Kapitel I – Ratversammlung

 

Es vergingen 215 Jahre seit der Öffnung der Tore. Die Magie stabilisierte sich. Die wenigen überlebenden Menschen gründeten ein neues Reich. Die fremden Kreaturen nahmen Anspruch auf Ländereien. Technologie und Magie mischten sich. Die Magier des Menschenreiches Eternia hielten eine Versammlung ab. Grund dafür war die Hinrichtung von acht Kreaturen, die im Jahre 8 nach der Befreiung (8 n.B.) den Menschenkönig und seine Berater ermordet hatten. Da diese Wesen zu mächtig waren und keiner es geschafft hatte, sie zu besiegen, wurde ein fremder und mächtiger Magier ohne Zirkel damit beauftragt, diese Wesen einzusperren. Wochenlange Kämpfe folgten, doch schließlich gelang es dem Magier auf mysteriöse Weise die Wesen einzusperren. Die Zirkelmagier boten ihm an, einen Wunsch zu äußern, und das tat er auch. Er wollte kein Gold und keine Ehre, sondern nur ein Versprechen für seine Hilfe. Die Monster durften, solange er lebte, nicht vernichtet werden - ausgenommen es ließ sich ganz sicher beweisen, dass diese acht Kreaturen die Tat wirklich begangen hatten  Ausnahme dafür wäre es, wenn ganz sicher bewiesen worden wäre, dass diese acht Kreaturen die Tat wirklich begangen hatten. Die Zirkelmagier akzeptierten den Wunsch, ohne zu wissen, dass der Fremde ein Sohn der Wächterin Elun sei. Durch hohes Alter konnte er nicht sterben. Kurze Zeit nach der Gefangennahme entwickelten die Magier einen Fluch, der den acht Kreaturen ihre Kräfte raubte. Dieser Fluch brauchte nur eine wichtige Zutat: Ein Teil des Opfers. Haare oder ähnliches waren nicht schwer zu finden und so wirkten sie diesen Fluch. Sie dachten, nun könnte ihnen nichts im Wege stehen, doch der Fremde schien schlauer zu sein. Er versiegelte im Jahre 15 die Gefängnisse so, dass sie alle 100 Jahre zum Vorschein kamen.

Solange der Fremde lebte, konnte keine der Kreaturen vernichtet werden.

Dieser Magier sorgte auch dafür, dass der schreckliche Spruch, der den Fluch beinhaltete, aus der Welt geschaffen wurde. Leider wurde er bereits einmal gesprochen.

 

~~*~~

 

Die Versammlung fand in einer Magierakademie statt, die sich auf den Hügel befand. Es war eine klare Nacht und der Mond erhellte die Wälder um die Akademie herum. Diese Anlage war einer Burg ähnlich und Licht strahlte aus einzelnen Fenstern. Alle Magierzirkel waren eingeladen. Magier mit schwarzer, weißer und grauer Robe nahmen in dem großen Saal der Akademie Platz. Der Saal war mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Das Auffällige an der Position der Tische war, dass diese alle auf die Mitte des Saales gerichtet waren. Die Wände und Säulen des runden Saales waren mit Fackeln gespickt und weiße Banner mit einem Einhorn waren überall aufgehängt. Gemurmel durchbrach die Ruhe des Saales. Keiner wusste genau, warum sie hierher bestellt worden waren.

„Seid willkommen, meine Damen und Herren“, ertönte eine Stimme in der Mitte des Saales. Sofort erstarb das Gemurmel und nur noch das Knistern der Fackel war zu hören.

Die Stimme gehörte einem älteren Mann in weißer Robe. Seine Augen waren hellblau wie der Himmel, doch sein Gesicht ließ darauf schließen, dass er viele Jahre schon auf dieser Welt wanderte. Sein Bart war lang und grau, seine Haare wurden von einer Kapuze verdeckt. In den Händen hielt er einen Stab aus weißem Holz. Die Spitze war mit einem Kristall versehen.

„Ihr fragt euch bestimmt, warum ich euch hierher gerufen habe“, setzte der Mann fort.

„Was ist so wichtig, dass ich euch alle zu mir rufe? Magier der schwarzen, grauen und weißen Künste?“ Dabei blickte er in die Gesichter aller Magier. „Ich werde es euch verraten: Der zirkellose Magier Lankram Mondträne wurde gestern tot aufgefunden.“ Ein lautes Geraschel und Gemurmel begann.

„Meine Damen und Herren, bitte!“, ertönte die Stimme des Magiers noch mal. „Der Grund des Todes konnte nicht festgestellt werden, doch eines ist sicher: Mit dem Tod von Lankram ist auch unser Versprechen gestorben.“ Sofort fing es wieder an laut zu werden.

