The Legend of Lordi - Red Moon

 

 

Irgendwo, weit entfernt läutet eine Kirchenglocke. Das Läuten war hoch und durch den dichten Nebel, der durch den Wald zog, stark gedämpft. Der eisige Wind pfiff durch die kahlen Bäume, die ihre nackten Äste wie verkrüppelte Finger zum Himmel streckten. Vom Waldboden griff der Wind ein einzelnes Blatt auf und wirbelte es hoch in die Luft. Über die Baumkronen auf einen kleinen Hügel zu. Das bereits verwelkte Blatt tanzte einen verrückt aussehenden Tanz in der Luft… bis es mitten in der Bewegung gestoppt wurde. Klauenartige Finger hielten es fest umschlossen, als würden sie es am liebsten nie wieder gehen lassen. Dann öffneten sich die Finger langsam und der Wind trug die Fetzen, die als einziges übrig geblieben waren, wieder in die Luft.

Die Finger gehörten zur einer Kreatur die majestätisch und nun wieder mit verschränkten Armen auf dem Hügel stand und den Blick wachsam über die Umgebung streifen liess. Der Wind wirbelte um die Gestalt herum und liess ihren Umhang, der so schwarz war wie die Nacht, flattern. Dann, ganz plötzlich, umspielte ein bösartiges Grinsen die Lippen. Langsam hob die Kreatur den Kopf und blickte zu einer runden Scheibe am schwarzen Himmel, die eigentlich leuchtend gelb hätte sein müssen. Nun jedoch spiegelte sich in den blutroten Augen des Ungeheures, das noch dunklere Rot des Mondes. Die Zeit war gekommen. Die Zeit des roten Mondes.

 

 

Irgendwo, weit entfernt, genauer gesagt in einem anderen Teil der Welt, war es heiss und schwül. Die Sonne brannte vom Himmel und es wehte kein Lüftchen, das irgendwie Erleichterung hätte bringen können. Bäume, die hätten Schatten spenden können, gab es schon lange keine mehr hier. Die einzige Vegetation bestand aus ein paar vertrockneten Büschen und einigen kleinen Eidechsen die mit Höchstgeschwindigkeit umherflitzten. Ansonsten war da nur Sand. Sand soweit das Auge reichte. Riesige Dünen erstreckten sich über mehrere hunderte Meter. Ansonsten war es still. Doch auf einmal änderte sich etwas. Es war nicht greifbar, aber die Atmosphäre und die Stimmung veränderte sich. Dann rollte plötzlich ein einzelnes Sandkorn eine Düne herunter. Dann ein Zweites, dann ein Drittes und auf einmal kam ein Wind auf, der sich rasend schnell in einen Sturm verwandelte. Im Handumdrehen entstand ein gewaltiger Sandsturm. Am Himmel zogen schwarze Wolken auf, die sich wie in einem schnell laufenden Zeitraster auftürmten. Der Himmel selbst wurde so schwarz, dass selbst die Sonne verschwand. Die Sicht verschwamm, durch den herumfliegenden Sand. Mehr als drei, höchstens vier Meter reichte die Sicht nicht. Eine einzelne Eidechse flitzte über den Sand und suchte Schutz unter einem Stein. Mit ihren kleinen, schwarzen Augen beobachtete sie den tosenden Sturm. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt, das in unmittelbarer Nähe vor dem Stein aufgetaucht war. Es war eine Gestalt, die völlig regungslos im Sturm stand. Es war nicht ersichtlich was die Gestalt wollte, es schien als würde sie den Sturm beobachten, ja sogar geniessen. Vielleicht war es der Instinkt oder der Sturm selber der die kleine Echse dazu veranlasste sich tiefer in den Stein zurückzuziehen. Das war der letzte Fehler in ihrem kurzen Leben. Ehe sie die Chance hatte zu fliehen, drehte sich die Gestalt um, blickte auf den Stein und streckte die Hand, die in klauenartigen Finger auslief mit dem Handrücken nach oben aus. Um den Stein schloss sich ein Feuer und von der kleinen Eidechse war ein letzter kleiner Schrei zu hören.

Ohne einen weiteren Blick daran zu verschwenden, drehte sich die Gestalt wieder um. Urplötzlich, ohne Vorwarnung hob sie die Arme gegen den Himmel. Der Himmel wurde noch schwärzer, sofern das möglich war. Dann bebte die Erde, die Gestalt jedoch blieb unbeweglich stehen ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten. Dann war es vorbei. So schnell wie er gekommen war, ebte der Sturm auch wieder ab. Nur der Himmel blieb schwarz. Plötzlich entstand vor den Füssen der Gestalt ein Riss. Kaum erkennbar, doch dann, wie wenn jemand ein Stück Papier auseinandereissen würde, zog sich der Riss im Zickzack in die Ferne. Es war nicht ersichtlich wie weit er ging, doch am Horizont war plötzlich ein Donnern zu hören. Die Gestalt hob den Kopf und sah zum Urspungsort des Geräuschs. Dann verzog sie die Lippen zu einen Grinsen, das so bösartig war, das es nie von einem menschlichen Wesen stammen konnte.

Ein Licht, so rot, als würde es aus reinem Blut bestehen, blitzte in den Augen auf. Die Augen richteten sich in die Ferne. Die Kreatur wartete völlig bewegungslos, nur mit dem grauenvollen Grinsen im Gesicht.

 

 

 

Fortsetzung folgt in: ’’The Legend of Lordi - Die Zusammenführung“