackelt." Der Bullendämon zuckte mit den Schultern, und rollte vielsagend mit den Augen.

   "Inwiefern aus dem Ruder gelaufen?" erkundigte ich mich, als mein Gesprächspartner nicht weiterredete.

   "Sagen wir mal so, es war groß, glibbrig, hatte ziemlich viele Tentakel, und konnte Feuer spucken. Das hat den meisten Leuten nicht so gut gefallen, darum wollten sie ihn rösten, nachdem sie das Vieh wieder losgeworden sind. Das wiederum hat meinem Meister nicht geschmeckt, darum wollte er kurzerhand einen Dämon beschwören und ihm die Kräfte stehlen, damit er die Palastwachen und den ganzen Pöbel der ihn auf dem Kieker hatte niedermachen konnte. Ich hab ihm wohl ein bisschen ins Handwerk gepfuscht." Der Dämon grinste irre, und ließ ein raues Lachen hören. "Jedenfalls bekam statt ihm, ich die ganze Packung Dämonenkraft ab. War ein echt geiles Gefühl, kann ich dir nur sagen. Zuerst wollte ich ihm helfen, er war ja immerhin mein Meister, aber dem alten Trottel war ich doch tatsächlich egal. Er wollte die Macht des Dämons nur für sich haben."

   "So eine Schweinerei…" stimmte ich Ox zu.

   "Da hast du allerdings Recht. Naja, jedenfalls wollte er mich mit irgendeiner Beschwörungsformel unter Kontrolle bringen, und hat mir diesen Nasenring da verpasst. Bloß hatte ich keine Lust, den ganzen Kram den er mir da aufs Auge gedrückt hatte wieder wegnehmen zu lassen. Deswegen hab ich ihn dann als Vorspeise um die Ecke gebracht, und mir anschließend einige von den Wachen als Hauptgang genehmigt. Die waren sehr lecker, kann ich dir nur sagen. Allerdings musste ich dann abhauen, weil die Kerle doch in der Überzahl waren. Dann hab ich mir ein lauschiges Plätzchen in der Hölle gesucht, und ein paar pseudoreligiöse Spinner die mich immer schön mit Opfern versorgt haben. Tja, das war eigentlich die ganze Geschichte."

   "Ganz schön actiongeladen." gab ich beeindruckt zu. "Und wie lange ist das jetzt ungefähr her?"

   "Du stellst Fragen… Könnten vierhundert sein… aber auch fünf oder sechshundert... was weiß ich, ein paar Hundert Jahre halt."

   "Und wie kommt man so damit zurecht?" fragte ich weiter.

   "Manchmal ist's ein bisschen fad, aber meistens recht spaßig." meinte Ox. "Aber nichts hilft besser gegen Langeweile, als sich zur Abwechslung mal wieder ein neues Dorf zu versklaven."

   "Das… äh… glaube ich." antwortete ich schluckend, und versuchte die wieder aufkeimende Nervosität zurückzudrängen. "Und mit dem ganzen Anderen drumherum? Mit den Hufen, und so?"

   "Och, man gewöhnt sich daran. Tat zwar scheiße weh als die gewachsen sind, aber im Endeffekt ganz praktisch. Man verbrennt sich nicht andauernd die Füße, wenn man einen anständig erschreckenden Auftritt im Feuer hinlegen will." erklärte der Dämon, und grinste dazu.

Gegen meinen Willen musste ich mitgrinsen, als ich mir einen Dämon vorstellte, der in einer beeindruckenden Feuerwolke hin und her hopste, und sich über Brandblasen an den Füßen beschwerte. Das nahm so einem Auftritt wirklich alle gewünschte Wirkung. Trotz dieser zugegebenermaßen witzigen Vorstellung, wurde ich gleich wieder ernst.

   "Gewachsen?" hakte ich nach. "Heißt das, sie haben sich nicht verwandelt, als sie die… äh… Kräfte bekommen haben?"

   "Dochdoch… das heißt - zumindest nicht gleich." erläuterte Ox. "Es hat ein paar Wochen gedauert, dann fingen zuerst die Hörner zu wachsen an, und dann die Hufe. Am Anfang bin ich dauernd auf die Fresse gefallen, das hat vielleicht genervt. Nach ein paar Jahren hab ich dann jedenfalls so ausgesehen wie jetzt."

   "Interessant… und wie haben sie schließlich ihre - äh - Verlobte, ist das richtig?"

   "Ja."

   "Also, wie haben sie dann ihre Verlobte kennengelernt?"

   "Sie ist mir in den Schoß gefallen… gewissermaßen." sagte der Dämon, und grinste hintergründig, wobei er aber verwirrenderweise gleichzeitig eine grimmige Miene zu ziehen schien.

   "Wie meinen sie das?" fragte ich verwirrt.

   "Ein paar Spinner wollten sie mir als Opfer darbringen." raunte mir Ox mit gedämpfter Stimme zu.

   "Im Ernst?" fragte ich ungläubig, aber instinktiv genauso leise wie der Bullendämon.

   "Aufpassen da hinten!" nahm ich Aleyas Stimme am Rande wahr, ignorierte den Ruf jedoch weil ich mich ganz auf den noch immer leise sprechenden Ox konzentrierte.

   "Keine Ahnung wie sie es geschaffte haben sie gefangen zu nehmen… aber jemanden wie sie, die ja gewissermaßen auf der gleichen Seite steht wie ich, als Opfer zu nehmen wären mir nie eingefallen. Sie war ganz schön sauer, als ich sie befreit habe. Ein paar von den Kerlen hält sie sich heute noch im Glas."

Ein eisig kalter Schauer lief mir über den Rücken, und im nächsten Moment ließ ich einen erschrockenen Schrei ertönen, als sich etwas glitschiges, irgendwie LEBENDIGES um meine Füße schlang. Instinktiv blickte ich nach unten, und bemerkte das ich plötzlich bis zu den Knien im Sand steckte.

   "He, wo willst du hin?" knurrte der jetzt noch höher über mich aufragende Ox bedrohlich. "Langweile ich dich etwa?"

   "Hab ich nicht gesagt du sollst aufpassen?" meldete sich Aleya wieder zu Wort.

   "Äh.. j- ja." gab ich kläglich zu. "A- aber was ist das… Irgend etwas… bewegt sich da unten!"

   "Du bist mitten in eine Wurzeltür getreten." meinte die Drachendame. "Ich habe dich gewarnt."

   "U- und was ist das… HILFE!" kreischte ich, als ich mich strampelnd zu befreien versuchte, aber daraufhin nur noch weiter hinein sank. Inzwischen stak ich bis zur Hüfte im Sand, und die widerlichen, glibbrigen DINGE kneteten meine Schenkel nicht gerade sanft, aber auch nicht wirklich schmerzhaft durch.

   "Nicht bewegen!" befahl die Drachin, und ich erstarrte mitten in der Bewegung.

   "Das haben wir gleich." meinte Ox, und ließ die Griffe der Koffer die er hinter sich hergeschleift hatte los. "Ich zieh ihn einfach raus."

   "NEIN!" fuhr Aleya dazwischen, als mich der stinkende Bullendämon bereits unter den Achseln gepackt hatte, und ziehen wollte.

   "Was denn?!" beschwerte sich dieser, ließ mich aber gehorsam wieder los.

   "Wenn du ihn rausziehst, dann reißt du ihn damit wahrscheinlich in zwei Hälften."

   "Na toll…" seufzte ich.

   "Wo ist da das Problem?" fragte Awa. "Dann ist er eben in zwei Teilen."

   "Das wird den Hausherren aber nicht gefallen, wenn ihr einen ihrer Gäste halbiert."

   "Das da soll ein Gast sein?" fragte die schlangenäugige Verlobte des Bullendämons abschätzig. "Warum rennt der überhaupt frei hier herum?"

   "Ich sagte doch schon, dass er Reporter ist. Lordi und die Anderen werden schon ihre Gründe dafür haben, also sollte er möglichst an einem Stück bleiben."

   "Äh… ich will ja nicht stören…" meldete ich mich kläglich "Aber was soll ich jetzt machen?" Zwischenzeitlich war ich fast bis zur Brust eingesunken, zwar hatte sich das Versinken durch den Rat Aleyas ruhig zu sein verlangsamt, aber dennoch wurde ich unerbittlich weiter nach unten gezogen.

   "Am besten du bewegst dich nicht, hältst die Luft an, und lasst dich einfach durchfallen."

   "Durchfallen?" krächzte ich heiser. "DURCHFALLEN? Was ist das überhaupt?!"

   "Ein Wurzeltor, es teleportiert dich direkt an einen beliebigen Ort des Höhlensystems, wo du dann wieder ausgespuckt wirst."

   "Na wunderbar." meinte ich sarkastisch. "Und wo lande ich dann?"

   "Keine Ahnung." gab Aleya zu, und zuckte in ihrer unnachahmlichen Art die Schultern.

   "Das wird ja immer besser."  seufzte ich, und warf einen Blick auf meine Schultern, die gerade dabei waren im Sand zu versinken.

   "Hör auf zu jammern. Ich hatte dich immerhin gewarnt! Halt lieber die Luft an!"

   "Jaja… schon gut." murrte ich. "Äh… ja… danke für das Interview, bis… ähm… nachher dann."

Als ich die Sandkörner an meinem Kinn kitzeln spürte, holte ich noch einmal tief Luft. Dann hielt ich den Atem an, und presste die Augenlider so stark zusammen wie nur irgendwie möglich. Angst und Ekel kämpften um die Vorherrschaft, als ich spürte wie sich das glibbrige, von unheimlichem Eigenleben erfüllte Zeug auch um meinen Kopf zu legen begann. Ich musste mit aller Macht dagegen ankämpfen nicht wie wild um mich zu schlagen, oder einfach nur lauthals zu schreien, und damit die kostbare Luft in meinen Lungen entweichen zu lassen.

Panik begann in mir aufzuwallen, das ich in diesem finsteren Loch womöglich elend ersticken musste. Als ich bereits das Gefühl hatte das meine Lungen zu platzen drohten, glitt ich plötzlich merkbar nach unten. Ich spürte die glibbrigen Fasern an meinen Körper vorbei streifen, dann konnte ich auf einmal meine Füße wieder bewegen… und mit einem dumpfen "pfloch!" schoss ich plötzlich aus dem Wurzeltor hervor, und fiel mit rudernden Armen in die Tiefe.

Schmerzhaft prallte auf dem hier überall vorherrschenden sandigen Untergrund auf, und wälzte mich ächzend und begierlich nach Luft schnappend zur Seite.

   "Was macht DER denn hier?" hörte ich mehrere Stimmen beinahe gleichzeitig fragen.

   "AAAAAH, SPINNST DU?!" schrie jemand.

Als ich erschrocken die Augen öffnete, fiel mein Blick auf einen von vergilbten Bandagen umwickelten, dünnen Fuß, der in sehr abnormem Winkel von dem dazugehörigen Bein abstand. Mit bösen Ahnungen blickte ich weiter nach oben - und wurde augenblicklich blass. Das wütende Gesicht Amens blickte mich von oben herab mordlüsternd an.

   "Oh, Scheisse…" murmelte ich, als sich vergilbte Bandagen um meine Hand- und Fußgelenke und den Hals schlangen, und ich derb in die Höhe gerissen wurde. Warum um alles in der Welt musste mich dieses verdammte Tor ausgerechnet über diesem verdammten Wickelpaket ausspucken?!

Nur Bruchteile von Augenblicken später verschwendete ich keinen Gedanken mehr an die Ungerechtigkeit des Lebens, denn ich hatte alle Hände voll damit zu tun am Leben zu bleiben. Irgendwie hatte ich es geschafft meine von den Bandagen Amens gefesselten Hände zu meinem Hals zu bewegen, und die mir dort die Luft abschneidenden Stoffstreifen zu packen. Doch trotz aller meiner Bemühungen zogen sich diese unter dem hämischen Gelächter der Mumie, die dieses Schauspiel sichtlich genoss, nur noch fester zusammen.

Dann plötzlich vernahm ich das mir schon so vertraute Gebrüll Kitas, und nur Sekunden später lösten sich die Fesseln  von meinem Körper, und ich kippte ächzend in den Sand.

   "GRRRRRRRRRR! GRAUOARR GRUAFF GRARR!"

   "Spinnst du? Die Bandagen waren fast ganz neu!" hörte ich Amen schimpfen.

   "Moment, ich erledige diesen Knilch für dich!" vernahm ich Kalmas Stimme, und der typische Verwesungsgestank des Zombies stach mir plötzlich in die Nase.

   "GRAAAAARRR!!!!"

   "GEH MIR AUS DEM WEG DU WANDELNDE KAULEISTE!"

   "HAAAARKH! FGROARR GRRRR!"

   "AAARGH!" Ein dumpf klingender Aufprall, und ein direkt darauf folgendes Scheppern unterrichteten mich davon, das Kita wohl den Bikerzombie gegen Magnum geschleudert haben musste.

   "GRRRRR!"

   "Jaja, schon gut." drang Lordis Stimme in der plötzlich einsetzenden, unheimlichen Stille an meine Ohren. "Ich lass dir dein Spielzeug schon. Und jetzt mach brav Sitz…"

Vorsichtig getraute ich mir meine Augen wieder zu öffnen, und ich sah was ich erwartet hatte. Kita hatte sich mit seiner gesamten furchterregenden Masse über mir aufgebaut, und starrte die ihn ihrerseits anstarrenden Lordi und Enary mit gebleckten Zähnen an. Als ich meinen Kopf ein wenig drehte, sah ich unweit von mir Amen am Boden sitzen, und mit beleidigter Miene seinen Fuß wieder in die richtige Position drehen. Ein Stückchen dahinter, an der Wand, waren Kalma und Magnum gerade damit beschäftigt unter metallischem Gescheuer von Ketten auf Panzerteilen ihre Gliedmaßen wieder zu entflechten.

   "BUHUHUUUUUU! Das tut mir ja alles so leeeeeeeeeid!" hörte ich plötzlich jemanden jammern, und begriff mit Überraschung dass es Kita war, der das markerschütternde Geheule fabrizierte. Das Manbeast war in Tränen ausgebrochen, und wälzte sich neben mir am Boden, wobei es immerzu etwas wie das es seine Mitmonster hintergangen haben könnte brabbelte. Irgendwie kam ich mir in dem Moment vor, als ob ich im falschen Film gelandet wäre.

Verwirrt standen nun alle Monster um mich und den jammernden Kita herum. Aber am wenigsten Verstand immer noch ich. Eben erst hatte er mich wütend brüllend wieder mal gerettet, nun jaulte er hier rum und entschuldigte sich unaufhörlich bei seinen Mitmonstern dafür, dass er sie vielleicht hintergangen haben könnte. Diese Gefühlschwankung war aber deutlich nicht nur mir rätselhaft.

   "Was hat der Kerl denn schon wieder? Sowas hab ich ja noch nie bei ihm erlebt." meinte Kalma und kratzte sich am Kopf.

Plötzlich hörte das Biest zu jammern auf und schritt knurrend auf den Zombie zu. Seltsamerweise in meiner Sprache gab er Folgendes von sich: "Ach, erst entschuldige ich mich und dann hackt ihr alle auf mir rum! Glaubt ihr man kann sowas mit mir machen?! Und du, du konntest mich sowieso nie leiden, du gefühlskalter Mistkerl... KEINER HIER HAT MICH LIIIIEEEB!!!" jaulte er und brach gleich darauf in einen rührseligen Tränensturz aus.

   "Vielleicht ist er krank, ich sollte ihn mal untersuchen." meinte Amen. Das ich ihm auf den Fuß gefallen war, schien er in Anbetracht der Ereignisse glücklicherweise schon wieder vergessen zu haben.

Und wieder begann Kita rumzuzicken. "Aber für irgendwelche Experimente bin ich noch gut genug, was?!?! Ich bin ja deeeeeermaßen enttäuscht von euch!!" brüllte er und heulte weiter.

   "Der muss auf jeden Fall mal untersucht werden." meinte Lordi stutzig.

   "Komm mal mit mein Kleiner, hier gibt’s Leckerlie..." lockte Enary, und es wirkte. Kita folgte ihr wortlos, sogar bis in Amens Zimmer.

Erst im Gemach der Mumie angekommen, bemerkten die anderen Monster dass ich immer noch dabei war. Dafür konnte ich jedoch nichts, denn Kalma hatte mich vorhin hochgezerrt und mir ins Ohr geflüstert: "Wenn das was mit dir zu tun hat, kann ich dich am schnellsten killen wenn du mitkommst, Menschlein..." Mit diesen Worten schubste er mich einfach vor sich her, den anderen nach.

   „Hab ich dir nicht gesagt, dass unsere Privaträume TABU sind?!?!?!“ fuhr Amen mich an.

   „Is schon ok.“ brummte der Bikerzombie hinter mir. „Den hab ich mitgeschleppt damit wir das Problem aus der Welt schaffen können, sollte es an ihm liegen dass Kita so abdreht.“

   „Ach so. Dann is ja gut.“

Leider schien Kita diese Worte nicht mitbekommen zu haben, denn die Walküre hatte ihn mit einigen Fleischbrocken abgelenkt und auf einen großen Metalltisch in der Mitte des Raumes gelockt. Bei der Gelegenheit sah ich mich vorsichtig um. An den Wänden standen überall große Holztische und darüber hingen offene Regale, ebenfalls aus Holz. In ihnen und auf den Tischen standen Unmengen an Gläsern und Flaschen mit diversen Flüssigkeiten, die farblich gruppiert waren. Auf schmalen Holzbrettern vom Regal, die vor den Gefäßen verliefen, waren Etiketten mit Hieroglyphen. Auf einigen der Tischen waren scheinbar ganze Chemiebaukästen aufgebaut. Und ein Haufen von allerhand eingeschweißtem modernem Arztbesteck und altägyptischen Werkzeugen blieb mir auch nicht verborgen. Aber am beeindruckensten war mit Abstand der große, prachtvolle Sarkophag, der in einer kleinen Nebenhöhle auf einer Art Altar mit Samtdecke unter einigen Feuerbällen an der Wand, aufgebart war.

   „Hey!! Glotz nicht blöd in der Gegend rum!!“ wurde ich auf einmal von der Mumie angeschrieen.

   „V-v- verzeihen sie bitte…“ stotterte ich erschrocken. Amen wandte sich ab, dafür packte mich eine verfaulte Hand plötzlich fest im Nacken und der noch immer hinter mir stehende Kalma knurrte bedrohlich.

   „So, nun zu dir. Ich nehme dir jetzt schnell etwas Blut ab, mach ’n paar Tests und dann wissen wir mehr.“ Erklärte Amen, während er aus einer Tischschublade eine doch ziemlich große Spritze herausholte. Wie erwartet wollte das Manbeast sofort Reißaus nehmen, doch Lordi ließ aus dem Nichts einige flammende Ketten erscheinen, die es auf den Tisch runterzogen und dort festhielten.

   „So geht’s doch gleich viel leichter, und jetzt schön still halten… als ob dir was anderes übrig bleiben würde, hähä.“ meinte die Mumie gehässig.