„Ruhe!“ Bei diesem Schrei schienen selbst die Fackeln kurz erlöschen zu sein. Jeder richtete seinen Blick wieder gen Magier.

„Das bedeutet, dass uns keiner mehr daran hindern kann, die Mörder zu richten!“

Ein bestimmtes Feuer schien in seinen Augen zu lodern. „Vergessen wir die Streitigkeiten zwischen den Zirkeln für diese Tage. Die Gefängnisse werden sich Tag für Tag öffnen. Wir stehen unter Zeitdruck. Sollten wir es nicht schaffen, werden diese Mörder frei herumlaufen können. Lankram ist tot und nur noch die Gefängnisse sperren diese Mörder ein. Lankrams Bannzauber hat seine Wirkung verloren. Also haben wir keine andere Wahl, als uns zu verbünden und diese Kreaturen zu richten!“ Viele Köpfe nickten und ein Applaus begann. Man konnte die Begeisterung in diesem spärlich beleuchteten Saal förmlich schmecken.

„Und trotzdem werdet ihr sie nicht vernichten können…“, sagte jemand. Jeder richtete seinen Blick der Richtung, aus der die ruhige, beinahe neutrale Stimme erklungen war.

Eine in einer roten Robe verhüllten Gestalt hatte gesprochen.

Diese Gestalt war ganz hinten und stand nun auf.

Wieder begann Gemurmel. Sätze wie „eine rote Robe?“ und „Welchem Zirkel gehört er an?“ waren zu hören.

„Gib deine Identität preis, Fremder!“, sprach der weiße Magier in der Mitte des Saales.

„Mir ist nichts von einem Zirkel bekannt, der rote Roben trägt. Und was hat dich dazu bewogen, unsere Fähigkeiten zu unterschätzen?“, fuhr der Magier fort. Sein Blick war gehässig und ein Funkeln war darin zu sehen.

„Mein Name ist Leomahr Lichtschatten“, antwortete die Gestalt im roten Gewand.

„Lichtschatten?“, wiederholte der Magier. Die Spannung unterband das Gemurmel und viele schauten interessiert auf die rote Gestalt.

„Lichtschatten… Du stammst also nicht von uns Menschen ab. Offenbare dein Gesicht, damit wir sehen können, woher du stammst“

„Ihr wollt mein Gesicht sehen? Wie ihr wünscht…“ Leomahr tat die Kapuze zurück und zum Vorschein kam das Gesicht eines normalen Menschen. Er hatte keine Haare, doch hatte er einen Bart von schwarzer Farbe. Seine Augen waren hellgrau wie die einer Elfenmaid. Sie schienen alles und jeden zu beobachten. Sein Gesicht war das eines Mannes zwischen 20 und 30 Jahren. Doch seine Augen schienen die Weisheit zu haben, welches nur der Meer zu haben konnte.

„Eine recht ungewöhnliche Erscheinung legst du hier zutage, Fremder“, erklang die Stimme des Magiers. „Lichtschatten nennst du dich und doch siehst du aus wie ein Mensch. Außer deine Augen… Diese Augen sind selbst mir rätselhaft. Bist du ein Mischling?“

„Was ich bin, tut jetzt nichts zur Sache“, sprach der Fremde in ruhigem Ton.

„Was Eure Fähigkeit entspricht, ich unterschätze sie nicht. Trotzdem werdet Ihr sie nicht vernichten können. Lankram wurde hinterhältig ermordet von einem Magier eures Zirkels, den er Freund nannte. Er wurde ermordet, nur damit ihr die acht Wesen vernichten könnt“, sagte Leomahr in die Menge und machet sich Richtung Ausgang davon.

Alle Magier waren so über diese Aussage verblüfft, dass sich ein Schleier der Stille über den Saal legte. Der Magier in der Mitte entschied sich, die Stille zu durchbrechen.

„Wer bist du, dass du solche gewagten Behauptungen von dir lässt?! Woher hast du dieses Wissen? Glaubst du wirklich, dass du uns aufhalten kannst, Knabe?“

Der Fremde drehte sich um und sagte mit einer Bestimmtheit, die selbst Berge zu bewegen schien:

„Ich bin Leomahr Lichtschatten, einziger Schüler von Lankram Mondträne.“

Die Stille und die Verblüffung schienen sich zu verstärken. Selbst der Magier in der Mitte des Saales konnte keine Worte mehr raus bringen.

Ohne ein weiteres Wort verließ Leomahr den Saal.

 

(c) XES_Hunter 2006