Kapitel 1: Magnums Rache

 

Trollev starrte unkonzentriert auf den Bildschirm vor ihm. Sein Kaffeebecher war bereits leer, aber er war zu faul um aufzustehen, um ihn nachzufüllen. Zu tun hatte er nichts, weil sein Chef der „neuen Technologie“ nicht so wirklich traute und ihm daher nicht keine heiklen Aufträge zuteilte. Aber es war seine Schicht, also musste er anwesend sein. Verdammt, wenn er sterblich wäre, würde die Langeweile wahrscheinlich umbringen.

Einer seiner Mitarbeiter (wobei es eine Schande war, dass ein Dämon mit solch kümmerlichen Computerkenntnissen in seiner Abteilung arbeitete), der sich gerade mit irgendeiner Routineaufgabe befasste, schien wieder einmal ein Problem zu haben: „Ähm, Trollev, ich glaub, Windows ist wieder abgestürzt. Ich glaub, das KANN nicht nur an mir liegen, ich glaub das Betriebssystem ist einfach scheiße! Welcher Idiot hat das eigentlich erfunden?“ Genervt ging Trollev zu ihm rüber. „Hör mal zu, Kleiner! Microsoft gehört niemand anderem als Bill Gates, einem guten Freund vom Chef persönlich, also versuch deine Inkompetenz nicht der Software zuzuschreiben! Lass mich mal sehn...“ Trollev blickte auf den Bildschirm. Dort stand auf blauem Hintergrund eine unverständliche Fehlermeldung. Der Administratordämon drückte Crtl+Alt+Del. Nix geschah. „Was hast du denn jetzt schon wieder angestellt???!!!!“ Sein Untergebener zitterte und versuchte zu antworten: „Eigentlich hab ich nur das Startmenü aufge...“ „ES IST MIR EGAL WAS DU GEMACHT HAST! STARTE EINFACH DEN PC NEU!!!“ Frustriert ging Trollev zurück zu seinem Platz. Nachdem sein Ärger allmählich verflogen war, breitete sich erneut Langeweile aus.

Plötzlich fing die Luft vor seinen Augen Feuer, und ein stechender Schwefelgeruch drang in seine Nase. Einen Moment später stand der Teufel persönlich vor ihm. „Ähm... Hallo Chef, gibt’s was Neues?“ Der Dämon versuchte, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Er scheiterte kläglich.

„Und ob es was Neues gibt. Mein Buch mit den sieben Siegeln wurde mir gestohlen, und DAS hier lag stattdessen an seinem Platz!“ Mit diesen Worten schleuderte der Teufel ein Trollev CD-Booklet in die Hand. Der Administrator blätterte hindurch. Auf einer Seite war die Ecke eingeknickt. Auf der Seite standen die Lyrics zu einem Song namens „Devil Is A Loser“. Trollev schloss das Booklet und warf einen Blick auf das Cover. Darauf waren fünf Wesen abgebildet, die zweifellos nicht nur Monster darstellen sollten, sondern auch Monster waren.

„In diesem Heft stehen auch die Namen dieser fünf Kreaturen. Ich konnte mit den Namen jedoch nichts anfangen, da meine Liste aller Monster dieser Welt auch in dem Buch steht, das gestohlen wurde. Doch DU solltest sie noch in deiner Datenbank haben, oder? Also finde heraus, wo die Typen sind, und zwar SCHNELL!!!“ Daraufhin verschwand Satan mit einem lauten Knall.

Trollev brauchte einen Moment, um sich vom Schock zu erholen. Doch dann griff er seine professionelle Art wieder auf: „Also, Leute, ihr habt den Boss gehört. Schlagt sofort im Monsterindex die Namen...“, er blätterte kurz, „...Kita, Enary, Kalma und Amen nach. Ich kümmere mich um Lordi.“ Er stürzte sich an den PC, plötzlich voll in seinem Element. Der Computer surrte leise, während er die Seite im Monsterindex vom Server aufrief:

 

Name:         Lordi

Index Nr:     0013

Klasse/Typus: Höllendämon

Machtstufe:   Omega

Status/Rang:  Ausgestoßen und gejagt(siehe unten)

 

Lordi wurde im Jahre 1992 nach menschlicher Zeitrechnung wegen antisatanistischer Praktiken aus der Hölle ausgestoßen. Seit der Gründung einer nach ihm benannten ketzerischen Sekte ist er der Höllenfeind Nr. 1. Sein Aufenthaltsort ist derzeit nicht bekannt, daher...