   „Grrrrfff…“ knurrte das Biest gereizt und versuchte sich loszureißen, aber da standen seine Chancen schlecht.

   „Hey, könnte ihn mal jemand ablenken? Bei dem Gezappel erwisch ich die Vene nicht richtig.“ beschwerte sich Amen.

   „Warte, wir kommen ja schon.“ antwortete Enary, aber wen meinte sie mit „wir“? „Du, Menschlein…hilf mir mal.“

   „Äh, ich? O…ok.“ Zaghaft näherte ich mich mit der Walküre dem an den Ketten zerrenden und um sich schnappenden Kita, bis ich von Kalma einen unsanften Schubs bekam und beinahe der Länge nach hinfiel.

   „Hähä, stolpert über seine eigenen Füße!“ lachte er.

   „Sehr witzig, mein Lieber. Der soll mir helfen.“ kommentierte die Walküre und zog mich hinter sich her zu Kitas Kopf. „Na mein Schnuffelchen, alles ok? Ich pass schon auf dass es nicht so wehtut, Amen ist bestimmt ganz vorsichtig. Ich halt dir die Augen zu und der Mensch krault dich schön, ja? Dann ist alles ganz schnell vorbei…na los, mach schon!“ zischte sie mich plötzlich an.

   „Ja doch, ich mach ja schon.“ Schnell legte ich meine Hand in den Nacken des Manbeasts und begann ihn zu massieren, während Enary Kita mit beiden Händen die Augen zuhielt.

Bruchteile einer Sekunde später hatte die Mumie die Nadel der Spritze im Oberarm des Biests versenkt, welches den Stich mit einem starken Zucken und Knurren zur Kenntnis nahm. Nach einigen weiteren Sekunden hatte Amen den Füllkörper der Spritze voll und zog die Nadel wieder zurück. Lordi lockerte die Ketten und mit einem Satz war Kita vom Tisch in eine Ecke des Raumes verschwunden, nur weit weg von der Mumie und ihren unzähligen spitzen Gegenständen.

   „So, jetzt nur noch die Tests und dann wissen wir was unser Vielfrass hat. Ihr wartet am besten so lange draußen, ich muss mich konzentrieren.“

So verließen ich und die restlichen Monster das Zimmer des altägyptischen Untoten und die Tür schloss sich hinter uns.

   „Und was machen wir so lange hier draußen?“ fragte Kalma.

   „Ich weiß was!“ rief Magnum. „Wir spielen Fangen mit dem Menschlein!“ Mein Gesicht wurde in diesem Moment kalkweiß, WIE wollten diese beiden Wahnsinnigen MIT MIR Fangen spielen?

   „Hähähä, super Idee! Wer ihn fallen lässt darf ihn nachher nicht mit fressen!“ lachte der Bikerzombie und hatte mich im nächsten Moment mit Leichtigkeit hochgehoben und zu Lordi geworfen. Und Kita half mir noch nicht mal, denn er saß beleidigt schmollend in einer Ecke und hatte dem Geschehen den Rücken zugekehrt.

Nach ca. 10 Minuten, in denen ich mehr um mein leben bangte als die ganze Zeit zuvor, kam Amen aus seinem Zimmer. In seiner rechten Hand hielt er zwei Reagenzgläser, wovon eines mit einer gelben, und das andere mit einer roten Flüssigkeit gefüllt war. In seiner anderen Hand hielt er die Spritze mit Kitas Blut.

   „Tja, bei fast allen Tests habe ich nichts außergewöhnliches festgestellt. Nur einen letzten wollte ich hier machen, damit ihr nachher nicht sagt ich bin verrückt wenn er positiv ausfällt… was ich aber selbst kaum glauben würde.“ erklärte er.

   „Na dann leg mal los!“ forderte Kalma ihn auf und lies mich bei der Gelegenheit fallen.

   „Haha, du hast ihn fallen lassen, du darfst ihn nicht mit fressen!“ rief Magnum triumphierend.

   „Ach, Blödsinn. Das Spiel war schon längst vorbei!“ wehrte sich der Zombie.

   „Ruhe jetzt!!“ schrie Amen. Alle, auch Kita und ich, schauten ihn an. Behutsam lies er in jedes Reagenzglas einen Tropfen vom Blut des Manbeasts fallen. „Wenn sich beide Flüssigkeiten blau verfärben, ist der Test positiv.“ meinte er noch.

   „Aber sonst ist alles mit ihm in Ordnung, stimmt doch oder?“ fragte Lordi.

   „Ja ja, er ist nicht läufig bzw. rollig oder spitz, er ist vollkommen gesund, er hat keinerlei geistige Schäden und…“ Plötzlich riss die Mumie die Augen ungläubig auf, als sich die Inhalte beider Reagenzgläser blau verfärbten. „…UND ER IST SCHWANGER!!!!!“

Einige Sekunden herrschte Stille. Dann dröhnte es mir plötzlich von allen Seiten entgegen: „ER IST WAAAAAAS?!?!?!“ Kita selbst schien davon auch nichts gewusst zu haben, denn er starrte die Mumie genau so perplex an wie alle anderen.

   „Er ist schwanger!! Ist das jetzt angekommen?!“ wiederholte Amen. „Der Flüssigkeitskonsistenz, dem Farbton vom Blau und der Verfärbungsdauer nach aber erst seit ca. 2 bis 3 Wochen.“

Bei mir selbst lief mein Gehirn auf Hochtouren, aber auf den Gedanken, dass Kita schwanger sei, wollte mir einfach keine Logik folgen. Er war doch immerhin…ja, ein ER, männlich. Wie konnte ER also schwanger werden?

Mein Grübeln wurde jäh davon unterbrochen, dass mich Lordi ziemlich ruppig am Arm in den aufrechten Stand zog. „Antwortest du gefälligst mal, wenn man mit dir spricht?!?!?! Werde hier ja nicht unverschämt!!!!“

   „Aaa… E-entschuldigung! Ich ha-hab es wohl nicht mitb-bekommen, weil ich nachgedacht ha…“

   „Was ist so wichtig dass du drüber nachdenken solltest, während ich dir was sage?!?!“ schnauzte er schroff.

Weil mein Wissensdurst diesmal leider meinen Überlebensinstinkt besiegte, begann ich zitternd: „W-w-wie kann Kita…"

   „Schwanger sein?“ mischte sich Enary ein. „Ganz einfach, Kita ist männlich und weiblich in einem. Er hat von beiden Geschlechtern Fortpflanzungsorgane. Die sieht man allerdings auch dann nicht, wenn er nicht diesen Stofffetzen um die Hüften trägt. Das ist alles unter einer zweiten Hautschicht, die bei ihm von knapp unterhalb der Gürtellinie bis über ein paar Zentimeter der Oberschenkel geht und mit extrem kurzen und eng zusammenstehenden Härchen bedeckt ist, versteckt. An den Oberschenkeln hört sie allerdings unregelmäßig auf, es sieht aus als ob er eine Shorts aus stoppeligem Fell an hat. Jedenfalls könnte man diese bestimmten Organe nur sehen, wenn sie auch zum Einsatz kommen sollen. Verstehst du das?!“

   „Ähm…ja, ja ich glaub schon. D-danke.“

   „Aber wie ist er denn überhaupt schwanger geworden?“ fragte Magnum.

   „Gute Frage, erzähl doch mal…KITA!“ Wie auf Kommando richteten sich alle Augenpaare auf das Manbeast, welches aber auch nur verwirrt mit den Schultern zuckte.

   „Hey, einen Moment mal!!“ rief Kalma. „Ich nehme mal an, dass es von uns keiner war. Enary fällt generell flach. Amen auch, wenn der noch irgendwen schwängern könnte würde ich mich freiwillig taufen lassen. Magnum hat überhaupt nix mehr womit er…“

   „Klappe, du laufender Komposthaufen!!! Is schon schwer genug so damit leben zu müssen!!!“ beschwerte sich das mechanische Monster.

   „Ja, is ja schon gut. Reg dich ab. Ich kann es jedenfalls auch nicht getan haben, ich bin schließlich mit Enary zusammen und da gehört Treue mit zu.“

   „Und ich hätte es gemerkt, wenn er sich woanders vergnügt hätte. In den letzten 4 Wochen war hier doch nichts los und immer dann kommt er ja pausenlos bei mir an. Wenn wir fertig sind pennt er erst mal ’n paar Stunden und wenn danach nix los ist dann trinkt er sich einen und kommt wieder an, da kann man fast die Uhr nach stellen. Da wäre es mir aufgefallen wenn er… ihr wisst schon.“ erzählte die Walküre.

   „Ok, dann bleiben noch zwei…“ fing die Mumie an, wurde aber von Lordi unterbrochen.

   „Du verdächtigst doch nicht allen Ernstes mich…oder?“ zischte er drohend und stierte Amen säuerlich an.

   „Äh… Nein. Aber…“

   „Spar dir dein Gerede, der da war’s!!!“ brüllte der Zombie und zeigte auf mich.

   „Ich?! Niemals, das ist doch… absurd!“

   „Bitte was?! Auch noch frech werden, was?!?! Jetzt kommen zu seinen Hormonschubphasen und den All-Animal-Tagen noch Stimmungsschwankungen wegen dir dazu!!!! Ich sollte dich…!!!!!“

   „STOPP DU IDIOT!!!!“ fuhr Amen Kalma an. „Ich sagte doch, er ist seit ca. 3 Wochen schwanger. Der Mensch ist aber erst seit ein paar Tagen bei uns, der fällt also auch raus, ob’s dir passt oder nicht. Das wollte ich eben auch sagen. Vermutlich hat sich Kita auch deshalb so schnell an ihn gewöhnt und beschützt ihn jetzt. Ich glaub bei ihm stellen sich schon Muttergefühle ein.“

   „Oh wie niedlich!“ schwärmte Enary.

   „Muttergefühle? Für den da?! Wäre der auch nur um ein paar Ecken mit mir verwandt, würde ich entweder ihn oder im Notfall mich vernichten!“ ätzte der Zombie.

   „Ich kann es trotzdem nicht gewesen sein.“ meinte das Obermonster. „Ich habe euch doch mal erzählt… na, zu was mich meine damalige Frau gezwungen hat, als ich noch menschlich war.“

Unter den Monstern brach plötzlich Gekicher aus. „Jaahaaa, im Suff ist es dir rausgerutscht, meinst du wohl, hähähä!“ sagte der Bikerzombie.

   „Dann eben so, aber ihr wisst wovon ich rede und darum muss das nicht noch mal aufgewärmt werden, kapiert?“ Wieder legte der Höllenfürst einen bedrohlichen Tonfall und ein mürrisches Gesicht auf. Doch dann platzte es einfach aus Amen, der schon die ganze Zeit mit einem Lachanfall zu ringen hatte, einfach heraus.

   „HAHAHA!!!!! IS SCHON KLAR, WER REDET SCHON GERNE ÜBER ’NE VASEKTOMIE, HAHAHA!!!!“
   „ICH SAGTE IHR SOLLT DIE SCHNAUZE HALTEN!!!!!“

Das Obermonster ging wieder wütend in Flammen auf und erhob seine riesige Axt zu einem Schlag, der die Mumie bestimmt ohne Mühe entzwei geteilt hätte. Doch Kita riss Amen im letzten Moment aus der Gefahrenzone… aber nicht um den altägyptischen Untoten zu schützen, sondern um mich vor meinem sicheren Ende zu bewahren. Die Mumie hatte mich nämlich innerhalb eines Sekundenbruchteils ergriffen und wie einen Schutzschild vor sich gehalten. Ich war überirdisch erleichtert, dass das Manbeast genau in diesem Zeitpunkt seine Fassung wiedererlangt zu haben schien, gleichzeitig versuchte ich aber auch mit dem Gedanken eines sterilisierten Monsters klar zu kommen.

   "VERDAMMT KITA!!! BÖSER JUNGE!!!“ brüllte Lordi in markerschütternder Lautstärke.

   „Lass gut sein Chef, unsere wandelnde Klopapierrolle hat glaub ich auch so genug abbekommen.“ Bei dieser Feststellung deutete Magnum auf Kita, der sich gerade mit mir unterm Arm von Amen wegbewegte.

Nun erkannte man deutlich die Bedeutung von Magnums letztem Satz. Der dörre Körper der Mumie war vom Gewicht Kitas ziemlich arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Brustkorb war fast vollständig eingedrückt, mindestens eine Schulter war ausgekugelt und das Genick Amens vermutlich nicht zum ersten Mal gebrochen.

   „Ausserdem ist es doch jetzt erst mal wichtiger rauszufinden, wer unserem Fresssack ’nen Braten in die Röhre geschoben hat. Richtig?“ fragte Kalma.

   „Hrrrmmm, richtig.“ knurrte das Obermonster und setzte die Axt ab. „Also, erzähl mal Freundchen. Wo hast du dir diesen kleinen Parasiten einpflanzen lassen und von wem?!“ hakte Lordi energisch nach.

Scheinbar etwas beschämt schaute das Biest zur Seite. „Hrrrm, da kann es eigentlich nur eine Möglichkeit geben.“ fing es an. „Lordi…du hast mich doch mal nach Walhalla mitgenommen, weil du die Opas da wegen Enarys Rauswurf zurechtstutzen wolltest, erinnerst du dich?“

   „Klar. Das war ein Mordsspaß denen die Leviten zu lesen, aber du warst plötzlich verschwunden fällt mir grad ein.“

   „Hmmff, einer von diesen jüngeren Göttern hatte doch so ein großes goldenes Wildschwein dabei, das Vieh bei dem du meintest es sei ’ne Sau. Tja…es war aber ein Eber und…seine heiße Phase war scheinbar noch nicht ganz vorbei, genau wie…bei mir.“

Wieder war eine gespannte Stille im Raum. Zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt sahen mein Gesicht und die Antlitze der Monster relativ gleich aus, nämlich erfüllt von purer Fassungslosigkeit.

   „Sicher dass es nicht doch Kalma war? Immerhin hast du ihn zwei Tage vorher überfallen.“ warf Amen in die Runde.

   „Wie bitte?!?! Ich glaub ich hör nich richtig!!! Was fällt dir ein, du…!!!“

   „Graarrfff!! Nein, er war es sicher nicht. Bei der Aktion waren meine männlichen Hormone überwiegend aktiv, wenn dann hätte ich ihn… ihr wisst schon. Ich war zwar nah dran, aber Lordi hat mich ja rechtzeitig runtergezogen.“

   „Hört sofort auf darüber zu reden!!!!“ schrie Kalma deutlich angesäuert.

   „Wo ihr grad eben das Thema Vasektomie erwähnt habt, würdest du sowas auch für mich tun, Kalma?“ fragte die Walküre lächelnd.

   „WAAAAAAS?!?!?!“ TICKT IHR HIER NOCH GANZ SAUBER?!?!?!“

   „Entschuldige mal, dir ist es doch auch auf die Nerven gegangen dass wir so oft in ein Menschenkrankenhaus mussten um bei mir abzutreiben!!! Und der ganze Verhütungskram wird mir auf Dauer zu teuer!!!"

   „Aber Amen kann das doch jetzt!!!“

   „Ich will nicht das ausgerechnet der irgendwas bei mir da unten macht!!! Vermutlich holt er mir den Embryo mit einem glühenden Eisenhaken raus!!! Jetzt stell dich nicht so an!!!“

   „Las du dir doch was abbinden!!! Du hast mehr Krankenhauserfahrung als ich!!!“

   „Ich will Rücksicht auf dich nehmen, weil du immer Arbeit hast wenn wir die Menschenwelt besuchen, also nimm auch mal Rücksicht auf mich!!! Bei dir muss Amen viel weniger mach als bei mir!!!“

   „WAAAS?!?! Der da soll mir an meinem besten Freund rumfummeln?!?!?! Da kann ich mir ja gleich ’nen neuen besorgen!!!!“

   „Aber du wolltest Rücksicht auf mich nehmen!!!!“ Alle beteiligten verfolgten mit größtem Interesse diesen doch sehr amüsanten Streit. Auch Amen hatte sich mittlerweile wieder so gut wie möglich zurecht gerückt und aufgerappelt… und natürlich konnte er sich ein dummes Kommentar nicht verkneifen.

   „HÄHÄHÄ!!! Ja, nimm Rücksicht auf sie…und auf die Kinder die dabei rauskommen könnten!!! Die würden sich doch die Schädel einrennen wenn die was von deinem Aussehen abbekommen, HAHAHAHA!!!“

Im nächsten Moment hatte sich der nun unheimlich entnervte Zombie zur Mumie umgewendet, seine Sense gezogen und Amen mit einem sauberen Schlag der Länge nach in zwei Hälften gespalten.

   „ACH VERDAMMT, WARUM HAST DU DEN MENSCHEN NICHT WIEDER ALS SCHUTZSCHILD GENOMMEN?!?!?! DANN HÄTT ICH MIR JETZT ZWEI NERVENSÄGEN VOM HALS GESCHAFFT!!!“

Die Frage hätte ich Kalma beantworten können, wenn ich nicht zu befürchten hätte die rasiermesserscharfe Klinge seiner Sense als Nächster zu spüren zu bekommen.

   „Toll gemacht, du jähzorniger Möchtegern-Metzger!!! Jetzt kann ich ihn wieder zusammenflicken!!!“ fuhr das Obermonster den Zombie an.

Anschließend lies es eine glühende rote Lichtkugel in seiner Hand erscheinen, welche es auf die lädierte Mumie warf. Diese wurde vom Licht umschlossen. Im nächsten Moment glimmte der Lichtball kurz aber sehr hell auf und verschwand dann. Zurück blieb eine wiederhergestellte Mumie, die sich wieder hoch rappelte.

   „Entschuldige bitte, aber was kann ich denn dafür, dass der Kerl sein schiefes Maul so weit aufreißt?!?!“ wandte sich Kalma an Lordi, welcher es aber nur mit einem gereizten Knurren zur Kenntnis nahm.

   „Ist doch jetzt auch egal!“ Enary trat entschlossen zwischen Lordi und Kalma. „Wir müssen jetzt erst mal überlegen was wir mit Kita machen.

   „Was wir mit ihm machen? Ganz einfach, ich ritz ihn kurz auf, hol das in ihm wachsende Ding raus, dann tackere ich ihn wieder zu und der kleine Parasit kommt bei Magnum in ein Gurkenglas.“ schlug die am Boden liegende Mumie vor. Wahrscheinlich rechnete sie schon mit der Zustimmung der anderen Monster, denn sie rieb sich voller Tatendrang die Hände und starrte Kita an wie Freddy Krueger ein schlafendes Kind.

   „GRRRFFF???“ machte das Biest erschrocken.

   „Vergiss es!!! Du kommst nur über meine Leiche ans Schnuffelchen ran!!!“ gab die Walküre fauchend zurück und baute sich mit gezücktem Schwert vor dem Manbeast auf.

   „Haha. Sehr lustig, als ob’s möglich wäre noch toter zu sein als du.“ spottete Amen zurück.

   „Pass auf was du sagst! Ich wäre nicht so frech, du alter Sack!!“ schnaubte Enary zurück.

