Lordi – return of the monsters – Teil 1 –

 

Was war geschehen?? Wo war er? Langsam kehrte nach seinem Schlaf Gefühl in seine Glieder zurück und damit kamen auch vage Erinnerungen wieder auf. Amenes versuchte sich zu bewegen, doch es gelang ihm kaum, er schien irgendwie festgehalten zu werden. Auch viel sehen konnte er nicht, obwohl er genügend lang in der Dunkelheit bei Bewusstsein gewesen war, so dass seine Augen sich doch daran gewöhnt haben müssten…doch da waren immer noch diese wilden, verzerrten Bilder und Gedanken in seinem Kopf, so dass sich Amenes in seiner momentan ohnehin ausweglosen Situation erstmal dazu entschloss, die Augen gleich wieder zu schließen. Er musste sich einfach daran erinnern was genau geschehen war, vielleicht konnte ihm das weiter helfen und vielleicht konnten geschlossene Augen helfen genau das zu ergründen.

 

   Er lag einige Zeit regungslos und atemlos da….dann plötzlich begannen die Schleier vor seinem inneren Auge sich langsam zu klären, immer weiter drang er in sein Innerstes vor und durch die Dunkelheit seiner Verwirrung fiel auf einmal gleißendes Sonnenlicht. Obwohl dies nur in seinem Geiste geschah, zuckte Amenes kurz zusammen und hatte das Gefühl seine geschlossenen Augen zusammen kneifen zu müssen. Er spürte die heiße Sonne auf seiner braunen Haut und sein kahler Schädel begann sich aufzuheizen; trotzdem fühlte er sich sicher und wohl. Sein Blick glitt über eine weite, gelb schimmernde Ebene, die bis zum Horizont zu reichen schien und bis auf einige seichte Hügel makellos erschien. In der Ferne zu seiner Linken drangen mächtige, felsige Berge empor, deren graue Oberflächen in der Hitze flimmerten.

   Zu hause….ein tiefes Seufzen ergriff seinen ganzen Körper und trotz der Gefahr die überall zu lauern schien hatte er keine Angst. Vor was sollte er auch Angst haben?! Er war hier hinaus in die Wüste gekommen, um den letzten von ihm verlangten Schritt zu gehen und endlich seinem Vater auf den Thron folgen zu können. Er war die letzte Hoffnung Unterägyptens. Wenn er diese Prüfung nicht bestand, drohte dem Reich große Gefahr, denn Merth, der Herrscher Oberägyptens wartete förmlich nur darauf mit seinen Truppen den Nil entlang heraufzuziehen und den jungen schwachen König zu schlagen.

   Überhaupt hatte seine arme Mutter sich das alles nur ausgedacht, weil sie nicht wollte dass all ihre Reichtümer und die Ehre ihres Geschlechts in den barbarischen Händen Merths zerquetscht werden würden, nur weil die Tradition verlangte, dass er, der Sohn des Pharao seinem ermordeten Vater auf den Thron folgen sollte und seine Mutter ihn in seinem jungen Alter viel zu unerfahren fand. Ohnehin war seit dem Tod des Pharaos schon viel zu viel Zeit vergangen und das Reich war ohne klare Führung gewesen. Bald würde Merth davon erfahren und seine Chance wittern….

   So saß er jetzt mit seinem jungen Freund mehr oder weniger mitten in der Wüste mit nichts anderem als ein paar wenigen Wasserschläuchen, die man ihnen mitgegeben hatte und ihren nötigsten Waffen. Sie waren mit einer Karawane von Dromedarführern und Händlern und mit verbundenen Augen irgendwo in die Wüste gebracht worden und nun sollten sie alleine wieder nach hause kommen. Sie waren bereits zwei Tage herum geirrt und ihr Wasservorrat schmolz am heutigen dritten Tag langsam aber sicher vor sich hin. Amenes war am ersten Tag noch zurückhaltend hinter Kenofer hergelaufen, der als Schüler des Kap schon einmal eine ähnliche Prüfung abgelegt hatte und immerhin noch lebte. Jetzt war er langsam sicherer aber auch ungeduldiger. Ihm wurde klar: wenn sie nicht spätestens am morgen die Zivilisation erreichen würden, wären sie verloren und der Tod in der Wüste würde kein schöner oder gnädiger werden. Er rief Kenofer zu, er solle sich beeilen und lief einen seichten Sandhügel hinab. Seiner Ausdauer vor allem bei der Hitze hatte der „Ausflug“ bis jetzt sehr gut getan und er lief mit leichtem Atem weiter. Auch Kenofer war in vorzüglicher körperlicher Verfassung und er lief im leicht nach….an ihren schmalen jedoch muskulösen Schultern baumelte die wenige Habe die sie mit sich trugen. Beide trugen einen Lendenschurz, wobei Kenofer die Farbe des Kaps trug als Zeichen seiner Würden. Und noch war Amenes nicht der Pharao, so dass auch ihm etwas Besonderes zustehen würde; er war zwar feiner gekleidet als die meisten Bürger seines zukünftigen Reiches, aber nur die Schüler des Kap durften diese besondere Art des weißen Schurzes tragen.

