The Legend of Lordi - The meeting                                                                           

 

 

Stille… Man konnte sie hören, beinahe schon greifen. Doch nach so langer Zeit die er in dieser Stille verbracht hatte, fiel sie ihm gar nicht mehr auf. Er wartete. Er musste warten. Denn wenn es nach ihm gegangen wäre, würde er schon lange nicht mehr hier liegen. In diesem Sarg eingesperrt und gezwungen keinen Muskel zu rühren. Wie lange lag er schon hier? 500 Jahre? 1000? 2000? Er wusste es nicht. Es spielte auch keine Rolle, denn Zeit war bedeutungslos geworden. Doch was war das? Ein Geräusch? Unmöglich! Doch woher sollte er wissen, wie sich ein Geräusch anhört?  Er hatte seit dem Donnern, das die steinerne Tür der Grabkammer beim Schliessen verursacht hatte, nichts mehr gehört. Genauso wie er seit damals nichts mehr gefühlt hatte. Er versuchte sich an das Gefühl zu erinnern, das ein Luftzug auf der Haut hinterlässt, wenn er sanft wie eine Feder darüberstreicht. Er hatte den Wind immer geliebt. Er hatte es immer geliebt, dem Wind zuzuhören. Er fand dann, der Himmel würde ihm zuflüstern. Wenn es ihm möglich gewesen wäre zu seufzen, dann hätte er es jetzt getan.

Da war es schon wieder. Dieses Geräusch. Es war ein weit entferntes Donnern, das sich anhörte wie… konnte es möglich sein? Er wagte nicht einmal zu hoffen, dass es so wäre. Dann begann die Erde zu beben. Er spürte ein Zittern, das immer stärker wurde. Es wurde so stark, dass sogar er, hier unten, hunderte von Metern unter der Erde, eingeschlossen in einem Sarkophag, es spüren konnte. Nun wurde er doch von einer seltsamen Unruhe erfasst. Das Beben war wirklich extrem stark und die Grabkammer, in der er eingeschlossen war, war schon uralt. Dann war es plötzlich vorbei und es war wieder still. Er gewöhnte sich bereits wieder an den Gedanken, dass alles falscher Alarm gewesen war, als das Beben erneut einsetzte und zwar stärker als zuvor. Er rutschte in seinem Sarkophag hin und her, unfähig sich irgendwie festzuhalten, da seine Arme über der Brust gekreuzt waren. Und dann hatte er plötzlich das Gefühl, noch fester auf den Boden des Sarges gedrückt zu werden. So ging es eine kurze Zeit. Der Sarkophag wurde durchgerüttelt, der Druck auf seiner Brust wurde grösser und grösser. Dann mit einem gewaltigen Ruck hörte es auf. Dann… eine Explosion, die eine Druckwelle verursachte, die selbst er in seinem steinernen Sarg spüren konnte. Sie war so gewaltig, dass er erneut und noch heftiger fürchtete, dass die gesamte Pyramide über seinem Kopf zusammenstürzen könnte. Dann spürte er einen leichten Lufthauch und... er stutzte. Er SPÜRTE den Lufthauch? Das konnte doch gar nicht sein. Wie war das möglich? Dann stach ihm etwas ins Auge. Er brauchte einen Moment um zu realisieren, dass es Licht war. Der Deckel der Sarkophages war durch die Erschütterungen ein wenig zur Seite gerutscht und gab nun einen kleinen Spalt frei. Konnte es wahr sein? Sollte er es wagen? Sollte er es versuchen, die Arme zu bewegen? Eine seltsame Erregung ergriff von ihm Besitz und nach kurzem Überlegen beugte er zuerst einen Finger. Dann hob er langsam den Arm und schob in durch die Öffnung. Er bewegte die Finger. Was für ein herrliches Gefühl.

Mit beiden Händen schob er den Deckel zur Seite und setzte sich auf. Er blickte umher. Was war hier passiert? Das Ausmass der Explosion, die er vorher vernommen hatte, war grösser als er gedacht hatte. Von ihm aus gesehen, war die gesamte rechte Seite weggesprengt worden. Und draussen konnte er den Sternenhimmel sehen... Doch was war das? Der Himmel war schwarz. So schwarz, dass man die weder die Sterne noch den Himmel selbst sehen konnte. Und dort, am schwarzen Firmament, das sich wie ein riesiges Tuch über die gesamte Welt gespannt war, hing eine Scheibe. In seiner Erinnerung war diese Scheibe leuchtend hell gewesen, doch hier war die Scheibe tiefrot, so rot wie das Blut, das schon lange nicht mehr durch seine Adern floss und das er früher so geliebt hatte. In seiner hellblauen Iris spiegelte sich der rote Mond.

Dann fiel ihm noch etwas anderes ins Auge. Es war eine Gestalt die in einiger Entfernung am Fuss der Pyramide stand. Sie rührte sich nicht, doch selbst hier oben, in der mittleren Höhe der Pyramide, wo ein gewaltiges Loch klaffte, war das glühende Rot der Augen zu sehen. Sie stachen in die Nacht und richteten sich geradewegs auf ihn. Die Augen bohrten sich in Seine und mit einmal wusste er, dass er seine Befreiung diesem Unbekannten zu verdanken hatte. Er nickte. Eine kurze Bewegung, kaum wahrnehmbar. Die dunkle Gestalt hatte zurückgenickt.

Damit waren zwei der fünf unter dem roten Mond zusammengeführt.

 

 

 

Fortsetzung folgt in: ’’The Legend of Lordi – Die siebte Todsünde”