   „Dem kann ich nur zustimmen!! Pass auf was du zu meiner Verlobten sagst!!!“ ätzte der Bikerzombie.

Hatte ich mich nur verhört oder wurde Enary von Kalma gerade als seine Verlobte bezeichnet? Nein, es musste wohl stimmen. Denn nun fiel mir bei einem Blick auf die Walküre der etwas breitere Goldring mit scheinbar keltischen Verziehrungen und einem ziemlich beeindruckenden, ovalen Rubin, der im Ring eingebettet war, auf. Und ich schien nicht der Einzige zu sein, für den es hier eine Neuigkeit war.

   „Deine Verlobte?? Hab ich richtig gehört??“ wandte sich Lordi an Kalma.

   „Ja, hast du. Ich habe ihr gestern Abend einen Antrag gemacht und den Ring geschenkt.“ berichtete dieser stolz.

Magnum trat etwas näher an Enary heran. „Lass doch mal sehen das Prachtstück.“

   „Klar doch, bitte sehr.“ Mit diesen Worten hielt die Walküre dem mechanischen Monster die Hand mit dem Ring entgegen.

Aus einer kleinen Seitenklappe in Magnums Helm kam plötzlich eine Art Objektiv zum Vorschein. Es sah aus wie die kleinen Dinger, die von Juwelieren benutzt wurden. Mit ihm betrachtete das biomechanische Wesen den Ring, aber insbesondere den Stein peinlich genau.

   „Hui, Donnerwetter! Wenn meine Anzeige stimmt, dann trägst du da ein kleines rotes Vermögen mit dir rum. Dieser Karatwert kommt mir verdammt bekannt vor.“

   „Hrrrf grarrf grearrff?“ fragte Kita.

   „Ja, so wertvoll ist das Ding. Das ist scheinbar ein Stück eines Nawata Rubins, so ein Ding hat bis zu 496,5 Karat und es ist die größte Rubinsorte die es auf der Erde gibt.“

   „Was?? Ehrlich???“ fragte Enary euphorisch. „Oh, mein süßer lieber Schatz, so viel bedeute ich dir??“

Kalma setzte zum ersten Mal seit ich hier unten war ein nahezu freundlichen, fast schon liebenswürdigen Gesichtsausdruck auf. „Aber natürlich doch. Für meinen Mondschein is mir doch grad das Beste gut genug.“ säuselte er und nahm die Walküre in den Arm. Obwohl ich mich gegen den Gedanken zuerst wehrte, fand ich doch dass Kalma und Enary so eigentlich schon… sympathisch aussahen und auch ein recht gutes Paar abgaben. Der Meinung schien Amen natürlich wieder mal nicht zu sein.

   „Wuuäää! Is ja ekelhaft, immer diese Schmalzmonzetten.“ Dass er sich damit wieder das Ungemach von Kalma und Enary zuzog war ihm klar, er schien es ja fast drauf anzulegen.

   „Kitaaaa???“ fragte Enary mit ihrer liebreizenden, und doch so unheimlich kühlen Stimme. „Weißt du eigentlich dass es sehr gut ist während einer Schwangerschaft gut durchgereiftes und ausgeblutetes Fleisch zu essen?? Fang am besten gleich damit an, am besten schmeckt es wenn es in LEINENTÜCHERN war!“

Das Manbeast hatte den Wink scheinbar verstanden und wandte sich nun gierig knurrend Amen zu.

   „Hey, komm nicht auf dumme Gedanken! Lieber Kita, mach schön Sitz…“

   „Hmrrrrr… GAAAOOAAARRRR!!!!!“

   „HEY!! HAU AB DU… AAAHHHH!!!!!!“  Mit einem überraschenden Sprung hatte Kita die Mumie von den Füßen gerissen, mit dem maul am Hals gepackt und in einen der Gänge geschleift. Eine Maus oder Ratte ergriff dort fiepend die Flucht vor den beiden Monstern.

   „KITA!!! AUS!!! ICH HAB DEN KERL GARD ERST WIEDER ZUSAMMENGEBAUT!!!!! UND ZWAR MIT MEINEM LETZTEN FLITZLICHT!!!!“ brüllte Lordi und folgte dem Biest und der Mumie.

Und ich war nun allein… allein mit Magnum, Enary… und, zu allem Überfluss, KALMA.  

Dieser wandte sein Augenmerk, was er zuvor noch auf den davonfliegenden Lordi gerichtet hatte, bedrohlich langsam auf mich.

   „Menschlein…“ knurrte er trocken. „Weißt du eigentlich, dass Lordi meine Goldwing versetzen musste, um die Reparaturen an Magnum zu bezahlen?“
   „Äh…n-nein, das w-wu… wusste ich n-nicht.“ antwortete ich zitternd.

Plötzlich riss mich jemand heftig am Arm aus meiner bisherigen Sitzposition hoch. Als ich umgedreht wurde erkannte ich, dass es Magnum war.

   „Du weißt bestimmt auch nicht wie unangenehm es sich anfühlt, wenn dir jemand mit einem riesigen Schraubstock einen ca. 100 Kilo schweren Brustpanzer aus Edelstahl, der mit deinem Leib verdrahtet ist, vom Körper wegbiegt, nur um anschließend mit ’nem Hammer von innen gegen eine Delle zu kloppen und dir dabei den Hammerkopf mit schöner Regelmäßigkeit an sämtliche Knochen zu hauen. Oder?“ Der angesäuerte Blick und der gereizte Ton, mit dem das eisendurchzogene Monster diese Frage begleitete, ließen in mir unbeschreiblich schlimme Befürchtungen erwachen. Aus seinem Mund klang es ja immerhin schon wie ein Beschluss, mich diesem Gefühl näher zu bringen.
   „Der hat ja auch gar keinen Brustpanzer, höchstens ’ne Hühnerbrust.“ meinte die Walküre.
   „Ach, egal! Wenn Amen wieder an einem Stück da ist, bastelt er dem Wurm eben irgend ’ne Autotür an, das erfüllt den gleichen Zweck!“ warf Kalma, für meinen Geschmack mit zuviel Elan, ein. „Beim Nachstellen deiner so bedauernswerten Situation darf ich aber helfen, ja?“ wandte sich der Zombie gehässig vorfreudig an Magnum.

   „Von mir aus, du darfst vorher Beulen in ihn reinprügeln.“
   „Und ich?“ fragte Enary auf einmal. „Ich will auch mitmachen. Immerhin musste ich mir Anzüglichkeiten und von dem Kerl gefallen lassen.“ forderte sie.

Ich beobachtete angstvoll wie sich Kalmas Gesichtsausdruck während dieses Satzes von anfänglicher Fassungslosigkeit zu brodelnder Wut wandelte, die durch seinen Blick mit diesen giftgrünen, grausigen Augen besonders gut zum Ausdruck gebracht wurde. Als er sich mit wieder gezogener Sense und einem Schein von Zorn in den Augen drohend langsam auf mich zuschritt, während ich noch von Magnum festgehalten wurde, hätte ich am liebsten laut um Hilfe geschrieen. Aber mein Augenmerk wollte und wollte sich nicht von der sich nähernden Gefahr in Gestalt des Zombies entreißen, oder besser gesagt… es konnte nicht. Und genau so wenig traute sich auch nur ein Laut aus meinem Mund.

Dann stand der Bikerzombie direkt vor mir. Mein Angstgefühl wurde noch mal verstärkt als mir zum ersten Mal richtig auffiel, wie klein ich neben… bzw. vor ihm war. Kita ging ich bis knapp über die Hüfte, bei Kalma kam ich auch nur bis etwas unter der Brusthöhe. Zitternd schaute ich nur geradeaus auf den Mantel Kalmas. Doch dieser gierte anscheinend danach die Furcht in meinen Augen zu sehen.

Plötzlich hatte ich die Spitze von seiner Sense unterm Kinn. Als der Zombie vor mir Druck darauf ausübte hob ich freiwillig meinen Kopf, immerhin hatte ich jetzt schon das Gefühl als habe sich ein Teil der Klingenspitze durch meine Haut gebohrt. Als ich ihn dann wider Willen anschaute, begann er langsam und mit schaurigem Unterton zu mir zu reden.

   „Du hast dir also Anzüglichkeiten meiner Verlobten gegenüber erlaubt, ja? Was hast du denn… so nettes gesagt, Menschenwurm?“ Wieder konnte ich nichts sagen.

   „Er meinte ich sei eine überwältigend scharfe Braut!“ verlautbarte die Walküre mit gespielter Gekränktheit. Kalma hatte seinen Blick die ganze Zeit nicht von mir genommen, und nun erkannte ich ein wildes, rasendes Lodern in seinen Augen

    „DU WAGST ES TATSÄCHLICH…!!!!“ brüllte er zornig und holte weit mit seiner grauenvollen Waffe aus. Diesmal schien es keine Rettung mehr für mich zu geben und kniff angstvoll die Augen zu. Doch kurz bevor mich die Sensenklinge erreichen konnte, geriet Kalma aus irgendeinem Grund ins Schleudern.

   „WAAAHHH, VERDAMMT!!!!“ hörte ich ihn noch schreien, bevor ich einen scharfen Luftzug über meinem Kopf spürte.

Kurz darauf erklang die Stimme von Magnum, die allerdings nur einen Sekundenbruchteil später in unverständliche, wirre Laute umschlug. Ich traute mich wieder die Augen zu öffnen, sah nach oben und erkannte einen großen Riss im Hals des mechanischen Monsters. Dieses hatte mich nun losgelassen und tastete nach der klaffenden Wunde.

Mit seiner Rechten versuchte er die schadhafte Stelle an seinem Hals notdürftig zu reparieren, während er mit seinem freien Arm wie wild durch die Gegend zu rundern begann. Ich beeilte mich aus der Reichweite der herumwirbelnden, gepanzerten Faust zu kommen, und das keine Sekunde zu früh. Ich spürte noch den Luftzug der grünlich verfärbten, unter den Gelenken des Panzerhandschuhs hervorschauenden Hand, als ich auch schon der Länge nach hinfiel.

Kalma schien meinen panischen Fluchtversuch durchschaut zu haben, denn eine Knochenkette hatte sich fest um meine Füße geschlungen, und mich so zu Fall gebracht. Unbeabsichtigt hatte mich der Bikerzombie so aber davor bewahrt, von Magnum k.o. geschlagen zu werden.

   "Hrrrrrrrrch…" knarzte es aus der Kehle der beschädigten Blechbüchse. Knackend ließen sich mehrere winzige Explosionen vernehmen, als einige Schaltkreise des mechanischen Monsters durchbrannten. Ein Funkenregen stob aus Magnums Hals, und tanzte spöttisch über eine kleine, gemein aus dem Boden ragende Wurzel, die augenscheinlich für Kalmas kleinen Unfall verantwortlich war.

   "Brrrrp! Brrrrp!" machte das von der Sense arg beschädigte Monster.

   "Na toll, du hast die Kabel von seinem Sprachzentrum durchgesäbelt." sagte Enary.

   "Äh… Magnum?" fragte der Bikerzombie vorsichtig, während er die Sense in seiner Hand unauffällig verschwinden ließ. Der Angesprochene reagierte jedoch nicht, und begann nur langsam vornüber zu kippen.

   "Hallo, jemand zuhause?" fragte Kalma erneut, und tippte sein inzwischen leicht rauchendes Mitmonster etwas vorsichtig an, doch er erhielt wieder keine Antwort. Stattdessen begann sich Magnum wieder nach hinten zu bewegen, und gleich darauf wieder nach vorne, und wieder nach hinten… wie ein übergroßes Standpendel.

Ich lag noch immer mit gefesselten Füßen am Boden, und mir blieb nichts anderes übrig als das kuriose Schauspiel mit anzusehen. Nachdem ich die Kette nicht von meinen Füßen bekam, hatte ich versucht davonzurobben, doch ich war nicht von der Stelle gekommen. Warum, sah ich erst jetzt. Dieselbe Wurzel die für den kleinen Unfall mit der Sense verantwortlich war, hatte Kalma jetzt benutzt um mir meine Fluchtpläne gründlich zu versalzen, indem er das andere Ende der Kette kurzerhand darum geschlungen hatte.

   "Ich bin ein Flugzeug, ich bin ein Flugzeug, ich fliege hoch, ich fliege weit!" Knarzte es aus zwei, urplötzlich auf den Schultern Magnums erscheinenden Lautsprechern. Das mechanische Monster hatte seine Arme wie Tragflächen ausgeklappt, und setzte sich nun schwankend in Bewegung, sodass er irgendwie wie ein schwer betrunkener Albatross aussah. Kalma, Enary und meine Wenigkeit starrten das anscheinend verrückt gewordene Monster an wie das achte Weltwunder.

   "Ich bin ein Flugzeug…" Magnum begann schlingernd den Gang hinunter zu stapfen, wobei er kontinuierlich beschleunigte.

   "Ich bin ein Flugzeug…" Augenscheinlich hielt sich das beschädigte Monster tatsächlich für ein Flugzeug, denn es schien sich darauf vorzubereiten zu starten.

   "Ich fliege hoch…" Magnum-Air hob nun mit einem Hechtsprung tatsächlich ab.

   "Ich fliege… UNGH!" Der in einem abrupten Knick im rechten Winkel endende Gang setzte dem Höhenflug der durchgebrannten Blechbüchse ein abruptes, laut schepperndes Ende.

   "… Autsch!" machte Enary.

   "Krass!" kommentierte Kalma.

   "Au Scheiße…" meinte ich.

   "… dann geben sie Butter und Zucker dazu, und rühren die Masse schaumig." knarzte es aus Magnums Lautsprechern, die den Anprall wie durch ein Wunder heil überstanden hatten.

   "Was?!" entfuhr es den Monstern und mir gleichzeitig.

   "Ich glaube er hält sich für ein Radio." meinte Enary, die als erste ihre Sprache wieder fand schließlich.

Die Vermutung war ziemlich nahe liegend, da das mechanische Monster inzwischen den Sendersuchlauf eingeschaltet haben musste. Neben dem typischen Rauschen und Krachen der Radiofrequenzen, drangen auch ab und zu schwer verständliche Sprachfetzen aus seinen seit dem Anprall an der Wand etwas blechern klingenden Lautsprechern. So vornüber gebeugt an der Wand hockend, hätte man ihn durchaus für einen Design-Radio halten können, das den Köpfen mehrerer Elektro-Ingenieure auf Koks, LSD (oder was für Drogen auch immer) entsprungen war.

   „SSSSST…nun haben wir hier Pam, die auf One Night Stands steht. Sie ist 1,70 groß, blond und hat die Maße 90, 60, 90. bei Interesse wählen sie die 0190 3…SSST…“ drang es aus den Lautsprechern Magnums. Er war scheinbar kurz auf einer Art Vermittlungssender der speziellen Art gelandet. Plötzlich stürmte Kalma an mir vorbei zu ihm und begann den mechanischen Koloss zu schütteln.

   „Hey! Warum machst du ausgerechnet jetzt schlapp?! Ich möchte mehr wissen über Pa…AAAUAAA!“ Enary war ihrem Verlobten wütend hinterher gestapft und hatte ihm ihr Schwert von hinten durch den unteren Rückenbereich gejagt. Selbige Waffe trat auf der anderen Seite, sehr knapp über dem Gemächt des Zombies, wieder aus.

   „Du musst nix über Pam wissen!! Das einzige was du wissen musst ist wie man sich seiner Verlobten gegenüber zu verhalten hat!!!“ Die Walküre zog ihr Schwert daraufhin kräftig zurück und Kalma rappelte sich wieder auf.

   „Ja, tut mir leid…“ gab er murrend zu. „Aber pass bitte das nächste Mal auf wo du mich durchbohrst, das hätte eben für uns beide böse Folgen haben können.“ predigte er mit erhobenem Zeigefinger.
   „Wohl mehr für dich als für mich, aber kümmern wir uns erst mal um Magnum. Immerhin denkt er, er sei ein Radio oder sowas.“

   "Ich glaube eher der Schrotthaufen ist endgültig durchgebrannt." meinte Kalma auf seine unnachahmliche, trockene Art.

   "Du hast ihm ja immerhin buchstäblich die Kehle durchgeschnitten." sagte die Walküre.

   "Das macht ihm doch aber normalerweise nichts aus"! verteidigte sich der Zombie.

   "Ihm nicht, aber seinen Schaltkreisen schon, du Riesenross!" schimpfte Enary. "Sexhotlines! Wegen dir ist jetzt womöglich sein komplettes Programm durcheinander geraten!"

Ich beobachtete das Wortgefecht zwischen den beiden Verlobten mit wachsendem Interesse, aber auch mit einem gewissen Maß an Furcht. Irgendwie wirkten die Beiden, als ob sie schon mindestens 30 Jahre verheiratet wären.

   "Das war doch aber auch nicht meine Schuld"!  gab der Bikerzombie zurück. "Der da war schuld!"

   "Äh… wa- was? Warum ich?!" fragte ich erschrocken.

   "Da fragst du noch so blöd?" knurrte Kalma, und ließ bei der Gelegenheit gleich die Sense in seiner Hand wieder erscheinen. "Wegen dir hab ich doch überhaupt erst in die Richtung gezielt, also bist du auch Schuld!"

   "A- aber… die… die Wurzel!" wimmerte ich, während ich mich instinktiv unter dem knechtenden Blick meines Todesboten duckte.

   "Was faselst du da, du Wurm? Was für eine Wurzel?"

Verzweifelt suchte mein Blick das so gemein unschuldig aus dem Boden ragende Holzstück, und meine Kehle wollte schon schreien 'Da! DA!' - doch ich fand das verdammte Ding einfach nicht wieder! Es war weg! Wie vom Erdboden verschluckt! (Was bei näherer Betrachtung hier sogar durchaus möglich sein konnte…)

Die zuvor um die inzwischen verschwundene Wurzel geschlungene Knochenkette, die mich so wirkungsvoll hier gehalten hatte, lag nun locker über den sandigen Boden. Als ich sah wohin die die knöchernen Glieder meiner Fessel führten, erstarrte ich vor Schreck. Um das andere Ende der Kette schlossen sich blasse, fast weiße Finger, und etwas darüber starrte mich das gehässig grinsende Gesicht der Partnerin meines selbsternannten Henkers an.

Ich war unfähig auch nur einen Ton von mir zu geben, und konnte einfach nur noch mit schreckgeweiteten Augen die drohend über mir schwebende Sense anstarren.

   "STIRB DU WURM!" donnerte Kalma.

Im Geiste hatte ich bereits ein weiteres Mal mit meinem Leben abgeschlossen, als hinter dem Bikerzombie plötzlich ein seltsames, surrendes Geräusch zu hören war. Dieses schien ihn aus dem Konzept zu bringen, aber leider nur kurzfristig. Schon hatte er wieder mit der Sense ausgeholt, und bereitete sich darauf vor mich in zwei oder mehr Teile zu zerlegen.

   "SRRRRRRRRRRR!"