   Sie liefen den ganzen restlichen Tag bis auf einige kurze Pausen, immer in die gleiche Richtung und immer mit gutem Tempo. Amenes hatte den Eindruck sie kämen gut voran und er wäre auch die Nacht hindurch gelaufen, hätte Kenofer ihn nicht weise gezügelt. Es war zwar nichts dagegen einzuwenden, in der Nacht noch etwas Weg zu machen, weil es viel kühler war, doch es war auch wichtig sich auszuruhen. Den zukünftigen Pharao beschlichen allerdings ungute Gefühle. Er konnte sich nicht erklären warum, aber seit dem Sonnenuntergang hatte er eine dunkle Ahnung – von was konnte er nicht sagen. Er musste an seine wunderschöne Schwester und an seine arme Mutter denken, die immer noch trauerte. Und er musste einfach weiter! Verflucht, warum musste Kenofer immer Recht haben, das sah er ja ein.

   So führten sie ihren Weg erst am nächsten Morgen in aller Frühe fort, noch bevor das erste Licht Res die noch kühle Erde berührte und wärmen konnte. Kenofer ging nun voran, er schien eine Ahnung von der Heimat zu haben und auch Amenes hatte das Gefühl die vom Nil erfrischte Luft schon riechen zu können. Ihre Schritte wurden durch diese Hoffnungen und Ahnungen beflügelt und so liefen sie schon fast wieder über den gröber werdenden Sand, der sich zeitweise mit kleinen Kieseln vermischte, welche unter ihren Sandalen weg rutschten. Amenes fiel in eine Art Trott, er schaute zu Boden, um nicht zu stolpern, hing seinen Gedanken an seine Familie nach und bemerkte kaum, wie die Sonne aufging. Als Res Barke schon deutlich am Himmel stand, lief er fast gegen Kenofer, der plötzlich stehen geblieben war. „Schau doch!“ Kenofers lange Finger deuteten zum westlichen Horizont, wo auch Amenes die eckige Silhouette einer Stadt erkennen konnte. Sie war vielleicht noch einen halben Tagesmarsch entfernt, wenn die Wüste und sein Geist ihn nicht täuschten – leicht zu erreichen für zwei junge Männer wie sie es waren. „Komm,  lass uns einen Schritt zu legen. Ich will endlich meine neuen Würden und Pflichten in Empfang nehmen und die Deschret soll mein Haupt zieren, wie es mir gebührt.“ Kenofer musste sich ein Lachen verkneifen ob dieser hochtrabenden Bemerkung; auch wenn Amenes der zukünftige Pharao war und ihn dafür hätte töten lassen können, so war er doch auch sein Freund – sein bester Freund. Sie zogen also schnellen Schrittes weiter und es dauerte nicht lange bis die Stadt in der Ferne an Klarheit gewann. Sie konnten die Umrisse des Tempels bald wenn auch vage erkennen; sie konnten die niedrigen Bauten der bürgerlichen Häuser sehen und freuten sich schon auf kühle Bäder, reichhaltige Tafeln und einen überschwänglichen Empfang; nach drei Tagen in der Wüste hatten sie nicht nur zu wenig Schlaf und zu wenig Wasser bekommen, sondern sie hatten auch das dringende Bedürfnis andere Menschen zu sehen.

