The Legend of Lordi - The Labyrinth

 

 

Der riesige Eisenring, der sich durch seine Nüstern zog, schwang vor und zurück, als ihm ein gewaltiges Schnauben entfuhr. Er konnte sie spüren. Er konnte ihre Angst fühlen. Erneut schnaubte er. Hatten sich also wieder einmal irgendwelche Idioten hier hinunter gewagt. Nun, ihm konnte es recht sein, er würde auch mit ihnen grossen Spass haben. Viel leiser, als man es ihm in Anbetracht seiner Grösse zugetraut hätte, erhob er sich. Dann lauschte er erneut. Ja, sie waren schon viel näher. Er grinste; das würde einfach werden.

Ein Stück entfernt, schlichen drei Männer geduckt vorwärts. Der Vorderste trug eine Fackel, die einen zittrigen Schein auf die Wände umher warf. Keiner sprach ein Wort; zu gross war die Angst, dass sie gehört werden konnten. Die Drei hatten zu spät gemerkt, dass es ein Fehler gewesen war, hier hinunter zu steigen. Plötzlich hielt der Vorderste einen Finger und bedeutete den anderen beiden still zu sein. Was war das? Das Geräusch hatte sich angehört wie ein Stampfen. Ohne ein Wort zu sagen, bedeutete er den anderen sich leise umzudrehen und die andere Weggabelung zu nehmen, an der sie eben vorbeigelaufen waren. Doch als sie sich umdrehten, wusste keiner der drei mehr, durch welchen Gang sie überhaupt gekommen waren. Vor ihnen taten sich vier schwarze Öffnungen auf. Sie hatten sich verlaufen. Warum hatten sie nicht auf die Warnungen gehört und waren in dieses unglaublich grosse Labyrinth eingedrungen? Nur weil sie den Minotaurus sehen wollten, der angeblich hier unten leben sollte?

Erneut hörte einer der drei ein Geräusch. Dieses mal viel näher und deutlicher. Es war ein Schnauben gewesen, wie von einem Stier, der sich zum Angriff bereit machte. War es die Dunkelheit, oder die Tatsache, dass sie sich verlaufen hatten, die den ersten der Männer dazu veranlasste kopflos durch die erste der vier Öffnungen zu rennen? Keiner wusste es, doch es war ihnen auch egal. Schon schloss sich der zweite und dann auch der dritte Mann an. Sie rannten so schnell sie konnten, doch keiner konnte sehen wohin sie eigentlich flohen. Rechts, links, wieder rechts, geradeaus und erneut rechts, dann links und weiter geradeaus. Kreuz und quer rannten sie durch die Gänge. Auf einmal prallte der Vorderste der Flüchtenden gegen etwas. Durch die Wucht wurde er zurückgeworfen und landete auf dem sandigen Boden mit dem Gesicht nach unten. Mühsam blickte er hoch… und genau auf zwei gigantische Hufe. Langsam liess er seinen Blick nach oben wandern und erstarrte. Er sah ein Wesen, dass mehr Stier als Mensch war. Nur der aufrechte Gang und die beiden muskulösen Arme, verliehen ihm ein annähernd menschliches Aussehen. Doch das Furchtbarste war sein Gesicht. Ein faustgrosser Eisenring bohrte sich durch seine stierartigen Nüstern und auf seiner hohen Stirn stachen zwei bösartige Hörner heraus. Mit seinen Augen fixierte er den Menschen, der da vor ihm lag. Zitternd richtete sich der Mann auf und blickte auf die grauenhafte Gestalt, die, nur vom flackernden Schein der Fackel erhellt, vor ihm stand und ihn beobachtete. Dann, ohne jede Vorwarnung packte der riesige Bulltaurus den Kopf des Mannes mit beiden Händen und begann langsam zuzudrücken. Der Mann wimmerte und aus seinen Augen schossen Tränen. Dann verfärbten sich die Tränen rot und aus den Augenwinkeln floss Blut. Nun hörte man ein Knacken, das einem sagte, dass ein Knochen den Widerstand gegen den Druck aufgegeben hatte. Der Mann verdrehte die Augen nach oben, sodass nur noch das eigentlich weisse seiner Augäpfel zu sehen war, das mittlerweile aber ein dunkles Rot angenommen hatte. Dann hing er nur noch schlaff zwischen den Armen des Stiermannes. Dieser liess ihn nun fallen wie einen Sack Kartoffeln und drehte sich den beiden anderen Männern zu, die, erstarrt und gelähmt vor Grauen, in einer Ecke sassen. Langsam ging er auf die beiden zu, was zur Folge hatte, dass der Eine sich tiefer in die Ecke zurückzog, der Andere jedoch aufsprang und schreiend auf die Öffnung, durch die sie gekommen waren, zurannte. Mit einer blitzschnellen Bewegung, trat der riesige Stier einen Schritt vor und stiess dem Mann seine beiden Hörner in den Rücken. Der Mann schrie wie am Spiess und mit einem gewaltigen Ruck wirbelte der Bulltaurus den Mann über seinen Kopf in die andere Richtung des Ganges. Ein dumpfer Aufschlag erfolgte, als der Mann mit voller Wucht an die Wand knallte. Er rutschte die Wand hinunter und blieb mit einem seltsam abgewinkelten Kopf liegen. Nun war nur noch einer übrig. Der riesige Stiermann blickte auf das verängstigte Häufchen Elend, das ihn nun aus verweinten Augen ansah. Ein verächtliches Schnauben entfuhr seiner Kehle, als der Mann eine schnelle Bewegung ausführte und nun mit der Spitze eines kurzen Schwertes auf ihn zeigte. Ruckartig packte er die Schwertspitze und bog sie mühelos nach hinten, sodass sie nun auf den Mann selbst zeigte. Dieser begann nun zu jammern und liess das Schwert fallen. Der Stier trat einen Schritt auf den Mann zu und nun stand er keinen halben Meter mehr von ihm entfernt. Dann bückte er sich leicht und ergriff mit einer Hand den Kopf des Mannes, der nicht die geringste Widerwehr zeigte. Er hob ihn hoch; zuerst auf die Füsse, dann noch höher, sodass er ihm direkt ihn die Augen sehen konnte. Wie er doch die Todesangst genoss, die sich im Gesicht des Mannes widerspiegelte. Dann knallte er den Kopf des Mannes mit voller Wucht gegen die Wand, sodass das Blut zur Seite spritzte und sich wie ein surrealistisch aussehender Farbklecks über die Wand verteilte. Er liess das, was vom Kopf des Mannes übrig geblieben war, los und beobachtete die Blutspur, die nun langsam an der Wand nach unten lief und auf dem Boden im Sand versickerte.