In diesem Moment tauchte der beschädigte Magnum wieder hinter ihm auf, einen dicken, flexiblen Schlauch mitten aus der Brust hängend. Ich registrierte am Rande dass sich die Lautsprecher auf seinen Schultern wieder eingeklappt hatten, er sein Tätigkeit als Radioempfänger also anscheinend wieder eingestellt hatte.

   "SRRRRRRR!"

Umso mehr war ich davon überrascht, dass das mechanische Monster mit dem Schlauch den es nun ausgeklappt hatte, den Sand aufzusaugen schien. Auch Kalma hatte sich umgedreht, und musterte den gebückt dahin stapfenden Magnum mit eher befremdlichen Blicken. Zum Glück schien er über das neue Schauspiel das sein Mitmonster gerade bot, vorläufig vergessen zu haben dass er mich eigentlich gerade umbringen wollte.

   "Ich glaube er hält sich jetzt für einen Staubsauger…" mutmaßte Enary.

   "SLURP!" machte es in diesem Moment.

   "AAAAAAAAAH, spinnst du?! Mein Mantel!" brüllte der Bikerzombie.

Die einem Haushaltsgerät ähnliche Fehlfunktion des beschädigten Magnum hatte dazu geführt, dass das Monster nun im Saugwahn den zerfetzten unteren Saum von Kalmas heiß geliebtem Ledermantel eingesaugt hatte. Mit dem Stiel seiner Sense versuchte sich dieser den Attentäter vom Leib zu halten, während er mit einer Hand nach dem Saugschlauch greifen wollte. Tiefer und tiefer wurde der Mantel des Zombies hinein gesogen, dann erreichte seine graue Hand endlich die improvisierte Düse - und wurde ebenfalls hinein gezogen!

   "AAAAAAAAAAH! STELL DAS AB DU SPINNER!"

Auch wenn ich mich noch immer in Todesgefahr befand, konnte ich es nicht verhindern das sich ein breites Grinsen auf meine Lippen stahl. Ein kurzer Seitenblick auf Enary, die mich ebenfalls vollkommen vergessen zu haben schien, zeigte mir das auch die Mundwinkel der Walküre schon zu zucken begonnen hatten.

   "SRRRRRR!"

Es war aber auch ein geradezu göttlicher Anblick, wie sich Kalma, in der einen Hand die Sense die er quer über die Brust Magnums hielt, mit der anderen Hand bis zum Ellbogen in dem Schlauch steckend, gegen seinen Gegner, der das alles wahrscheinlich nicht einmal richtig mitbekam, zur Wehr zu setzen versuchte. Magnum selbst indes hatte wieder begonnen Funken zu spucken, und machte es Kalma mit seinen unkontrolliert herumzuckenden Gliedern denkbar schwer.

Doch auf einmal schien die Stärke des Soges nachzulassen, denn der Zombie schaffte es seinen Arm mehr und mehr hinaus zu ziehen. Schließlich kam sogar seine faulige Hand wieder zum Vorschein und der Bikerzombie wägte sich schon in Sicherheit, als plötzlich…

   „srrrSSSSSSSRRRRRRR“
Magnums Sog kam in diesem Moment wieder auf Hochtouren. Kalma konnte seinen Arm zwar in Sicherheit bringen, dafür vernachlässigte er eine sehr viel empfindlichere Stelle.

   „SLUPP!“ machte es wieder. Und kurz darauf…

   „AAAAAAAAAAHHHH!!!!! ENARY, HIIIILFEEE!!!!“ schrie der Bikerzombie in einer für ihn eher zu hohen Tonlage, was man aber irgendwie verstehen konnte. Der Schlauch des Maschinenmonsters hatte sich mit einer extremen Saugkraft zwischen den Beinen des Zombies festgesogen und ich hatte in Folge dessen sehr viel Mühe, mein Lachen zu unterdrücken. Enary verhielt sich allerdings anders als ich erwartete. Anstatt sich in Gelächter auszubrechen wurde ihre Miene ziemlich ernst und sie zückte erneut ihr Schwert.

   „Also jetzt schlägt’s aber 13! Ich bin ja froh wenn man mir Aufgaben abnehmen will aber doch nicht die, die Spaß machen!“ rief sie beleidigt und hob ihre Waffe, augenscheinlich um damit auf den Saugschlauch einzuschlagen.

   „HEEEYYYY!!!! NICHTS ÜBERSTÜRZEN, SOWAS KANN BÖSE INS AUGE GEHEN LIEBLING!!!!!“ brüllte Kalma panisch…und noch immer eher schrill, während er mit einer Hand versuchte sich des Schlauches zu entledigen und mit der anderen wild fuchtelte, um die Walküre von ihrem Plan ab zu bringen.

   "SRRR… Klick!"

Plötzlich war die Sogwirkung des Magnum-Staubsaugers weg, und Kalma konnte sich von dem mechanischen Ungetüm losreißen. Dabei stolperte er über den Griff seiner Sense, überschlug sich, und landete dann der Länge nach im Sand.

   "Grrrpfff…" knurrte der Zombie, und krallte seine grauen Hände in den feinkörnigen Untergrund. „Endlich…“ seufzte er dann noch.

Über seine plötzliche und ungefährliche Befreiung war er sichtlich erleichtert. Auch die Kriegerin hatte keine Verwendung mehr für ihr Schwert und zog es zurück. Die verrückt spielenden Schaltkreise des eben noch saugenden Monsters indes, veranlassten dieses dazu sich auf einmal ruckartig umzudrehen und nach vorne zu beugen, wobei es uns seinen stahlummantelten Hintern präsentierte.

   "Krk, krk!"

Die Arme Magnums entwickelten wieder einmal ein seltsames Eigenleben, und begannen seitlich an seinem Körper große Kreise zu beschreiben, was ihm das Aussehen einer doppelten Windmühle im Miniaturformat gab.

   "Krk, krk!"

Ich konnte nur dasitzen, und ein weiteres mal ungläubig glotzen, als auf einmal Sand aus dem Hintern des mechanischen Monstrums zu rieseln begann.

   "WÄÄÄÄÄH!" schimpfte Kalma.

   "Krk, krk!"

   "Eine Mühle… auch das noch." ächzte Enary.

   "Pfui Deibel!" meinte der Bikerzombie angewidert, während er sich wieder aufrappelte. "Furzt mich der auch noch an hier…"

   "Anstatt dich über ein paar Verdauungsgase zu beschweren, solltest du dir lieber darüber Gedanken machen wie wir das Lordi erklären." meinte die Walküre. "Und vor allem - wer das jetzt wieder bezahlen soll."

   "Der da!" sagte Kalma sofort, und packte mich wieder einmal mit seinen verwesenden Händen im Genick. "Was meinst du, wenn wir sagen dass der Knilch für den Unfall verantwortlich ist, lässt mich Lordi ihn doch bestimmt auseinander nehmen, oder?" Auch ohne den irgendwo zwischen diebischer Freude und blankem Wahnsinn schwankenden Blick den er mir dabei zuwarf, konnte ich mir nur zu gut denken das er es geradezu genießen würde mir möglichst grässliche Dinge anzutun.

   "Hmm…" die Walküre maß den noch immer Korn-, bzw. Sandmühle spielenden Magnum mit einem langen Blick "Vielleicht sollten wir ihn wegschaffen, damit ihn jemand anderes entdeckt? Dann kann der sich damit rumschlagen…"

   "Meine Göttin der Pein, du bist die Beste!" jubelte Kalma, und ließ mich bei der Gelegenheit achtlos wieder fallen. "Genau so machen wir's!"

   "BRRRRRRRRRMMM!!!" erklang es plötzlich, und aller Augen richteten sich sofort auf Magnum.

   "WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER?!" brüllte Kalma. Seine Geduld mit dem verrückt spielenden Mitmonster schien nun endgültig erschöpft.

   "BRARORAMMMM!"

   "Ich sollte dich…. UAAAAAAAAH!" Der Bikerzombie konnte sich gerade noch mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen, als auch schon das beschädigte mechanische Monster über die Stelle hinweg donnerte an der er gerade noch gestanden hatte.

Während den wenigen Augenblicke in denen sich die Aufmerksamkeit wieder von der verrückt spielenden Blechbüchse abgewandt hatte, musste es Magnum geschafft haben sowohl seine Arme als auch seine Beine in jeweils ein ziemlich unwuchtes Rad zu verwandeln. Donnernd raste das Magnum-Motorrad an uns vorbei, und verschwand, einen glitzernden Funkenschweif hinter sich herziehend, um die Biegung des Ganges mit das Monster zuvor kollidiert war.

Geschockt starrte ich auf die Stelle an der Magnum unseren Blicken entschwunden war. Dieser Wahnsinnige hatte meine noch immer gefesselten Füße nur um Haaresbreite verfehlt! Mein Herz hämmerte noch immer wie verrückt, als die Motorengeräusche des mechanischen Monsters die aus dem Gang drangen schon immer leiser wurden. Verwirrenderweise wurden sie dabei aber auch immer höher…

Binnen kürzester Zeit hatte sich das entfernte Geräusch, das von den felsigen Tunnelwänden nur hohl und grotesk verzerrt wiedergegeben wurde, in ein schmerzhaft hohes Pfeifen verwandelt. Und das zu einem grässlichen Kreischen mutierte Geräusch, schien seinen Standort nicht mehr zu ändern… Während die Monster und ich gespannt horchten, wobei uns auch nichts anderes übrig blieb, da der schmerzhaft hohe Ton ohnehin alles Andere durch seine bloße Anwesenheit in den Hintergrund drängte, begann es plötzlich dumpf zu grollen. Kurz danach steigerte sich das Grollen zu einem gefährlichen Rumpeln, als ob irgend Ewas krachend Bersten würde. Dann war es mit einem mal fast unheimlich still.

Kalma und Enary blickten sich über meinen Kopf hinweg an, und nickten bedeutsam. "Kreissäge." sagten sie gleichzeitig.

   "Gute Idee eigentlich…" meinte Kalma gehässig, und ließ seinen Blick betont langsam wieder auf mich herab sinken. Ein weiteres Mal wich alle Farbe aus meinem Gesicht. Und in diesem Moment tauchte Aleya aus einem der in den Gang hinter meinem selbsternannten Henker mündenden Durchgänge auf, hinter ihr die beiden Neuankömmlinge Awa und Ox.

Mein Herz machte einen geradezu schmerzhaften Satz. Das war meine Rettung!

   "MAMI!" schrie Awa, sobald sie der beiden Gestalten die wohl insgeheim schon nach dem besten Rezept für mein zartes Fleisch gesucht hatten, ansichtig wurde. Sie ließ auf der Stelle ihren Koffer fallen, rannte auf Enary zu, und fiel der vollkommen verdattert dastehenden Enary stürmisch um den Hals. "Endlich hab ich dich gefunden!"

Sowohl Kalma, als auch Aleya und ich musterten die beiden sich in den Armen liegenden Frauen mit vollkommenem Unverständnis bis totaler Fassungslosigkeit. Lediglich Ox hatte ein Pokerfaceartiges Grinsen aufgesetzt, wobei ihm in dieser Hinsicht aufgrund seiner physischen Voraussetzungen auch gar nichts anderes übrig blieb.

   "Ich dachte schon ich würde dich nie finden!" meinte Awa rührselig, und klammerte sich noch fester an Enary fest.

   "Ich dachte auch nicht, das ich dich je wieder sehen würde, mein kleiner Schatz…" murmelte die Walküre.

In meinem Gehirn arbeitete es auf Hochtouren, doch ich brauchte einige Zeit um die neue Erkenntnis verarbeiten zu können. Awa war die Tochter von Enary? Wenn das wirklich stimmte, wer war dann der Vater?

Automatisch glitt mein Blick zu Kalma, dessen Mienenspiel aber eine ziemlich kryptische Sprache sprach. Der Gesichtsausdruck des Zombies wandelte sich von Unverständnis über Fassungslosigkeit in Verwirrtheit, und schließlich in blanken Zorn.

   "WAS GEHT HIER EIGENTLICH AB VERDAMMT?" schrie er plötzlich. "DREHEN JETZT ALLE AM RAD, ODER WAS?!"

   "Hi Papi." Awa ließ ihre Mutter los, und war mit einem flinken Satz bei Kalma, um dem jetzt wieder verdattert dreinschauenden Bikerzombie einen freundlichen Schmatz auf die verfaulte Backe zu geben.

   "WAAAAAAH!" Der Zombie machte einen Satz zurück, und hob zuerst abwehrend die Hände. Doch dann besann er sich wieder, und baute sich in seiner vollen, beeindruckenden Größe vor Enary und Awa auf. "Was ist DAS?" fragte er knurrend, während er mit seinem grauen Finger auf das neu angekommene weibliche Monster zeigte.

   "KALMA!" schimpfte die Walküre entsetzt. "Du wirst doch wohl noch deine eigene Tochter Awa erkennen!"

Es war also wahr. Awa war tatsächlich die gemeinsame Tochter von Enary und Kalma! Das erklärte zumindest, warum mich diese Monsterfrau gleich zu Anfang so sehr an jemanden erinnert hatte… Aber was ich noch immer nicht verstand, war das Awa auftauchte und ihre Eltern suchte - wohnte sie denn nicht hier? Und wenn ja… warum?

   "Ich glaub ich brauch 'nen Drink…" murmelte der Zombie, und wollte sich von den Beiden abwenden.

   "Nichts da Freundchen, du bleibst schön hier!" meinte Enary, und packte ihren Verlobten, der nicht mehr fähig war sich dagegen zu wehren, am Mantel und hielt ihn mit eiserner Faust fest. "Das hier ist eine Familienzusammenführung, und so etwas muss auch gefeiert werden, klar? Außerdem sollten wir unsere Tochter besser kennen lernen, jetzt wo sie doch endlich wieder bei uns ist!"

In diesem Moment erklang ein ziemlich wütendes Schnauben hinter Kalma, und der Bullendämon, noch immer mit den beiden riesigen Koffern im Schlepptau, tauchte hinter ihm auf. Der Bikerzombie fuhr herum, und prallte zurück, wobei er fast gegen mich stieß. Aber irgendetwas zog mich rechtzeitig weg, sodass ich nicht unter die mörderischen Treter kam. Ich bemerkte dass es Aleya war, die mich aus der unmittelbaren Gefahrenzone gerettet hatte, und sich jetzt an der Knochenkette zu schaffen machte, die meine Füße noch immer fesselte.

   "Kann mir vielleicht irgend jemand erklären was dieses stinkende Rindvieh hier will?" ätzte der Zombie.

   "Redest du mit mir?" knurrte Ox zurück, und ließ die beiden Koffer geräuschvoll in den Sand kippen.

   "Mami, darf ich dir meinen Verlobten Ox vorstellen?" sagte Awa.

   "Hallo Ox!" meinte Enary freundlich. "Freut mich dich kennenzulernen."

   "Tag, gnä' Frau. Die Freude ist ganz meinerseits." sagte Ox

   "Dieser Ochse da will meine Tochter heiraten?" meinte Kalma gehässig.

   "Nenn mich noch einmal so, und ich brech' dir jeden Knochen im Leib!" knurrte der Bullendämon. "Schwiegervater in spe hin oder her!"

   "DU willst MIR drohen? Pass auf was du sagst Freundchen, sonst kannst du dich ganz schnell von deiner Seele verabschieden!" Die wohlbekannte Sense erschien wieder in der Hand des Zombies, und funkelte bedrohlich. "Ich werde nicht zulassen dass meine Tochter ein Rindvieh heiraten muss."

Inzwischen hatte Aleya es geschafft mich von der Kette zu befreien, und ich rappelte mich sofort stöhnend auf. Der Schmerz explodierte wie Feuer in meinen Beinen, als ich mich stolpernd zum nächstbesten Durchgang schleppte, und dort an der Wand wo mich Kalma nicht sehen konnte zu Boden sank.

   "Ach ja? Aber ausgesetzt hast du sie, du wandelnder Komposthaufen, oder was?" hörte ich Ox.

Zuerst weigerte ich mich die Bedeutung dieser Worte zu erfassen, aber dann drang sie doch noch in mein Gedächtnis vor.

   "Da tun sich ja richtige Abgründe auf, was?" flüsterte Aleyas Stimme direkt neben mir, und ich konnte ihren heißen, schuppigen Körper neben mir spüren. Ich war froh dass mich die Drachendame befreit hatte, und nun auch wieder bei mir war, denn so fühlte ich mich gleich wieder um ein gutes Stück sicherer.

   "Allerdings…" murmelte ich, und spähte, wider dem drängenden Gefühl doch einfach das Weite zu suchen, neugierig um die Ecke.

   "Was geht dich das eigentlich an?" gab der Bikerzombie zurück.

   "Was mich das angeht? Da fragst du noch? Awa ist meine Verlobte!" ereiferte sich Ox.

   "Die Verlobte eines Rindviehs! Eine Schande!"

   "Untersteh dich das noch einmal zu sagen du Komposthaufen!"

   "Rindvieh!"

   "Komposthaufen!"

   "Ochse!"

   "Das wird dir noch leid tun…"

   "Also, nachdem ihr Beiden euch ja schon so gut versteht, werde ich jetzt erstmal meiner Tochter ihr Zimmer zeigen. Ihr könnt ja später nachkommen…" meinte Enary, und nahm Awa beim Arm.

   "Bis später Schatz!" rief Ox.

   "Jaja." knurrte Kalma.

   "Bis gleich mein Hase! Und bis gleich Papi!" rief Awa noch, dann waren die Beiden verschwunden, und nur noch der Zombie und der Dämon blieben zurück, die aussahen als würden sie jeden Moment aufeinander losgehen.

   "Also wo waren wir…" meinte der Bikerzombie.

   "Wir waren dabei, dass es dir noch leid tun wird." gab der bullige Dämon zurück.

Überrascht registrierte ich, das sich Ox ganz entgegen seines behäbigen Aussehens plötzlich sehr geschmeidig zu bewegen begann, und eine seltsame Haltung einnahm die mir irgendwie dunkel aus einer Kampfsportart bekannt vorkam. Ich kramte kurz in meinem Gedächtnis nach dem Namen dieser Stellung - die so genannte Kranichposition. Der Bullendämon schien tatsächlich Ahnung von Kampfkünsten zu haben, wie mir die Sicherheit und Selbstverständlichkeit mit der er die Haltung eingenommen hatte zeigten.

Im nächsten Moment griff Kalma auch schon ohne Vorwarnung an. Jeder Andere wäre durch die unglaublich schnelle Attacke des Zombies von seiner Sense in mindestens vier oder mehr Teile gesäbelt worden, aber nicht so der kräftig gebaute Dämon. Mit einer Leichtigkeit die man ihm niemals zugetraut hätte, tänzelte er zur Seite, beschrieb eine Vierteldrehung, und entwaffnete seinen Gegner im Bruchteil einer Sekunde. In der gleichen Bewegung vollendete er die Drehung, und stand so unversehens hinter Kalma sodass er ihm einen Stoß zwischen die Schulterblätter geben konnte, der den Bikerzombie über den Griff seiner eigenen Sense, die sich plötzlich zwischen seinen Füßen befand, stolpern ließ. Die Sense landete mit einem dumpfen Geräusch im Sand, als sich Kalma verwirrt dreinblickend wieder aufrappelte. Der Bullendämon grinste.