 

   Als sie nur noch einige Schritte entfernt waren, kam Amenes die Sache langsam merkwürdig vor. Irgendwas war hier komisch und er fand es ganz und gar nicht normal, dass er niemand auf den Strassen erkennen konnte. War alles doch eine Fatahmorgana?? Nein das konnte nicht sein. Plötzlich kam leichter Wind auf und er kam aus der Richtung der Stadt. Kenofer blieb stehen; er schaute sich besorgt zu Amenes um und hielt seinen Blick fest. „Da stimmt was nicht“ flüsterte er beinah mit relativ fester Stimme. „Dann lass uns nachsehen, was es ist!“ sagte Amenes in seiner wie immer unbeschwerten Art. Dem Sohn des Pharaos würde schon keiner ein Haar krümmen. Als sie in die Stadt kamen, bestätigte sich ihr schlechtes Gefühl. Die Häuser und Strassen waren verlassen. Es war auch kein Vieh oder Geflügel zu sehen, alles war einfach totenstill. Sie liefen weiter und schauten in einige Häuser und Innenhöfe, die Amenes das Blut in den Adern gefrieren ließen. Was war hier nur geschehen?? Hoffentlich war seiner Mutternichts geschehen….und Berith, seiner Schwester. Der junge Pharao war schon oft in dieser Gegend gewesen, er kannte diese Strassen und Gassen, denn sie befanden sich in einem kleinen Vorort von Memphis. Doch so hatte er diesen Ort noch nie gesehen. War das Merths Werk? Waren sie zu langsam gewesen; die politischen Entscheidungen zu träge und der Herrscher schon längst mit seinen Truppen über Unterägyptens Städte hinweg gezogen? Doch was für eine Armee hatte der dann wohl bei sich? Fragen über Fragen, die sich in Amenes’ Kopf überschlugen während sein Blick über die blutüberströmten Lager flüchtete. Überall wo sie hineinschauten war nur Blut, keine Leichen von denen dies stammen konnte. Etwas Abwechslung bot Gewebe und breiiges Fleisch, was an den Wänden und Decken klebte.

   Amenes wollte sich nicht weiter Gedanken machen, er wollte nach seiner Familie sehen. Sein Diener schien dies zu spüren; nach einem langen Blick den sie wechselten liefen sie schnell weiter Richtung Memphis, der junge Pharao voraus. Plötzlich hörte er nur noch seine eigenen Sandalen im groben Sand und als er sich umdrehte, war sein Gefährte weg. Einfach verschwunden! Hatte nicht mal geschrieen, denn Kenofer musste etwas zugestoßen sein, da war sich Amenes sicher. Nie hatte er den Königssohn allein gelassen und nie hätte er es gewagt einfach zu gehen, ohne um Erlaubnis zu fragen. Noch als Amenes sich das alles überlegte und sich nachdenklich umschaute, geschah das für ihn Unfassbare.

  

   Bei dieser Erinnerung riss er die Augen auf und mit ihnen seinen Mund. Ein grässlicher Schrei durchfuhr die Dunkelheit, so sehr schmerzte ihn die Tatsache, wie er alles verloren hatte. Und er war wütend! Er wollte hier nicht länger unbeweglich und starr sein, er wollte kämpfen. Amenes wollte Rache nehmen für das was man ihm angetan hatte und diese würde grausam sein. Wie oft war er in seinem dunklen Gefängnis halb wach geworden und träumte wilde Phantasien von Rache und Blut und berstenden Knochen und splitternden Schädeln….wie oft wünschte er sich die primitiven Waffen der Wüstenaufgabe nur für eine Sekunde zurück. Dies alles wurde ihm in diesem Moment des Schreies bewusst und er bekam eine Ahnung von der langen Zeit, die er hier verbracht hatte und er hatte so sehr keine Lust mehr. Wie ein großer Krampf löste sich seine Unbeweglichkeit mit einem Mal. Mit einer Explosion befreite er sich aus seiner Gruft, nasse Erde fiel auf sein Gesicht und er hielt modrige dicke Holzplanken in den Händen mit denen er in den Himmel lugte. Der Mond stand kühl und unnahbar über der Ebene und aus der Ferne war leise Musik und Gelächter zu vernehmen.

   Er spürte den Hass, den er für diese Menschen empfand und er spürte, dass er nicht alleine war…in seinem Geist riefen klare, süße Stimmen seinen Namen. Seinen Namen?? Er hörte genauer hin und konnte vier Wesen ausmachen, die auf ihn zu warten schienen, die ihn zu suchen schienen. „Aaameeen………“ flüsterte es in ihm und er wusste, dass das sein Name war. Sein neuer Name, mit dem er ein neues Leben und eine neue Herrschaft beginnen würde. Er würde jetzt der Pharao sein und die ganze Welt sollte ihm im Schrecken wenigstens ergeben sein.

 

(c) by Satura 2006