Dann hörte er etwas. Ein Knacken, als ob jemand versuchen würde gebrochene Knochen zu richten. Schlagartig drehte er sich um und sah etwas, das selbst ihn in Verwunderung versetzte. Der Mann, den er gegen die Wand geschleudert hatte und der sich dabei das Genick gebrochen hatte, war aufgestanden und hielt mit einer Hand den Kopf aufrecht, indem er sich selbst an den Haaren zog. Da bemerkte der Stiermann die Augen des Toten. Sie waren glühend rot und dem Bulltaurus wurde langsam aber sicher unwohl. Was ging hier vor? Erneut betrachtete er den Mann und erst da bemerkte er, dass dieser den Arm ausgestreckt hatte und mit dem Finger auf eine Stelle an der Wand deutete. Dort begann sich nun etwas abzuzeichnen, das aussah wie ein grosser roter Kreis und plötzlich schien es, der Stiermann traute seinen Augen kaum, als würde ein Loch in die Steinwand geschmolzen. Innerhalb dieses Kreises, glühte die Wand erst rot, dann begann sie zu zerfliessen und der flüssige Stein breitete sich auf dem Boden aus. Der Stier musste einen Schritt zurücktreten, um nicht mit dem flüssigen Gestein in Berührung zu kommen. Als er den Blick erneut zu der Stelle richtete, wo der Kreis geglüht hatte, klaffte dort nun ein schwarzes Loch. Der tote Mann zeigte auf die Öffnung und sah dem Bulltaurus weiter in die Augen und dieser verstand. Langsam machte er einen Schritt vorwärts und wunderte sich, dass der geschmolzene Stein bereits hart geworden war. Dann blickte er denn Mann ein letztes Mal an und stutzte. Dort auf dem Gesicht des Mannes schien sich, einer durchsichtigen Maske gleich, das Antlitz einer Kreatur abzuzeichnen. Zwar war der seltsam abgewinkelte Kopf und die toten Augen noch zu erkennen, doch über das Gesicht hatte sich die furchtbare Fratze eines Gestalt mit rotglühenden Augen und einer Haut, die verbrannt und zernarbt wirkte, geschoben. Doch einen Augenblick später war die Erscheinung verschwunden und der Stiermann wendete sich wieder der Öffnung zu. Ein letztes Schnauben war zu vernehmen, dann schritt er hindurch.

 

 

 

Fortsetzung folgt in: ’’The Legend of Lordi - Der letzte Part“