Der Blick des Zombies fiel auf die Sense, dann auf den verteidigungsbereit dastehenden Ox, und dann umwölkte sich sein Blick von Zorn. "DU…"

In diesem Moment wollte eine Ratte den Gang queren, und ergriff, als sie sich links und rechts von den beiden furchterregenden Gestalten eingekeilt sah, laut quiekend die Flucht. Die panische Angst des Nagers ließ es die Abkürzung durch die Beine des Bullendämons nehmen, um sich irgendwo weit weg in Sicherheit bringen zu können.

Ein markerschütternder Schrei gellte durch den Gang, und Ox machte plötzlich mit hervorquellenden Augen einen gewaltigen Satz nach vorne. Dieser führte ihn direkt in die Arme Kalmas, der den in Panik befindlichen Dämon reflexartig auffing. Im nächsten Moment starrten sich die beiden Kontrahenten aus nächster Nähe an, der Bikerzombie dabei unter dem Gewicht des auf seinen Armen liegenden bulligen Schwiegersohns in spe ächzend.

Ich verschluckte mich, und Lachtränen quollen mir in die Augen, als ich kapierte das der mächtige Dämon namens Ox panische Angst hatte - vor so etwas Kleinem wie einer Ratte! Um nicht auch noch die Auswirkungen des Wutausbruchs von Kalma, der jetzt unzweifelhaft folgen würde spüren zu müssen, machte ich mich davon. Aleya schien ähnliche Gedanken zu hegen, denn sie wandte sich beinahe gleichzeitig wie ich von dem Geschehen ab.

   "Äh… hi Paps." hörte ich den Bullendämon noch sagen, dann ging alles weitere in dem Wutgezeter des Gift und Galle spuckenden Kalma unter.

  

Wir ließen das Geschehen relativ schnell hinter uns, wobei Aleya ein ordentliches Tempo vorlegte, dem ich nur schwer folgen konnte.

   "Ist das ein Choleriker." seufzte die Drachendame, als sie endlich wieder ihr Tempo verlangsamte. "Versteh ich nicht, wie man den nur aushalten kann…"

   "Kö… könnten wir vielleicht kurz anhalten?" meinte ich schwer atmend. "Ich… glaube ich… kann nicht mehr." Zur Bestätigung meiner Worte knickten in diesem Moment meine ohnehin schon butterweichen Knie wie Streichhölzer ein, und ich fiel. Vor Erschöpfung war ich kaum noch fähig den Sturz richtig abzufangen, so legte ich eine ziemlich unelegante Bruchlandung hin, wo mir zum Glück wenigstens weitere Schrammen erspart blieben.

   "Oh… natürlich! Tut mir leid…" rief die Aleya, und gleich darauf spürte ich wie ich von den warmen Pranken der Drachin ergriffen wurde, und vorsichtig wieder in die Höhe gezogen wurde. "Ich habe ganz vergessen das du ja ein Mensch bist - entschuldige bitte!" meinte die Drachendame zerknirscht.

   "Scho- schon gut. M- macht… nichts…" ächzte ich, während mir Aleya dabei half mich aufzusetzen, damit ich mich mit dem Rücken an die Wand lehnen konnte. Mein Atem ging noch immer stoßweise, und mein Herz hämmerte so stark, das ich tatsächlich Angst hatte es könnte meinen Brustkorb sprengen, heraushüpfen und fröhlich durch den Gang davon springen. Wahrscheinlich wäre ich nicht einmal mehr sonderlich überrascht gewesen, wenn das tatsächlich der Fall gewesen wäre.

   "Ist alles in Ordnung mit dir?" fragte die Drachendame mit sorgenvollem Ton.

   "Jaja…" antwortete ich schwach "Das war nur alles ein… ein bisschen viel auf einmal."

   "Dieser Aushilfstod scheint nicht gerade sanft mit dir umgesprungen zu sein…" meinte Aleya.

   "Aushilfstod…" sagte ich, und grinste schwach "Irgendwie passend. Hast du ihm das schon einmal unter die Nase gerieben?"

   "Nein." sagte die Drachin. "Ich gehe ihm aus dem Weg, seit er mir einmal mit dem Motorrad über den Schwanz gefahren ist."

   "Über… den Schwanz?" fragte ich ungläubig.

   "Ja. Allerdings hat er dabei selber auch einen ordentlichen Sturz gebaut. Die Maschine war nur noch Schrott, und Lordi brauchte mehrere Stunden und ganze 5 Flitzlichter um ihn wieder zusammenzubauen." Die Drachendame setzte ein gehässiges Grinsen auf. "Das hat er auch verdient."

   "Allerdings, das hat er…" murmelte ich.

   "Hmmm… du hast sicher Durst." meinte Aleya. "Warte, das haben wir gleich…"

Ich blickte verwundert auf, als die Drachendame mit einer ihrer Krallen begann seltsame Symbole in den Felsen ein Stückchen neben meinem Kopf zu kratzen, und dabei unverständliche, aber geheimnisvoll klingende Laute ausstieß. Schließlich, als sie einen ganzen, etwa 15 cm durchmessenden Kreis aus krakeligen Zeichen gebildet hatte, schlug sie mit einem befehlend klingenden Wort einmal kräftig gegen den Stein.

Ein feiner Riss begann sich in dem Gestein aufzutun, und ihm entströmte, zu meiner maßlosen Verwunderung - WASSER! Mit schier fassungslosem Blick schaute ich die Drachin an, doch diese deutete nur auf das etwa fingerdicke Rinnsal das sich aus dem Felsen ergoss.

   "Trink schon, es hält nicht sehr lange!"

Der Durst und die Erschöpfung besiegten sowohl Erstaunen als auch Neugier, und ich beeilte mich meinen Mund unter den gleichmäßig plätschernden Wasserstrahl zu halten. Während ich das kühle Nass gierig durch meine Kehle laufen ließ, begann sich der Riss im Gestein auch schon wieder zu schließen. Doch dieser Prozess ging langsam genug vonstatten, das ich mehr als ausreichend trinken konnte.

   "Was… was war das?!" fragte ich sofort als der letzte Tropfen Wassers versiegt war.

   "Ach weißt du… Lordi und seine Kumpane sind nicht die einzigen hier unten, die sich ein wenig auf Magie verstehen." antwortete Aleya bereitwillig.

   "Magie." murmelte ich, während ich mich wieder in die Höhe stemmte, und zunächst etwas schwankend, doch gleich wieder sicherer werdend stand. Ich stützte mich zur Sicherheit noch an der Wand ab, um nicht ein weiteres Mal unfreiwillig den reichlich trockenen Sand verkosten zu müssen.

   "Ja." bestätigte  die Drachendame.

   "Naja, inzwischen wundert mich hier ohnehin nichts mehr." brummte ich.

   "Können wir weiter?" fragte Aleya.

   "Ja, ich fühle mich wieder fit." sagte ich. "Suchen wir Kita."

 

Nachdem ich wieder einige Zeit mit der Drachin eher ziellos durch die Gänge gewandert war, begann ich mich schön langsam wieder in diesem unterirdischen Labyrinth zurechtzufinden. Eine Wegkreuzung, an der ein kleiner Farn mit ungesund aussehenden, giftig grün und rot gestreiften Blättern aus dem Gestein wuchs, erinnerte mich daran das wir uns hier ganz in der Nähe von Kitas Höhle befanden. Ich wollte gerade der Drachendame, die mit Sicherheit wusste das sich Kitas Behausung in unmittelbarer Nähe befand, vorschlagen doch zuerst einmal dort nachzusehen, als aus dem links von uns abzweigenden Gang unvermittelt Lordi höchstpersönlich auftauchte.

Wie es aussah hatte der Höllenfürst seine zuvor schon zur Schau gestellte schlechte Laune noch immer nicht abgelegt, denn er stürzte sich geradezu auf Aleya und mich.

   "WO IST DIESER VERFRESSENE FAULPELZ SCHON WIEDER?!" schnaubte er, und ich duckte mich unwillkürlich.

   "K- keine Ahnung…" wimmerte ich "Wir suchen ihn doch auch…"

Die Drachin neben mir zeigte indes keine Anzeichen sich von dem Obermonster einschüchtern zu lassen, denn sie setzte ihrerseits einen ziemlich wütenden Gesichtsausdruck auf, und blies dem Höllenfürsten herausfordernd eine schwärzliche Rauchwolke entgegen.

   "Das wollte ich dich gerade fragen, du elender Sklaventreiber!" fauchte sie. "DU hast ihn doch in MEINER Höhle zusammengestaucht, und ihm gesagt er soll sofort bei dir antanzen!"

   "Ist er auch" gab Lordi zurück. "Aber jetzt ist er schon wieder weg - mit MEINEM Gefangenen!"

   "Selber schuld, wenn du nicht fähig bist auf deine Opfer aufzupassen!"

   "Das geht zu weit!" zeterte des Obermonster "Erst haut verfressene Kerl ungefragt mit meinem Spielzeug ab, und dann glaubst du auch noch mich beleidigen zu können?!"

   "Warum hackst du eigentlich ständig auf meinem Freund rum?" brüllte Aleya so laut das ich mir die Ohren zuhalten musste. "Kita tut alles für euch, und ihr behandelt ihn wie den letzten Dreck!"

   "Schreib mir du nicht vor wie ich mit meinen Untergebenen umzugehen habe!" gab Lordi nicht minder laut zurück.

   "Untergebener?!" knurrte die Drachendame lauernd. "Früher hast du ihn Freund genannt! Hast du etwa vergessen wie oft er dir und diesem vertrockneten Wickelpaket schon den Arsch gerettet hat?!"

Das schien gesessen zu haben, wie mir der säuerlich-betroffene Gesichtsausdruck des Höllenfürsten unmissverständlich klar machte. Trotz der prekären Situation die sich mir gerade darbot, begann in mir schon wieder Neugier zu keimen. Kita hatte Lordi und Amen gleich mehrmals gerettet? Wovor? Und vor allem - warum nur diese Beiden?

Doch vorläufig beschloss ich diese Fragen nicht zu stellen, und lieber schleunigst das Weite zu suchen. Ich hätte mich liebend gerne noch bei Aleya bedankt, doch in Anbetracht der Situation, die wieder einmal außer Kontrolle zu geraten schien, hielt ich es für besser mich einfach klammheimlich zu verdrücken. Zumindest der Höllenfürst schien meine Anwesenheit schon wieder vergessen zu haben, so konzentriert und voller Wut wie er die Drachin anstarrte. Und es war auch besser dass das so blieb.

Auf Zehenspitzen schob ich mich in die Abzweigung, von der ich wusste dass sie direkt zu Kitas Höhle führte. Hinter mir erklang noch die angenehm melodische, aber gereizt wirkende Stimme Aleyas, die jedoch gleich darauf im unverständlichen Gebrüll Lordis unterging.

Ich war heilfroh das ich die Beiden hinter mir gelassen hatte, als ich den Stein drückte der einen Teil der Wand einstürzen ließ, und damit den Eingang zu Kitas Höhle freigab. Richtig aufzuatmen wagte ich aber erst als sich die Wand hinter mir wieder geschlossen hatte, und mich die Stille der weitläufigen Höhle, die nur vom leisen Murmeln des Wassers durchbrochen wurde, umfing.

   "Kita?" rief ich halblaut, doch ich erhielt keine Antwort. Neben dem beständigen Gluckern des Wassers das in das Bassin lief, war lediglich kurz ein kaum wahrnehmbares Wimmern zu hören.

   "Kita?" rief ich etwas lauter. "Bist du da?"

Statt einer Antwort erhielt ich wieder nur Stille. Das Manbeast war also nicht hier. Ich machte mir zwar etwas Sorgen wegen der Tatsache das nicht nur seine Freundin, sondern auch der Höllenfürst selbst auf der Suche nach ihm war, aber ich tat es dann doch mit einem Achselzucken ab. Vermutlich war er einfach wütend (und das meiner Meinung nach sogar zu Recht!), und wollte deswegen einige Zeitlang seine Ruhe haben.

Mit zusammengebissenen Zähnen erklomm ich die abenteuerliche Konstruktion die den einzigen Eingang zu meiner vorübergehenden Behausung darstellte. Ich musste mich dabei mit aller Macht dazu zwingen nicht nach unten zu sehen, dar ich wusste, wenn ich das tat, dann würde mir gleich kotzübel werden, und ich würde meinem Erbrochenem wahrscheinlich gleich direkt hinterher segeln. Ich verfluchte meine Höhenangst gleich mehrmals, als ich, auf allen Vieren und mich krampfhaft festklammernd, über die wacklig wirkenden Leitern und Stege bewegte.

Natürlich wusste ich, das die Konstruktion stabil und sicher war, wo sie doch sogar die Masse Kitas ausgehalten hatte, ohne auch nur im Ansatz zu Ächzen oder zu Krachen. Es war eine Sache über einen dieser Stege in schwindelerregender Höhe zu marschieren, aber selbiges mit Höhenangst tun zu wollen…

Als ich endlich in meiner Höhle ankam, war ich schweißgebadet. Ächzend zog ich mich über die Kante, und purzelte unelegant aber heilfroh in das Innere der geräumigen Felsnische.

Ein Schmerzenslaut, der irgendwo unter mir aus der riesigen Grotte ertönte, ließ mich kurz aufhorchen. Doch dann rief ich mir in Erinnerung dass ich ja in der Höhle Kitas war, der, nunja, einen etwas ungewöhnlichen Speiseplan hatte. Bestimmt war es einer seiner Opfer das noch nicht ganz tot war, wahrscheinlich sogar der Gefangene den Lordi vermisste.

Mich fröstelte bei dem Gedanken dass irgendwo dort unten in der Höhle ein sterbender Mensch lag. Aber gleichzeitig wusste ich auch, das Kita sein Opfer nicht mit Absicht einen derart qualvollen Tod sterben ließ. Bis zu einem gewissen Teil seiner selbst war er nun einmal Tier, und als solches tötete er um zu Fressen. Nicht so wie die Anderen hier, die ihre Gefangenen aus purer Lust grausam zu Tode folterten…

Ich zwang mich die Gedanken an solche Dinge aus meinem Kopf zu verbannen, während ich in meiner Tasche zu kramen begann, und den schon etwas verknitterten Notizblock zu Tage förderte. Das Wimmern das ab und zu aus der Höhle zu mir herein drang, machte es mir allerdings nicht gerade leichter. Doch irgendwann war ich auch über dieses Grauen hinweg, und begann wieder einmal stichwortartig meine Erlebnisse und Eindrücke niederzuschreiben. Das würde ein langer Bericht werden, wenn ich endlich wieder zuhause war.

Wenn ich überhaupt jemals heimkehrte…

  

Ich hatte keine Ahnung wie lange ich bereits geschrieben hatte, doch der Anzahl der Seiten die ich gefüllt hatte musste es ganz schön lange gewesen sein, als mich ein gellender Schmerzensschrei wieder in die Wirklichkeit zurück katapultierte.

Verwirrt bemerkte ich, dass das Wimmern noch immer nicht verklungen war, sondern im Gegenteil noch lauter geworden war. Ich blätterte noch einmal die Seiten durch die ich in meiner gewohnten platzsparenden Art beschrieben hatte, und zählte deren vierzehn. Überschlagsmäßig mussten das also mindestens drei, wenn nicht vier Stunden gewesen sein, seitdem ich hierher zurückgekommen war.

Wie war es dann möglich dass der Mensch dort unten in der Höhle noch lebte? Sein Stöhnen hatte geklungen als ob er schwer verletzt gewesen wäre, und ich wusste wozu Kita fähig war, selbst wenn er den Unglücklichen "nur" eingefangen und hierher geschleppt hatte.

Ein weiterer Schmerzenslaut hallte durch die Grotte bis in meine Nische. Doch irgendetwas daran war… falsch. Der Schrei war zu laut und zu kraftvoll, und gleichzeitig zu tief und irgendwie grollend. Erst dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und ich erstarrte. Diese Laute kamen nicht von einem Menschen! Sie kamen von… KITA!

Ich ließ Block und Stift fallen, und war binnen Augenblicken am Eingang zu meiner Felsnische. Ohne überhaupt nachzudenken hechtete ich mit einem waghalsigen Sprung über die Kante, und begann über die Strickleiter in die Tiefe zu klettern. Über schmale Balken und schwankende Stege führte mein hastiger Weg, bis ich endlich zu ebener Erde angekommen war. Am Rande erinnerte ich mich daran das ich in der luftigen Höhe dieser Konstruktion eigentlich Angst haben hätte sollen, doch Momentan wurde jegliches andere Gefühl überlagert von der Panik die im mir tobte. Ein Übriges dazu tat der weitere Schmerzensschrei des Manbeasts der just erklungen war, als ich auf dem Boden aufgekommen war.

Ich hatte keine Ahnung was hier eigentlich los war - fest stand nur dass es garantiert nichts Gutes war.

Wie ein Irrer stob ich in die Richtung davon, aus der der Schrei gekommen war. Das beständige Wimmern und Jammern wies mir dabei noch zusätzlich den Weg. Mein Blick streifte am Rande eine zunächst schwache, dann stärker werdende Blutspur, die in dieselbe Richtung führte aus der die Geräusche erklangen. War er verletzt?

Dann hörte die Spur ganz plötzlich auf, und in mir begann schon wieder Panik zu keimen. Doch dann erklang ein weiterer, gedämpfter Schrei, und ich hob meinen Blick nach Oben. Die Blutflecken setzten sich auf der Klettergerüstartigen Konstruktion über mir fort. Ohne auch nur einen Moment zu zögern packte ich die Seile, und begann hastig nach oben zu klettern.

Die Spur führte mich über einen kleinen Felskamm, und auf der anderen Seite wieder hinunter auf den Boden. Dann verschwand sie in einem, von einem vorgespannten Fell verdeckten Durchgang, wie sie Kita gerne als Verstecke benutzte.

Mit hämmerndem Herzen stürmte ich auf den Durchgang zu, und riss den Vorhang beiseite. Und tatsächlich lag am Boden in der hinter dem Eingang liegenden Felsnische Kita! Das Manbeast krümmte sich vor Schmerzen, und stieß dabei unverwandt wimmernde Laute aus. Rund um ihn waren Blutflecken, und das leise Schaben von kraftlos über den Boden scharrenden Krallen drang an meine Ohren.

Kaum hatte ich die Lage erfasst, war ich auch schon bei ihm. Er lag schwer atmend auf der Seite, zuckte und wimmerte, und seine Haut glänzte seltsam ölig, als ob er in Schweiß gebadet wäre.

   "Kita?" fragte ich "Was ist los? Was hast du?"

Als ich keine Antwort bekam, streckte ich vorsichtig meine Hand aus, und packte ihn an der Schulter, um ihn herum zu drehen. Ich erschrak, als ich fühlte wie heiß sich seine Haut anfühlte, als ob er Fieber hätte.