 

Trollev hatte nicht den Nerv dazu, die zwei Seiten durchzulesen, die darauf folgten. Stattdessen überflog er sie einfach. Am Ende der zweiten Seite standen ein paar Links zu anderen Sektenmitgliedern:

 

Amen

Enary

Kita

Kalma

 

„Leute, ich hab sie alle gefunden, wir sind soweit fertig!“, rief der Dämon durch den Raum. Er schlug das CD-Booklet auf der Seite auf, auf der Lordi seine Special Thanks verewigt hatte. „Na warte, Lordilein, wir kriegen dich, warts nur a...“ Er verstummte. Gerade war ihm das Bild in der unteren rechten Ecke der Seite aufgefallen. Dort war eine Art mechanische Kreatur abgebildet, darunter stand geschrieben: „For Magnum“. Trollev stockte. „Wartet mal kurz“, rief er, „ich glaub, ich hab hier was gefunden!“ Er suchte in der Datenbank nach dem Namen – und tatsächlich wurde er fündig:

 

Name:         Magnum

Index Nr:     [Eintrag nach Exekution gelöscht]

Klasse/Typus: [Eintrag nach Exekution gelöscht]

Machtstufe:   [Eintrag nach Exekution gelöscht]

Status/Rang:  Tot

 

Magnum wurde im Jahre 2002 wegen Mitgliedschaft in der Sekte „Lordi“, die als ketzerisch klassifiziert und daher verboten ist, gefangengenommen und exekut

 

Doch weiter kam er nicht, denn in diesem Moment schloss sich das Fenster von selbst. Leicht irritiert gab er den Suchbegriff erneut ein – und traute seinen elf Augen nicht:

 

Error 404: Datei wurde nicht gefunden.

 

Trollev gab „Lordi“ ein.

 

Error 404: Datei wurde nicht gefunden.

 

Der Administrator fing an zu schwitzen. Irgendwer oder irgendwas löschte die Dateien. Doch Trollev würde schon noch rausfinden, wer... wozu gab es schließlich die Log-Datei...

 

Error 404: Datei wurde nicht gefunden.

 

Die Log-Datei also auch noch. Aber das konnte doch nicht sein! Nur er als Administrator hatte die Berechtigung, Dateien zu löschen! Und da wurde es ihm klar: Der Hacker griff über SEINEN Account auf die Daten zu! Trollev musste sich schnell ausloggen! Seine Krallen flogen förmlich über die Tastatur. Doch kaum hatte er den Anmeldebildschirm erreicht, wusste er, dass der Hacker einen Schritt weiter war. Denn der Dämon, der vorhin Probleme gehabt hatte, schien jetzt wieder eins zu haben... und diesmal war weder das Betriebssystem schuld noch seine Inkompetenz:

„Das Monsterindex-Fenster hat sich grad plötzlich geschlossen, und jetzt kann ichs nicht mehr öffnen!“ Doch er war mit dem Problem nicht allein; auch die anderen drei Mitarbeiter bekundeten dasselbe Problem. Trollev musste sich wieder einloggen – und zwar schnell.

 

Incorrect password

 

Er musste sich in der Eile vertippt haben. Eilig gab er sein Passwort erneut ein:

 

Incorrect password

 

Der Hacker musste es geändert haben – es gab keine andere Erklärung. Doch schon erschien der nächste Schrecken auf dem Bildschirm:

 

Hacking your Server... 35%

 

Und die Prozentzahl stieg schnell. ZU schnell. „REISST EURE NETZWERKKABEL RAUS! SOFORT!!!“ Mit diesen Worten riss er sein eigenes heraus. Doch schon war der nächste Ladebalken erschienen:

 

Deleting all your files... 17%

 

Dieser Ladebalken füllte sich – dem Teufel sei Dank – etwas langsamer auf. Aber nur etwas. Ein weiteres Kabel wurde geräuschvoll herausgerissen. 28%. Ein weiteres. Schon 42%. Das dritte Kabel flog aus der Halterung. 63%.

Der inkompetente Dämon sagte zögerlich: „Welches war noch gleich das Netzwer...“ Doch der Administrator war schon auf seinen reptilischen Beinen herübergesprungen und hatte das Kabel brutal entfernt. Erleichtert kehrte er zu seinem Rechner zurück. Der Balken stand schon bei 90%. Das war knapp gewesen. Doch Moment... soeben war die Zahl auf 91% angestiegen... und nun war sie schon bei 92%... langsamer als vorher, aber stetig stieg der Prozentsatz der 100 entgegen. Doch wie war das möglich? Doch nicht etwa... nein, das war ein absolut absurder Gedanke. NIEMAND konnte über die Stromversorgung auf Daten zugreifen...

 

Hacking your Server... 100%

 

Der Bildschirm wurde schwarz. Alle anderen Bildschirme im Raum taten dasselbe. Und einen Moment später erschien auf allen Monitoren die folgende Nachricht

 

U  R  2  L8 Greetings, Magnum

 

Trollev rannte zum Serverschrank und schloss ihn panisch auf. Vom Server war nur ein Häufchen Asche übrig.

 

©2006 Aeneath