Mit einigem Kraftaufwand gelang es mir schließlich das Manbeast auf den Rücken zu drehen. Soweit ich sehen konnte, hatte er keine sichtbaren Verletzungen, aber sein Blick war verschleiert, und ging ins Leere als ob er große Schmerzen litt.

   "Kita?" fragte ich noch einmal. "Was-"

Ich brach ab, als mein Blick auf seine Schulter fiel, an der ich ihn angefasst hatte. Meine Finger hatten darin deutliche, tiefe Spuren hinterlassen - in steinharten Hornplatten, die die Funktion eines natürlichen und sehr widerstandfähigen Panzers hatten! Erschrocken hob ich meine Hände, und musterte mit weit aufgerissenen Augen das Blut das an ihnen klebte. Erst da verstand ich. Was ich zunächst für Schweiß gehalten hatte, war Blut!

   "KITA!" schrie ich, doch das Manbeast antwortete mir lediglich mit einem halblauten Wimmern, und krümmte sich ein weiteres Mal. Sein verschleierter Blick streifte mich kurz, aber ich konnte kein Erkennen darin ausmachen. Hilflos starrte ich auf ihn nieder, und wünschte dass sich irgendetwas tun konnte. Aber ich hatte ja nicht einmal die leiseste Ahnung was ihm eigentlich fehlte!

Gehetzt ließ ich meinen Blick von links nach rechts über die Wände der Felsnische gleiten, als ob ich hoffte das die Antwort irgendwo im Gestein geschrieben war. Plötzlich stieß Kita erneut einen gellenden Schrei aus, und ich wich erschrocken zurück, als er unwillkürlich ausschlug. Mit einem hässlichen Knacken platzte links und rechts an seiner Stirn die Haut auf, und gelblichweißer Knochen trat zu Tage.

Mit einem Aufschrei sprang ich noch ein Stückchen zurück, und sah mich panisch um. Dann plötzlich schoss es mir ein.

   "Ich hole Hilfe!" rief ich, und stürzte aus der Felsnische.

In Panik hastete ich quer durch die riesige Höhle, auf dem gleichen Weg auf dem ich hierher gekommen war. Ich hatte kaum Zeit beim Ein- bzw. Ausgang darauf zu warten dass er sich vollkommen geöffnet hatte, so setzte ich noch zwischen den fallenden Steinen über den Schutthaufen hinweg, und wandte mich sofort nach rechts.

Erst nachdem ich schon einige Meter zurückgelegt hatte, merkte ich dass ich automatisch den Weg zur Küche eingeschlagen hatte. Natürlich - denn dort würde ich am noch ehesten jemanden antreffen. So verfressen wie einige dieser Monster waren, war die Küche bestimmt der zentrale Dreh- und Angelpunkt hier unten.

Es dauerte gar nicht lange, und ich war in der Küche angekommen. Keuchend riss ich die Tür auf, und stolperte mehr denn ich ging in den großen Raum. Dabei fiel ich prompt über den leeren Futternapf Kitas, und legte einen unbeabsichtigten Purzelbaum hin, der mich mit schmerzhafte Bekanntschaft mit einem mitten im Raum herumstehenden Sessel schließen ließ. Ich rappelte mich jedoch gleich wieder auf, und blickte mich gehetzt um. Doch niemand war hier!

Planlos machte ich kehrt, und stürzte wieder aus der Küche hinaus. Krachend traf die von mir wieder aufgestoßene Tür auf Widerstand.

   "UNGH!" machte jemand, und gleich darauf sah ich mich mit dem verfaulten Gesicht Kalmas konfrontiert, das mich nicht einfach nur wütend, sondern schlichtweg HASSERFÜLLT musterte.  Anscheinend hatte er seine Meinungsverschiedenheit mit Ox schon geklärt.

   "SPINNST DU?!" brüllte der Zombie so laut das mir die Ohren klangen.

Ehe ich mich versah, hatte sich die verfaulte Hand Kalmas um meinen Hals gelegt, und ich wurde schmerzhaft an die Wand geschmettert. Für einen Moment legte sich ein Schleier über meine Gedanken, und ich fürchtete schon das Bewusstsein zu verlieren. Dann sah ich die sprichwörtlichen Sterne.

   "Das wirst du mir büßen du elender Wurm!" knurrte der Bikerzombie, und verfestigte den Griff um meinen Hals noch eine Spur. Röchelnd griff ich mir an den Hals, und versuchte verzweifelt die Hand meines selbsternannten Henkers abzustreifen. Ich musste doch Hilfe holen!

Verzweifelt wand ich mich in Kalmas Griff, während meine Gedanken rasten. In Anbetracht der Situation war ich sogar fast froh darüber wenigstens irgendjemand gefunden zu haben, auch wenn es ausgerechnet diese Verkörperung des Todes war. Aber ich musste ihn dazu bringen mir zuzuhören!

   "A- amen… drin… gend… bi- bitte…" würgte ich hervor.

   "Was? Willst du etwa lieber von diesem senilen alten Knacker auseinander genommen werden?"

   "B- brau… che… ihn…" ächzte ich. Ich musste die Mumie finden! Dieser altägyptische Untote war der wahrscheinlich der einzige der hier unten einem Arzt noch am nächsten kam. Und bestimmt konnte er auch herausfinden was mit dem Manbeast los war…

   "Du willst allen Ernstes von diesem vertrockneten Trottel auseinander genommen werden? Du solltest es als Ehre ansehen dass dir der Tod persönlich seine Aufwartung macht!" Der Zombie starrte mich irre grinsend an, aber ließ mit keiner Regung erkennen dass er überhaupt verstanden hatte worauf ich hinaus wollte.

Inzwischen fühlte ich regelrechte Wut über dieses begriffsstutzige Monster in mir aufsteigen.  Kita lag in seiner Höhle und wand sich vor Schmerzen, und dieser Idiot hatte nichts Besseres zu tun als mich umbringen zu wollen bevor ich Hilfe holen konnte! Die Wut die ich in diesem Moment empfand erstickte sogar meine Angst vor dem Zombie, und mobilisierte ungeahnte Kraftreserven in mir. Mit einem wütenden Aufschrei schaffte ich es mich aus dem Griff Kalmas zu befreien, und ihn zurückzustoßen.

   "Was erlaubst du dir, Menschlein?" kreischte der Bikerzombie, und wollte sich sofort wieder auf mich stürzen. Doch ich wich geistesgegenwärtig aus, sodass mein Gegner mit vollem Anlauf gegen die Wand rannte. "UNGH!"

   "Hör mir doch endlich zu, verdammt!" schrie ich, als sich der Zombie mit gefährlichem Knurren wieder aufrappelte, und plötzlich wieder seine gefährlich  funkelnde Sense in den Händen hielt.

Die Frechheit ihm so deutlich zu widersprechen, brachte Kalma gründlich aus dem Konzept. Der Zombie ließ die Sense sinken, und starrte mich verblüfft an, als könnte er nicht glauben was er da gerade gehört hatte. Ich beeilte mich die Gelegenheit zu nutzen bevor er sich wieder gefangen hatte, und mich kurzerhand auseinander nahm.

   "Kita." keuchte ich, während ich meine schmerzende Kehle rieb. "Liegt in seiner Höhle… alles voller Blut… schreit… windet sich vor Schmerzen! Muss Amen finden!" brachte ich hastig und im Telegrammstil hervor.

Kalma musterte mich mit glühendem Blick, und wusste anscheinend nicht so recht was er davon halten sollte. Er schien so überrumpelt zu sein, dass er sich nicht einmal erneut auf mich stürzte.

   "Es geht ihm wirklich schlecht!" beteuerte ich. "BITTE!"

Der Zombie ließ seine Sense wieder verschwinden, und packte mich stattdessen ziemlich unsanft im Genick, und warf sich mich kurzerhand über die Schulter.

   "Lass mich los!" schimpfte ich, und schlug aus. "Ich muss zu Amen!"

   "Willst du lieber selber laufen?" fauchte er mich an. "Kannst ja nicht einmal mehr anständig stehen!"

   "Häh?" machte ich verwirrt.

   "Ich bin schneller als du. Und jetzt halt die Klappe!" knurrte er, als er losspurtete. "Aber ich warne dich! Wenn das ein Trick ist, dann wird das was von dir überbleibt nicht einmal mehr in eine Konservendose passen!"

   "Es… es ist keiner." sagte ich matt, und versuchte mich festzuklammern, da ich von dem ein gehöriges Tempo vorlegenden Zombie ganz schön kräftig durchgeschüttelt wurde. Der Verwesungsgestank trieb mir zwar die Tränen in die Augen, aber ich biss die Zähne zusammen und gab keinen Mucks von mir.

Kaum waren wir in Amens Behausung angelangt, wurde ich auch schon ziemlich unsanft direkt vor den Füßen des Wickelpakets abgeladen.

   "Was soll ich mit dem?" fragte die Mumie, und starrte mich mit seinen weißen Augen unheilvoll an. Ich saß am Boden, starrte verängstigt nach Oben, und war unfähig auch nur einen Ton von mir zu geben. All der Mut den ich vorhin bei Kalma an den Tag gelegt hatte, hatte mich wieder verlassen während ich auf seinem Rücken durchgerüttelt worden war.

   "Wir haben ein Problem." meinte der Zombie trocken. "Und du rede gefälligst!" Mit diesen Worten gab er mir einen nicht gerade sanften Tritt zwischen die Schultern, der meine Redeblockade fast sofort behob.

   "He! Aua!" schimpfte ich, und wunderte mich im gleichen Moment das mir für den Ton keines der beiden Monster an die Gurgel ging. Anscheinend schien sogar der jähzornige Choleriker Kalma zu spüren das es ernst war…

Nachdem ich mich aufgerappelt hatte, berichtete ich Amen etwas ausführlicher, aber dennoch in knappen Sätzen was vorgefallen war.

   "Scheiße! Das hat gerade noch gefehlt!" entfuhr es der Mumie.

   "Was heißt das?" fragte ich. "Was hat er denn?"

   "Würde mich jetzt auch interessieren, was unsere wandelnde Fressmaschine hat." meldete sich Kalma, und zu meiner Verwunderung erschien eine steile Sorgenfalte auf seiner verfaulten Stirn. Er schien sich tatsächlich Gedanken um sein Mitmonster zu machen.

   "Keine Ahnung." entgegnete Amen, während er hastig begann einige Instrumente und diverse Mittelchen in einem Koffer zu verstauen. "Könnte alles Mögliche sein."

   "Was soll das heißen, keine Ahnung?" Ich schrie fast. "Ich dachte du kennst dich aus!"

   "Pass auf was du sagst…" drohte der Bikerzombie, aber sein Gesichtsausdruck zeigte nicht den Jähzorn die ich erwartet hatte.

   "Schon gut, für den Moment brauchen wir ihn noch."

   "Äh… was?"

   "Jetzt hör mal zu, Menschlein." sagte der altägyptische Untote, während er weiter in diversen Kisten und Regalen herumkramte "Niemand weiß halbwegs genau was für eine genetische Zusammensetzung Kita hat, nicht einmal er selbst! Folglich weiß auch keiner was passiert wenn er schwanger wird. Ich kann es zwar feststellen, aber ich hab keine Ahnung was für Komplikationen auftreten können. Und ich weiß auch verdammt noch mal nicht was da überhaupt rauskommen wird! Ist das jetzt in dein Hirn reingegangen?!"

   "Ja, äh, aber…"

   "Und bevor du fragst, erwähnte Komplikationen könnten beispielsweise eine Fehlgeburt sein." Die Mumie nahm die zwei Koffer die sie vollgestopft hatte auf, und schlurfte dann wieder auf Kalma und mich zu. "Ich bin fertig, wir gehen!"

   "HALT!" rief ich, noch bevor der Bikerzombie wieder nach mir greifen konnte, um sich mich erneut wie einen nassen Sack über die Schulter zu werfen. Zu meiner Verwunderung zog Kalma seine Hand tatsächlich zurück, und schien auch keinen Wutausbruch vorzubereiten.

   "Ich steige ja schon freiwillig auf!" sagte ich hastig. Zwar widerstrebte mir der Gedanke mich meinem selbsternannten Henker freiwillig auszuliefern und auf seinen Rücken zu klettern, aber ich hatte keine Wahl. So würde es allemal besser sein als wie ein Mehlsack transportiert zu werden. Denn in einer Beziehung musste ich Kalma widerwillig recht geben: Ich konnte mit einem Untoten nie und nimmer mithalten, nicht einmal wenn ich nicht erschöpft gewesen wäre.

   "Aber wenn du meine Klamotten ruinierst, dann…"

   "Jaja, ich weiß." seufzte ich, während ich mich etwas ungeschickt auf den Rücken des Zombies zog. Ich hatte kaum Zeit mich festzuklammern, da startete das Monster auch schon durch. Einmal mehr traf mich die volle Wucht des Verwesungsgestanks, während mich Kalma an den Füßen packte, um mich nicht doch aus Versehen auf dem Weg zu verlieren.

Wie die wilde Jagd brausten die beiden Untoten durch die unterirdischen Gänge. Was mich dabei am meisten wunderte, war die Geschwindigkeit die die Mumie dabei vorlegte. Von diesem grässlich schlurfenden Gang den er ständig an den Tag legte, und der mich immer wieder nervös machte, war nichts mehr zu merken. Zwar schlackerten die Gelenke des Wickelpakets derart das ich dachte er würde jeden Moment auseinander fallen, aber vom Tempo her konnte er sich locker mit jedem 100m-Läufer messen.

So war es kaum verwunderlich das wir schon binnen kurzer Zeit vor dem Eingang zu Kitas Höhle standen, der sich inzwischen wieder geschlossen hatte. Doch die zur Faust geballte Hand Kalmas, die auf den Ziegel der den Öffnungsmechanismus auslöste hernieder sauste, sorgte sehr schnell dafür das sich die massive Wand in den schon wohlbekannten Schutthaufen verwandelte. Wieselflink setzten die beiden Monster darüber hinweg, und schossen in die Höhle hinein.

   "Wo?" fragte Amen knapp, ohne sein Tempo dabei zu reduzieren.

   "Dort!" rief ich. "Die Blutspur!" Wie um mich zu bekräftigen, hallte in diesem Moment ein Schmerzensschrei durch die Höhle.

   "Sieht nicht gut aus…" knurrte der Bikerzombie, und packte mich fester, während er über einen kleinen, aus dem Boden ragenden Felsen hinweg setzte.

   "Dort oben!" rief ich, als die Mumie schon das Ende der Blutspur am Boden erreicht hatte, und sich verwirrt umblickte. Zeitgleich blickten die beiden Monster nach oben, und verstanden sofort.

   "Festhalten!" befahl Kalma, und katapultierte sich schon im nächsten Augenblick mit einem gewaltigen Satz auf die klettergerüstartige Konstruktion. Als der Zombie zu klettern begann, hatte auch Amen schon seine Bandagen ausgefahren, und bewegte sich mit traumwandlerischer Sicherheit ohne die Hände, in denen er ja ohnehin die beiden Koffer hielt, auch nur zu benutzen, durch die größtenteils aus schwankenden Stricken bestehende Kletterwand. Ich hatte dabei alle Hände voll zu tun mich auf meinem untoten Transportmittel, das sich beim Klettern nicht wirklich um den Passagier auf seinem Rücken scherte, zu halten. Wahrscheinlich hätte Kalma es sogar genossen, wenn ich gestürzt wäre. Aber diesen Gefallen tat ich ihm dann doch nicht.

Im Nu waren wir so über den kleinen Felskamm hinweg, und kamen in Sichtweite des Verstecks in dem ich Kita gefunden hatte. Der Sichtschutz aus Fell den ich zuvor in der Eile heruntergerissen hatte lag noch so da wie ich ihn fallen gelassen hatte, und auch das Jammern und Stöhnen des Manbeasts, das uns schon seit Betreten der Höhle begleitet hatte, und das inzwischen noch stärker geworden zu sein schien, war noch immer zu hören.

   "Dort drinnen!" keuchte ich, während ich verzweifelt den Hals Kalmas umklammerte als dieser einen ziemlich gewagten Satz in die Tiefe tat. Kaum unten angekommen ließ ich los, und rollte mich ungeschickt auf dem felsigen Boden ab. Als ich wieder auf den Beinen war, waren die beiden Monster bereits in dem Durchgang verschwunden. Ohne zu Zögern folgte ich ihnen.

   "Bei allen verfluchten Gottheiten dieser Welt!" hörte ich Amen rufen.

   "Woah!" meldete sich Kalma. "Das sieht übel aus." 

Obwohl ich auf den Anblick vorbereitet war, prallte ich unwillkürlich zurück als ich die Felsnische betrat. Was auch immer während meiner Abwesenheit als ich Amen gesucht hatte passiert war - es musste furchtbar gewesen sein. Das Manbeast lag mit schmerzverzerrtem Gesicht in einer sogar für seine Verhältnisse großen Lache Blut. Doch es war nicht nur das viele Blut das mich derart aus der Fassung gebracht hatte. Der gesamte Körper Kitas war deformiert, und wirkte irgendwie verschoben und verzerrt, was ihm irgendwie das Aussehen einer furchtbaren, halbfertigen Skulptur gab.

   "Scheiße…" murmelte Amen.

   "Das kannst du laut sagen." sagte Kalma

   "Was… was ist hier los?" hauchte ich. Ein eisig kalter Schauer des Grauens zog über meinen Rücken, und ließ ein ungutes, bohrendes Gefühl in meiner Magengegend zurück. Kita wand sich noch immer vor Schmerzen, und gab dabei abwechselnd wimmernde Laute von sich, und rang röchelnd nach Luft.

   "Wie lange liegt er schon hier?" fragte Amen, während er mit hastigen Griffen begann seine Koffer aufzuklappen. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren das die Frage mir gegolten hatte.

   "Ich… ich weiß es nicht." gab ich zu. "Ich hab zuerst geglaubt das Wimmern kommt von dem Gefangenen den er verschleppt hat. Aber als es nicht aufgehört hat bin ich nachsehen gegangen, da hab ich ihn gefunden."

   "Wie lange ist das her?"

   "Nicht lange… Ich bin sofort gegangen um Hilfe zu holen."

   "Wann bist du hier rein?" mischte sich Kalma ein.

   "U- ungefähr vor drei oder vier Stunden… ich weiß es nicht so genau." berichtete ich wahrheitsgemäß.

   "Verdammt…" murmelte Amen.

   "Tut mir leid!" wimmerte ich. "Tut mir leid…"

   "Schon gut, hör auf zu jammern! War jedenfalls gut dass du uns geholt hast."

   "Ihr… ihr könnt ihm doch helfen, oder?" fragte ich hoffnungsvoll.

   "Ich werd's versuchen…" meinte die Mumie "Kalma - runter mit dem Fetzen. Und du Menschlein…" Amen warf mir mit einer schnellen Bewegung einen Schlüssel zu, den ich mit überraschendem Geschick auffing. "Nimm ihm das Halsband ab, nicht das er uns erstickt." Verwirrt musterte ich den kleinen Schlüssel in meiner Hand.

   "Lordi wird toben, ich hoffe du weißt das." meinte Kalma, während er dem Lendenschurz des Manbeasts mit einer Schere zu Leibe rückte. "Das kriegt er ihm nie wieder angelegt…"

   "Na und? Willst du ihn lieber verrecken lassen?" knurrte Amen, während er sich ein paar Gummihandschuhe überstreifte. "Mach endlich, Mensch!"

   "Jaja…" beeilte ich mich zu sagen, und trat hastig an Kita heran. Vorsichtig tastete ich im glühend heißen Nacken des auf der Seite liegenden Manbeasts herum, wo ich das Schloss vermutete. Nach kurzer Suche, in der Kita nur einige Male schwach zuckte, fand ich auch tatsächlich an der Unterkante des dicken Metallreifens ein Schlüsselloch, in das ich den Schlüssel ohne groß Nachzudenken hineinsteckte und ihn mit einigem Kraftaufwand herumdrehte. Sofort sprang das Halsband auf, und ich beeilte mich es zu entfernen.

Kaum hatte ich ihm das Halsband abgenommen, atmete Kita wieder etwas freier, krümmte sich, und stieß ein markerschütterndes Brüllen aus. Sowohl Kalma als auch ich wichen zurück, als er ein weiteres Mal ausschlug, und dann schwer atmend und unverwandt wimmernd auf dem Rücken liegen blieb.

   "Zieht ihm die Füße auseinander!" befahl Amen.

   "Haben wir gleich…" meinte der Bikerzombie, und ließ zwei seiner Knochenketten aus den Ärmeln seines Mantels schießen.

   "NICHT!" rief ich noch, doch die Ketten hatten sich bereits um die Fußgelenke des Manbeasts gewickelt, und gruben sich sofort tief in das heiße, seltsam weiche Fleisch.

   "Hör auf!" schrie nun auch Amen, doch der Zombie hatte die Situation schon selbst schnell genug erkannt. Er lockerte seine Ketten sofort, und zog sie zurück. Im nächsten Moment griffen sowohl der Zombie als auch ich in blindem Einverständnis mit den Händen zu. Trotzdem wir uns bemühten und sehr vorsichtig zu Werke gingen, war es unvermeidlich dass unsere Hände tiefe Spuren im glühend heißen Fleisch hinterließen.

   "Was hast du vor?"  fragte Kalma.

   "Ich muss da rein. Hast du eine bessere Idee?"

   "Äh… nein. Mach nur."

   "Gut festhalten! Du auch Menschlein!" sagte die Mumie.

   "Jaja."

   "Klar."

Jetzt sah ich also zum ersten Mal besagte… Organe die Enary bereits erwähnt hatte. Ich fragte mich am Rande woher die Walküre eigentlich das Wissen hatte so genau zu beschreiben was Kita unter seinem Lendenschurz verbarg, schob den Gedanken aber gleich wieder beiseite.

Es sah tatsächlich so aus, als ob das noch immer wimmernde Manbeast eine Art Shorts aus kurzem, borstigem Fell trug. Neben den normalen männlichen Geschlechtsteilen, konnte ich im Bereich des Schritts auch noch besagte Hautfalte erkennen, die Amen kurzerhand umgestülpt und beiseite geschoben hatte, um mit der Hand hinein langen zu können. Was ich alleine in diesen paar Augenblicken an Absonderlichkeiten gesehen hatte, hätte wahrscheinlich jedem Mediziner aus meiner Welt zumindest einen Herzinfarkt beschert, wenn ihn nicht gleich in den Wahnsinn getrieben.

   "Grrrr… aaarh!" knurrte Kita, und ich spürte wie er sich wegdrehen wollte. Scheinbar war ihm die Untersuchung unangenehm. Ich brauchte all meine Kräfte und mein gesamtes Körpergewicht, um nur den Fuß am Boden halten zu können.

   "Hmmm… interessant…" murmelte Amen, während er gleichzeitig seine Hand noch ein Stückchen tiefer schob. Spielte er jetzt eigentlich gerade Gynäkologe, oder doch eher Tierarzt?

   "Beeil dich!" forderte Kalma. "Er beginnt sich zu wehren!"

   "Jaja, gleich…"

In diesem Moment bäumte sich das Manbeast auf, und stieß ein markerschütterndes "GRAAAAAAAAAAAAAAH!" aus. Ich hatte keine Chance, und auch Kalma verlor den Kampf gegen die zuckenden Beine Kitas nach nur wenigen Augenblicken. Die muskulösen Beine des Biests schlossen sich um den Körper der Mumie, und mit einem weiteren Aufbäumen seines Patienten wurde Amen durch den Raum katapultiert. Mit dem Kopf nach unten zeigend, krachte er mit dem Rücken gegen die massive Felswand.

   "Ich hasse das…" murmelte er, während er im Zeitlupentempo die Wand herab rutschte.

Kita indes war aufgesprungen, und flüchtete planlos torkelnd auf die gegenüber liegende Seite des Verstecks, wo er mit voller Wucht gegen die Wand prallte. Dort brach er sofort wimmernd zusammen.

   "Kalma, hol mir sofort irgendetwas schmerztötendes aus dem Labor vom Chef - egal was! Hauptsache stark!" befahl der altägyptische Untote, noch bevor er von der Vertikalen in die Horizontale über wechselte, und mit einem dumpfen Geräusch am Boden aufkam. Die Mumie hatte sich noch nicht einmal aufgerappelt, war der Zombie auch schon verschwunden.

   "Was… was hat er denn?" getraute ich mich schließlich zu fragen, während ich einen besorgten Seitenblick auf das sich jetzt wieder vor Schmerzen windende Biest warf.

   "Er legt Eier." sagte Amen, während er seinen, von der unfreiwilligen Kollision mit der Wand etwas verdrehten Kopf wieder gerade rückte.

   "Er macht - was?" fragte ich ungläubig.

   "Eier." wiederholte die Mumie. "Er bereitet sich darauf vor Eier zu legen."

   "Äh!?" machte ich  verdattert, weil mir sonst nichts anderes einfiel.

   "Hmja… Das löst zwar einige Probleme… Aber das erklärt nicht was sonst mit ihm los ist… Besonderes nicht die Schmerzen…" murmelte Amen mehr zu sich selbst, und streifte sich die blutbesudelten Gummihandschuhe wieder ab. "Es sieht fast so aus als ob… hmm… nein."

Dann ging er wieder zu seinen beiden Koffern, und begann darin herumzukramen. Er förderte mehrere kleine Glaskolben, und eine Unmenge an Fläschchen mit diversen Flüssigkeiten und Pulvern zu Tage. Schließlich baute er noch ein Mikroskop auf, und hielt mir anschließend eine Spritze entgegen.

   "Nimm ihm mal ein bisschen Blut ab." forderte er.

   "Äh… ich soll… aber… er hat doch Angst vor Spritzen!"

   "Das bekommt er in seinem momentanen Zustand ohnehin nicht mehr mit."

   "Aber… hier ist doch schon genug Blut…" meinte ich etwas kläglich, und zeigte auf die ansehnliche Blutlache so ziemlich in der Mitte des Raumes.

   "Schlauberger! Zum Untersuchen brauche ich frisches!"

   "A- aber ich hab so was noch nie gemacht…"

   "Alles muss man selber machen…" knurrte die Mumie, und schlurfte zu Kita. Interessiert verfolgte ich, wie er die Nadel in eine dick hervortretende Ader an der Armbeuge einführte. Das Biest quittierte den Stich mit einem kurzen Knurren, und eine seiner Pranken kratzte kraftlos über den Fels. Amen zog den Kolben der Spritze langsam voll, und ging dann mit dem abgenommen Blut zu den Gerätschaften zurück die er aufgebaut hatte.

Mir blieb nichts anderes übrig als zu warten, während Amen irgendwelche abstrusen Experimente mit dem Blut des Manbeasts durchführte. Ich hatte keine Ahnung was er da eigentlich genau machte, bzw. wie er die für ihn relevanten Dinge herausfand, während er mit Bemerkungen wie "merkwürdig", "verrückt", "höchst interessant" und "faszinierend" nur so um sich warf.

   "Wie sehen seine Pupillen aus?" fragte er plötzlich, ohne auch nur aufzublicken.

   "Äh, wie?" meinte ich verwirrt.

   "Normal, verengt, geweitet? Klar oder trüb?"

Es dauerte noch einen Moment ehe ich verstand, und zu Kita hinüber trat. Ich bemühte mich die hässlichen Wunden auf der Stirn nicht mit meinen Blicken zu streifen, und konzentrierte mich alleine auf die Augen. Das Biest zuckte zwar einige Male, doch ich erkannte dass es mich nicht einmal wahrnahm. Der unstete, vor Schmerzen flackernde Blick seiner weit aufgerissenen Augen ging irgendwo in nicht existente Ferne.

   "Äh… na ja, die Augen sind blutunterlaufen." begann ich.

   "Das sind sie meistens. Weiter."  befahl Amen.

   "Die Pupillen sind geweitet, ziemlich sogar glaube ich. Und außen trübe - sieht ein bisschen wie ein Ring aus."

   "Aha."

   "Aber da ist noch was… äh…"

   "Was?" fragte die Mumie, während sie weiterhin diverse Flüssigkeiten in kleine Kolben und Glasröhrchen umfüllte.

   "Die beiden Wunden da auf der Stirn… wo der Knochen rausschaut… das… sieht irgendwie so aus als ob ihm da… Hörner wachsen." Ich überwand meine Scheu, und berührte die hervorstehenden Knochenzacken vorsichtig mit dem Finger. Sie waren tatsächlich hart, und nicht weich wie ich fast erwartet hatte.

   "Hörner?"

   "Ja, sieht so aus…"

   "Rupf ihm ein paar Haare aus."

Ich wunderte mich erst gar nicht über den Befehl der Mumie, und tat wie mir geheißen. Ich packte eine möglichst dünne Haarsträhne im Bereich der Stirn, und riss sie Kita aus. Mit dem Resultat das sich das Manbeast, das den Schmerz fühlte, wieder einmal aufbäumte und laut brüllte. Zumindest hatte es dieses Mal nicht wieder ausgeschlagen.

   "Ist nur zu deinem Besten… entschuldige." murmelte ich schuldbewusst.

    "Wo hast du die Haare her?" fragte Amen, als ich ihm das Strähnchen das ich Kita ausgerupft hatte reichte.

   "Na von Kita, wie du gesagt hast. Wieso?"

   "Weil die da rot sind."

   "Ja und?"

   "Sie sollten aber schwarz sein, schon aufgefallen?"

   "Äh… stimmt eigentlich. Aber ich hab sie ihm doch gerade ausgerissen…"

   "War nicht zu überhören. Und jetzt sei still, ich muss mich konzentrieren."

Gehorsam klappte ich den eben zu einer Frage geöffneten Mund wieder zu. Doch zu der von Amen gewünschten Stille kam es nicht, da in diesem Moment Lordi höchstpersönlich, gefolgt von Kalma in den Raum platzten.

   "WAS IST HIER LOS?!" donnerte der Höllenfürst, dann fiel sein Blick auf das in der Ecke liegende, sich gerade wieder vor Schmerzen krümmende und jammernde Manbeast und er verstummte augenblicklich.

   "Ich sagte doch dass ich hier Ruhe brauche." knurrte Amen. "Wo ist das Schmerzmittel?"

   "Da." sagte Kalma, und hielt der Mumie ein braunes Fläschchen unter die Nase.

   "Aha, gut." meinte Amen. "Jag ihm eine Spritze voll von dem Zeug rein, und dann noch die Spritze die ich vorbereitet hab. Das müsste ihn wieder ansprechbar machen. Hoffe ich zumindest…"

   "Wird erledigt, Herr Oberarzt."

In diesem Moment fühlte ich mich von ekelhaft langen Fingern gepackt, und wurde im nächsten Moment aus der Felsnische geschleift. Ich hatte schon eine ungefähre Ahnung davon was mir bevorstand, als mich Lordi, kaum das wir draußen waren, wieder losließ, und mich mit in die Hüften gestemmten Armen böse anfunkelte.

Ich kam nicht umhin zu bemerken, das einige Teile seiner Panzerung, die ich von meiner letzten Begegnung mit ihm eigentlich noch als makellos in Erinnerung hatte, beschädigt waren, oder gänzlich fehlten, und an vielen Stellen die verwüstete Haut des Obermonsters zu Tage trat. Eine Stelle an seinem Oberarm wirkte angesengt, und ich bildete mir sogar ein dass sie noch ein wenig rauchte. Der Streit mit Kitas Freundin musste doch heftigere Ausmaße angenommen haben. Hoffentlich war Aleya nichts passiert…

   "So, du wirst mir jetzt auf der Stelle erklären warum hier heute alles drunter und drüber geht!"

   "I- Ich werd's versuchen." sagte ich. Anscheinend hatte Kalma dem Höllenfürsten nicht gerade üppigste Informationen geliefert. Im Normalfall hätte ich das auf die gehässige Boshaftigkeit des Zombies zurückgeführt, aber im Moment glaubte ich diesbezüglich nicht an Absicht.

Dann begann ich in knappen Sätzen zu erzählen, und bemühte mich dabei möglichst keine Einzelheiten auszulassen, was sich aber aufgrund der überstürzten Ereignisse als ziemlich schwierig darstellte. Lordi schien meinen Ausführungen aber folgen zu können, während seine Miene nachdenklicher und zunehmend sorgenvoller wurde. Schließlich nickte er.

   "Ich werde die Anderen informieren." meinte er in überraschend freundlichem Tonfall. "Hier kann ich ohnehin nichts ausrichten. Sag denn Beiden, wenn sie noch was brauchen sollten, können sie es sich einfach aus meinem Labor holen."

   "Mach ich." versprach ich.

Während sich der Höllenfürst wieder auf den Weg nach draußen machte, schickte ich mich wieder an die Felsnische in der Kita lag zu betreten. Keine Sekunde zu früh, dröhnte mir doch aus deren Innern schon ein etwas gereizt klingendes "Wo bleibst du, Mensch!" von Kalma entgegen.

   "Bin ja schon da!"

   "Wo warst du so lange?"  fragte der Bikerzombie.

   "Irgendwer musste ja Lordi erklären was hier los ist, wenn du es schon nicht gemacht hast." warf ich dem Zombie, der jetzt neben Kita kniete, direkt ins Gesicht. Er nahm die eindeutige rhetorische Niederlage, für seine Verhältnisse sehr gelassen, mit einem halblauten "Grmpf!" zur Kenntnis. Vermutlich weil er andere Dinge im Kopf hatte, wie wir alle hier. Ansonsten hätte ich mir wohl diesem Choleriker eine derart freche Antwort auch niemals zu geben getraut.

   "Übrigens, Lordi sagte ihr könnt euch aus seinem Labor alles holen, falls ihr noch etwas…"

   "Hilfst du uns jetzt bald mal?!" fiel mir die Mumie ins Wort. "Es geht los!"

   "Was geht los?" fragte ich verwirrt.

   "Na was schon!" knurrte Kalma. "Nimm seinen Kopf! Streichel ihn, kraul ihn, knutsch ihn meinetwegen auch ab, aber sorg dafür dass er sich beruhigt!"

   "So- sofort!" rief ich, und sprang sofort zu den beiden Monstern die neben Kita kniend Platz bezogen hatten.

Etwas zögernd ergriff ich den noch immer feucht glänzenden Kopf des Manbeasts das inzwischen nur noch ganz leise vor sich hin wimmerte, und schob meine Hand dann fast schon aus Gewohnheit in seinen Nacken. Auch an seinem Hals war die Haut glühend heiß und so weich wie Pudding, so begann ich nur sehr vorsichtig zu kraulen. Dennoch schien Kita die Berührung spüren zu können, denn er blickte plötzlich auf, und fixierte mich mit schmerzgetränktem, aber klarem Blick. Ich war erleichtert als sich in den angstgeweiteten Augen des Biests wieder Erkennen spiegelte.

   "Grrrrff…" machte er leise, dann lief ein unkontrolliertes Zittern durch seinen Körper. Erst jetzt bemerkte ich, dass sich seine verhornten und mit Stacheln versehenen Schulterplatten geglättet und etwas gebogen hatten. Ähnlich war es auch beim Rest seines Körpers… die Hornpanzerung hatte sich überall aufgeweicht und verformt - irgendwie wirkte es, als ob sich sein gesamter Körper… umgestaltete.

   "Da haben wir ja schon das Erste." meldete sich Amen, und hielt triumphierend ein kugelartiges, schmutziggelbes Gebilde mit roten und schwarzen Sprenkeln hoch. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren, dass es sich bei der etwa 10 cm durchmessenden, etwas unförmigen Kugel um ein Ei handelte. Kitas Ei.

Zäher, blutiger Schleim tropfte langsam herab, als die Mumie das Ei an den Zombie weitergab, der es abtupfte und in einer kleinen Felsmulde deponierte. Kurz darauf folgten ein zweites, ein drittes…

   "Wie viele werden das?" fragte ich schließlich, während ich das Biest abwechselnd im Nacken und am Kopf kraulte.

   "Keine Ahnung." gab Amen zu. "Ungefähr zehn schätze ich mal."

 

Der altägyptische Untote hatte gut geschätzt, denn einige Zeit später befanden sich in der Felsmulde elf Eier, und Kalma wollte gerade das zwölfte hinzu legen. Dieses wurde ihm aber von Amen aus der Hand genommen, der es in einem seiner Koffer verstaute. Schließlich flüsterte die Mumie dem Zombie etwas ins Ohr, und dieser raffte daraufhin die restlichen elf Eier zusammen, und verschwand mit ihnen aus der Höhle.

Kita schien davon nichts bemerkt zu haben, denn hatte seinen Blick unverwandt auf mich gerichtet. Plötzlich begann er wieder krampfartig zu zittern, und stieß einige abgehackte Laute aus.

   "Ich glaube da kommt noch eins!" rief ich zu Amen, der daraufhin sofort wieder bei dem Manbeast war. Mit einem feuchten "Pfloch!" landete in diese Moment irgendetwas auf dem Boden.

   "Das ist nur die Nachgeburt." meinte die Mumie, und hob etwas Feucht-Glibbriges auf, das irgendwie aussah wie eine milchigweiße, halb transparente Plastiktasche. In der schwabbeligen Masse befanden sich mehrere Haselnuss- bis Golfballgroße Kügelchen, die ich als unvollständig ausgebildete Eier identifizierte.

   "Tja, mit unserem Nimmersatt erlebt man doch immer wieder was Neues." sagte Amen, während er die schleimige Nachgeburt von allen Seiten untersuchte, und einige Proben davon zog. "Sieht so aus, als hätte er kurzerhand den gesamten Eierstock abgestoßen. Interessante Variante."

   "Igitt." sagte ich, woraufhin die Mumie kurz lachte.

   "So kann mans auch sehen." 

   "Hmm… wusstest du von Anfang an, das er Eier legen würde?" getraute ich mich schließlich zu fragen, während Amen fortfuhr zu experimentieren.

   "Nein. War aber eine interessante Überraschung, oder?" fragte die Mumie etwas abwesend.

   "Interessant?" keuchte ich. Anscheinend hatten wir grundlegend verschiedene Ansichten davon was wir für interessant hielten. Nunja, aber ich war wahrscheinlich auch ein wenig ungerecht. Diese Monster kamen ständig mit allen möglichen Abstrusitäten in Kontakt, ja, konnten eigentlich sogar selbst als solche bezeichnet werden, somit mussten sie zwangsläufig andere Ansichten der Dinge haben.

Geistesabwesend kraulte ich Kitas Kopf, während ich einmal mehr versuchte die Einstellung und die Gedankengänge meiner Gastgeber auch nur ansatzweise zu verstehen. Das Manbeast drehte sich knurrend von mir weg, krümmte sich gleich darauf, und stieß wieder einen lauten Schmerzensschrei aus. Ich brachte mich schnell in Sicherheit, als seine messerscharfen Klauen ziellos durch die Luft fuhren.

   "Und was jetzt?" fragte ich. "Du experimentierst herum, anstatt ihn anzusehen und dich um ihn zu kümmern!" platzte es dann unvermittelt aus mir heraus. "Es ist alles draußen, aber er hat doch noch immer Schmerzen! Sieh dir doch an wie er aussieht!"

   "Was glaubst du eigentlich was ich gerade herauszufinden versuche?!" fuhr mich die Mumie an. "Ich bin kein verdammtes Gentechniklabor!"

   "Jaja, schon gut." brummte ich. "Ich bin nur… nervös. Und ich mache mir Sorgen."

   "Glaubst du ich nicht?" gab die Mumie zurück. "Er hat mir ein paar Mal den Arsch gerettet. Ich bins ihm schuldig."

   "Inwiefern… gerettet? Das würde mich interessieren."

   "Erzähl ich dir ein andermal."

   "Hm… na gut." murmelte ich. "Hast du dann wenigstens eine Vermutung was er hat?"

   "Ja."

   "Und?" fragte ich, nachdem der Untote nicht weiter sprach.

   "Nunja, Kita ist ja ein genetisches Gemisch aus diversen Bestien, soweit bist du ja schon im Bilde denke ich."

   "Ja, das weiß ich."

   "Da er aber nicht so geboren wurde, sondern erst durch gezieltes Eingreifen von Außen so geworden ist, kann man ihn mit keinem herkömmlichen Wesen vergleichen. Seine genetische Zusammensetzung ist anormal, und deswegen instabil, was zu unvorhergesehenen Komplikationen führen kann. Jetzt musste sich sein Körper auf die Schwangerschaft einstellen, was ja auch bei Menschen und Tieren vorkommt, und eigentlich ganz normal ist. Nur in seinem Fall dürfte diese Umstellung irgendwie in Konflikt mit seiner instabilen Genetik gekommen sein. Kommst du soweit mit?"

   "Äh… ja, ich glaube schon. Worauf willst du hinaus?"

   "In Kitas Fall, dürfte die Umstellung des Hormonhaushalts dafür gesorgt haben, dass das empfindliche Gleichgewicht zwischen seinen Genen gestört wurde. Was das für Auswirkungen hat kann ich nur vermuten. Ich denke aber dass die Schwangerschaft eine Art Spontane Mutation ausgelöst hat. Ich habe ein paar Versuche gemacht, bei denen ich herausgefunden habe dass er momentan… nunja, auf einer Art Turbo läuft. Der Stoffwechsel ist beschleunigt, und Zellteilung und Zellwachstum laufen wie im Zeitraffer ab. Das ermöglicht seinem Körper sich auch äußerlich an die veränderten genetischen Bedingungen anzupassen. Kapierst du noch wovon ich rede?"

   "Hmm… ich glaube ich verstehe es, ja. Er verändert also sein Aussehen?"

   "Ja, es sieht ganz danach aus. Es hängt wahrscheinlich mit diesen Experimenten zusammen, die man früher mit ihm durchgeführt hat. Nur leider weiß eben niemand was noch passiert, wenn so ein Fall eintritt wie wir ihn jetzt haben…"

   "Was heißt das jetzt wieder?"

   "Naja, keiner kann sagen inwieweit er sich da oben", die Mumie tippte sich dabei mit vielsagendem Gesichtsausdruck an die Stirn, "auch verändert. Zwar hat er sich schon früher immer noch seinen Verstand bewahrt - aber wer kann sagen das das immer so sein wird? Ein paar kleinere Veränderungen hat es früher auch schon gegeben, aber das ist jetzt eine etwas andere Kategorie."

   "Soll das heißen… er… er dreht vielleicht durch?"

   "Wenn du es schon so direkt ansprichst… ja. Vielleicht wird er zu einer reißenden Bestie die alles angreift das sich bewegt… vielleicht aber bleibt sein Charakter gleich, und wir machen uns umsonst Sorgen."

   "Ich… äh… glaube er hat mich vorhin, bei der...", ich zögerte ein wenig und drehte das Wort mehrmals im Mund herum, bevor ich es aussprach, "Eiablage erkannt."

   "Zumindest ein gutes Zeichen." meinte Amen, und nagte an seiner Unterlippe. Just in diesem Moment stieß Kita einmal mehr ein markerschütterndes Brüllen aus, und bäumte sich unter Schmerzen auf. Die Mumie griff sofort nach dem brauen Fläschchen dass Kalma gebracht hatte, und zog eine weitere Spritze auf.

   "Ich werde ihm noch einmal etwas schmerzlinderndes Verabreichen, sonst kriegt hier heute keiner Schlaf." Nach kurzem Überlegen kramte er auch noch aus einem seiner Koffer ein Mittel hervor, und bereitete auch davon eine Spritze vor. "Am besten auch noch ein leicht betäubendes Schlafmittel… Ich hoffe nur es wirkt auch so wie ich es mir vorstelle."

   "Wie meinst du das?"

   "Ich habe keine Ahnung wie er auf das Zeug reagiert." erklärte der altägyptische Untote, und zeigte ein schiefes Grinsen.

   "Er ist doch kein Versuchtskaninchen!"

   "Hast du eine bessere Idee?"

   "Äh… nein."

   "Eben. Keine Sorge, ich weiß schon was ich mache."

   "Na hoffentlich…" meinte ich skeptisch.

Links und rechts mit einer Spritze in der Hand bewegte sich die Mumie auf das vor Schmerzen stöhnende und sich hin und her wälzende Manbeast zu. Mit einem geschickten Griff brachte er seinen sich windenden Patienten zum Stillstand, und versenkte die erste Spritze mit dem Schmerzmittel in seinem Hinterteil. Ich bemerkte am Rande, dass die Finger Amens, der nicht unbedingt sanft zugepackt hatte, keine Spuren mehr in Kitas Fleisch hinterließen.

Kaum war die erste Spritze leer, schoss die Mumie auch schon den zweiten Kolben nach. Dieses Mal schien ihm Kita aber den Stich, der für ihn eigentlich kaum spürbar gewesen sein musste, übel zu nehmen. Mit einem wütenden Knurren schleuderte er die Mumie zu Boden, war mit einem Satz über ihm, und verbiss sich in seinem Gesicht. Gleichzeitig riss eine unkontrollierte Bewegung seiner scharfen Klauen den linken Arm Amens ab, und schleuderte diesen in der gleichen Bewegung zur Seite.

Doch die Gegenwehr Kitas dauerte nicht lange, da begann das Mittel das ihm Amen gespritzt hatte schon zu wirken. Die Bewegungen des Biests wurden fahriger und unkontrollierter, und schließlich kippte es mit einem Ächzen zur Seite, wo es nur noch gelegentlich leicht zuckend liegen blieb.

   "Nanchnal hache ich neinen Chog." knurrte die Mumie, als sie sich wieder aufrappelte, und ihre etwas deformierte Hals- und Schulterpartie notdürftig wieder zurecht rückte. Ich brauchte einige Momente um seine Worte überhaupt verstehen zu können. Als er sich nun kurz mir zu wandte, bemerkte ich auch warum er so undeutlich gesprochen hatte. Kitas Beißattacke hatte ihm die Unterlippe und fast die gesamte Hautpartie an seinem Kinn gekostet.

Schließlich nahm Amen seinen abgerissenen linken Arm wieder auf, und betrachtete ihn einige Augenblicke unschlüssig, eher er ihn sich unter den noch intakten rechten Arm klemmte. Dann kramte er ungeschickt etwas aus einem seiner Koffer hervor, und drückte es mir in die Hand. Es war eine etwa 10 cm durchmessende Scheibe, aus der in der Mitte eine Art kleiner Griff ragte. Ich nahm das Ding etwas verwirrt entgegen.

   "Du passt hier schön auf, das unser Patient keine Mätzchen macht, klar? Wenn irgendwas sein sollte, dann ziehst du einfach hier dran, und ich komme. Verstanden?"

   "Äh… ja."

   "Gut, dann geh ich mich jetzt wieder zusammenbauen lassen. Und du räum das ganze Zeug wieder in meine Koffer, die hole ich mir morgen nämlich wieder."

   "I- in Ordnung. Mach ich…"

   "Das da nehme ich aber besser mit…" murmelte er noch, und holte ein in ein Tuch eingeschlagenes, rundes Ding aus einem seiner Koffer. Es handelte sich dabei wohl um das eine Ei, das Amen einkassiert hatte.

   "Was ist eigentlich mit den anderen Eiern?" fragte ich.

   "Das geht dich nichts an. Und ihn auch nicht…" sagte die Mumie noch, ehe sie mit schlurfenden Schritten die Felsnische verließ, und mich alleine mit dem inzwischen in einen unruhigen Schlaf gefallenen Kita zurückließ.

Seufzend ließ ich mich dort wo ich gerade stand auf den harten Felsenboden sinken, und stützte den Kopf in die Hände. Das ich mich dabei fast mitten in die Blutlache gesetzt hatte war mir auch schon egal. Meine Kleidung sah ohnehin schon so aus, als ob ich mehrere Tage in einem Schlachthaus zugebracht hätte. Ob mir die Klamotten nun am Leib klebten weil sie geradezu vom Blut des Manbeasts durchtränkt waren, oder weil ich komplett durchgeschwitzt war - es änderte ohnehin nichts an meinem Aufzug. Ich war einfach zu erschöpft, um mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen wie ich gerade aussehen mochte.

Was innerhalb der letzten Stunden passiert war hatte mich mehr mitgenommen als ich gedacht hatte. Alleine die unvermeidlichen, nervenaufreibenden Begegnungen mit diesen Monstern, die mich allesamt sprichwörtlich zum Fressen gerne hatten, hatten mich bestimmt um ein paar Jahre altern lassen. Und als sich dann auch noch die Ereignisse rund um Kita so überstürzt hatten…

Unwillkürlich glitt mein Blick zu dem Monster das mich als einziges hier unten mit Respekt behandelt hatte. Gerade rührte es sich wieder träge, und stieß ein schwaches Knurren aus. Nachdem Kita mit dem Rücken zu mir lag, konnte ich jetzt sehen dass er seine Art Fellumhang abgestoßen hatte, und aus der ledrigen, rötlichen Haut nun dichtes, helles Fell spross. Nachdem ich das noch immer gelegentlich zuckende Manbeast einige Zeit erschöpft beobachtet hatte, stand ich umständlich auf und ging zu ihm.

Als ich mich neben ihm in die Hocke sinken ließ, stieß ich mit dem Fuß gegen irgendetwas, und es gab ein metallisches Scharren. Mein Blick fiel auf das Halsband das ich Kita in Amens Auftrag abgenommen hatte, und das ich in der Hektik achtlos zur Seite geworfen hatte. Ich griff danach um es näher in Augenschein zu nehmen, doch kaum hatte ich meine Hand um das Metall geschlossen, schoss ein scharfer Schmerz durch meine Hand. Mit einem Aufschrei ließ ich das Halsband wieder fallen, und starrte verständnislos auf die Blutstropfen die aus meinen Fingerkuppen quollen.

Der Schmerz verging schnell wieder, und ich wischte mir das Blut an meinem ohnehin schon ruinierten Pullover ab. Mit einer bösen Ahnung tastete ich dann wieder nach dem Halsband, und ergriff es dieses Mal ganz vorsichtig an der Ober- und Unterkante. Um genauer zu sehen hielt ich den metallenen Reif näher an das Licht eines der Leuchtkristalle, der unweit von mir aus der Wand spross.

Was ich dann in den weichen Strahlen des Kristalllichtes sah, jagte mir einen eisigen Schauer nackten Grauens über den Rücken. Keuchend schleuderte ich das Ding von mir weg, und verwünschte im gleichen Moment meine Neugier. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als mich nie wieder daran erinnern zu müssen was ich gesehen hatte. Doch ich wusste dass ich es in meinem ganzen Leben nie vergessen würde.

Beinahe die gesamte Innenseite des Halsbandes war mit unzähligen nadelspitzen Stacheln versehen! Sie waren nicht groß… höchstens drei bis vier Millimeter, doch ich konnte mich noch genau daran erinnern wie es sich angefühlt hatte als sie sich in meine Haut gebohrt hatten…

Ich fühlte Wut in mir aufsteigen. Rasende Wut über dieses… dieses Folterinstrument das Kita um den Hals getragen hatte. Ich ballte die Fäuste, und biss die Zähne so fest zusammen das es schon schmerzte, nur um nicht einfach loszurennen und dem Nächstbesten dieser Brut den ich erwischte an die Gurgel zu gehen. Monster hin oder her - wie konnte man nur zu so etwas fähig sein?

Das Manbeast regte sich unter langgezogenem Stöhnen, und stieß mit dem Kopf leicht gegen mich als es sich umdrehte. Mein Zorn verflog so rasch wie er gekommen war, als ich in die schmerzverzerrten Gesichtszüge der wandelnden Fressmaschine sah. Die unruhig flatternden Augenlider des Biests ließen erahnen dass sein Schlaf nicht unbedingt ruhig ausfiel.

Vorsichtig langte ich in Kitas Nacken, und kraulte ihn sanft. Die Berührung hatte die erhoffte Wirkung, denn er beruhigte sich wieder ein klein wenig. Was immer ihm Amen gespritzt hatte betäubte ihn vielleicht bis zu einem gewissen Grad, aber richtigen, erholsamen Schlaf ließ es ihn bestimmt nicht finden.

Mein Blick fiel auf die linke Schulter des Manbeasts, auf der er kurz zuvor noch gelegen war. Überrascht registrierte ich, dass sich aus der panzerartigen Hornplatte mehrere gebogene handgroße Dornen geschoben hatten, die wirr in alle Richtungen standen. Sofort fühlte ich mich dadurch wieder an die winzigen, nadelspitzen Stacheln dieses Folterhalsbandes erinnert…

Nur mit Macht konnte ich den Gedanken zurückdrängen, als ich Kita noch ein weiteres Mal kurz kraulte, und mich dann ächzend wieder erhob. Mir taten so ziemlich alle Knochen im Leib weh, aber es nützte nichts, ich musste zuerst noch den ganzen Krempel den Amen hier gelassen hatte zusammenräumen. Ich wusste ganz genau, wenn ich mich jetzt niederließ um mich ein wenig auszuruhen, dann würde ich nachher nicht mehr die Energie dazu aufbringen. Und Lust herauszufinden was der altägyptische Untote mit mir veranstaltete wenn ich seine Anweisung missachtete hatte ich schon gar nicht.

Mit fahrigen Bewegungen räumte ich also all die Instrumente und Fläschchen die die Mumie im halben Raum verteilt hatte wieder in die beiden Koffer zurück. Ich hoffte nur das ich auch alles zu seiner Zufriedenheit einsortiert hatte, und das sich unter diesen ganzen seltsamen Flüssigkeiten und Pulvern nichts befand das womöglich in die Luft gehen konnte…

Überraschend schnell war ich mit dem Einräumen der Utensilien Amens fertig. Ich war heilfroh das mich dabei, abgesehen vielleicht von einem etwas klemmenden Verschluss auf einem der Koffer, überhaupt keine Probleme erwartet hatten. Seufzend nahm ich das scheibenartige Ding das mir die Mumie in die Hand gedrückt hatte wieder auf, und sah mich in der Höhle nach einer halbwegs bequem aussehenden Sitzgelegenheit um. Aber es gab keine. Ausgerechnet in dieser Höhle in die sich Kita zurückgezogen hatte, gab es keine flauschigen Decken und Felle am Boden, die ansonsten in der Behausung des Manbeasts fast schon obligatorisch zu sein schienen.

Ich wollte mich schon widerwillig mit dem Gedanken anfreunden mich auf den unbequemen Felsboden setzen zu müssen, als ich mich des Sichtschutzes erinnerte den ich heruntergerissen hatte als ich in die Felsnische betreten hatte. Sofort machte ich mich auf die Suche nach dem großen Fell, und fand es auch prompt. Es lag, von Innen nicht zu sehen, etwas rechts des Eingangs, genauso wie ich es in der Hast hatte fallen lassen. Erleichtert schleppte ich das dicke, überraschend schwere Stück in die Höhle, und ließ mich in Kitas Nähe darauf nieder.

Das Fell war tatsächlich so bequem wie es aussah, ich spürte die harten Unebenheiten des Untergrundes kaum durch. Vorsichtig fuhr ich mit der Hand durch den dichten, pechschwarzen Pelz. Es fühlte sich angenehm an, und ich fragte mich von welcher Art Tier dieses Fell stammen konnte, denn etwas Vergleichbares hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Es hatte die Ausmaße einer großen Kuhhaut, aber war dabei so flauschig und weich wie der Pelz eines kleinen Säugetiers…

Das Manbeast regte sich leise knurrend, warf sich mit einem plötzlichen Ruck auf den Rücken, und hustete laut. Ich wollte schon erschrocken an dem seltsamen Ding ziehen das mir Amen gegeben hatte, aber besann mich gleich wieder als ich sah dass sich Kita schon wieder beruhigt hatte. Zwar noch immer ein wenig unruhig zuckend, aber inzwischen wenigstens mit entspanntem Gesichtsausdruck blieb das Biest, alle Viere von sich gestreckt, liegen.

Es knackte leise, als sich die Haut an seinem linken Oberarm öffnete, und, wie schon auf seiner Stirn, tief im Fleisch eingebettet weitere verhornte Stacheln sichtbar wurden. Kita quittierte den Vorgang lediglich mit einem halblauten "Rrrmpf…", aber blieb ansonsten ruhig liegen. Anscheinend taten die Mittel die man in ihn hinein gepumpt hatte inzwischen doch ihre Wirkung, denn auch seine Atemzüge wurden immer entspannter und tiefer.

Ich beobachtete das Manbeast, das zwischenzeitlich sogar leise zu schnarchen begonnen hatte noch einige Zeit lang, dann trug die Müdigkeit auch über meinen Körper den Sieg davon. Am Rande erinnerte ich mich noch daran das mir die Mumie eigentlich aufgetragen hatte wach zu bleiben und aufzupassen, dann glitt ich auch schon ins Land der Träume hinüber.

Und dieses Mal erwartete mich keine grässlichen Visagen meiner Gastgeber, nur der bleierne, traumlose Schlaf der Erschöpfung…

 

 

Fortsetzung: Siehe Tag 4