Lordi – return of the monsters – Teil2 –

 

Amen bewegte sich mühsam aus seinem feuchten Bett, seine Knochen schienen wie eingerostet und seine Muskeln taten merkwürdig weh. Er stand da in der kühlen Nachtluft und atmete tief durch. War das schön sich endlich wieder frei bewegen zu können! Er sah auf seine Hände hinunter nachdem er das modrige Holz fallen gelassen hatte und schrak ein wenig zurück. Dass er nicht mehr derselbe sein würde nach all diesen Zeiten hatte er sich ja denken können, aber dass es so um ihn bestellt war?! „Aaameeen…“ raunte es wieder durch seinen Kopf und die Stimmen gaben ihm gleich wieder ein besseres Gefühl. Sein Körper hatte sich schon sehr verändert seit er ihn das letzte Mal so richtig zu Gesicht bekommen hatte. Seine dunkelbraune ebene Haut hatte einen ungesunden fahlen Ton angenommen und sein früher eher schmaler Körper wirkte nun muskulös und voller Kraft. Überhaupt kam er sich ganz verändert vor und er schien das nicht mal schlimm zu finden – eher im Gegenteil es bereitete ihm ein besonderes Vergnügen.

   Und so machte er sich mit schweren plumpen Schritten in die Richtung auf, aus der er die Stimmen vernahm. Seine unförmigen Füße steckten immer noch in seinen vertrauten Sandalen, nur dass diese jetzt ihre besten Zeiten hinter sich hatten und eher an seinen Füßen hingen als diese zu schützen. So spürte er immer wieder den feinen Sand zwischen den Zehen.

   Als er dem nächtlichen Lager nah genug gekommen war um alles beobachten zu können, suchte er sich in einem ausgedörrten niedrigen Busch ein Versteck um nicht bemerkt zu werden und lauerte. Passte genau auf, was da geschah. Ein alter Mann saß an einem Feuerchen und spielte auf einer merkwürdigen kleinen Trommel. Dazu sang er in einer Sprache die Amen noch nie zuvor gehört hatte. Er lies seinen Blick weiter schweifen und sah auf der anderen Seite des Feuers zwei junge schöne Mädchen barfüßig miteinander tanzen. Im Takt der Trommel wiegten sie sich hin und her und ließen ihre langen Arme durch die Luft gleiten. Hinter ihnen saßen im Halbschatten der Nacht drei ältere Frauen und ein junger Mann die miteinander lachten und sprachen.

   Ekel überkam Amen bei diesem Anblick. Er musste an seine Familie denken, vor allem an seine Schwester. Seit er die Stadt verlassen hatte um seine Prüfung in der Wüste abzulegen, hatte er sie nicht mehr gesehen. Auch nie in seinem Geiste gespürt als er die langen Jahre in seiner engen Gruft verborgen lag. Er konnte nicht erklären warum, aber in seinem Inneren begann ein Feuer zu lodern und heiße Wut stieg in ihm auf. Er konnte sich nicht länger hier verbergen und mit einem furcht erregenden tiefen Grollen sprang er aus seiner Deckung hervor. Blitzschnell packte er mit seinen Klauen den alten Mann um diese furchtbare Musik abzustellen. Und schnell wurde sein Wunsch erfüllt. Alle anderen aus der Gesellschaft standen fassungslos und ängstlich da, niemand konnte sich bewegen und sie waren starr vor Angst. Eines der Mädchen begann zu weinen und zu schreien und lief aus dem Lager fort. Amen musste sich ein fieses Lächeln verkneifen. Er hätte nicht gedacht, dass es so lustig werden würde. Bevor sich die anderen wieder regen konnten, musste er schnell handeln und fegte durch das Feuer auf die andere Seite zu den Frauen. Eine packte er gleich und warf sie ins Feuer. Ihre Kleider und Gewänder fingen selbiges und schreiend und flehend wand sie sich auf dem Wüstenboden um die Flammen zu ersticken. Doch irgendwann verlor sie jegliches Bewusstsein und verbrannte leise und in aller Ruhe. Während dessen hatte Amen sich die anderen Frauen schon vorgenommen und war mit ihnen in ähnlicher Manier verfahren, wie mit dem alten Mann. Hatten sie sich eben noch heftig gewehrt und dabei gekeucht und nach Luft geschnappt, so lagen sie jetzt in bizarrer Stellung am Boden und regten sich gar nicht mehr.

   Das Mädchen aber, welches völlig regungslos am Feuer gestanden hatte und alles mit angesehen hatte, das wollte er nicht. Er ging auf es zu und in ihren dunklen klaren Augen konnte er nichts als Angst sehen und Entsetzten. Wahrlich war er wohl nicht mehr der Schönste und wohl auch nicht besonders nett gewesen, aber irgendwas hatte in ihm danach verlangt, das zu tun. Ja, und er fühlte sich jetzt wirklich besser. Er legte seine fahle Hand an ihr Gesicht und fühlte ihre Tränen, dabei zuckte sie leicht zurück. Aus Angst? Aus Ekel? Er wusste es nicht. Wortlos drehte er sich um und ging in die Dunkelheit zurück wo er her gekommen war. Und für lange zeit wollte er so weiter gehen und nicht stehen bleiben. Jetzt wo Stille um ihn herum eingekehrt war, konnte er auch wieder die zärtlichen Stimmen hören, die seinen Namen riefen. „Ich bin auf dem Weg zu euch, meine Gefährten. Bald werden wir vereint sein….“ Ein dunkles Lächeln lag bei diesen Gedanken auf seinem Gesicht. Er freute sich schon so sehr darauf endlich nicht mehr alleine zu sein.

 

Amen war lange Zeit so weiter gewandert und dabei hatte er immer wieder die Rufe vernommen. Eine Stimme schien dabei immer präsenter zu werden und sie animierte ihn nicht aufzugeben. Es war die einzige weibliche Stimme und er spürte dass die Kreatur der sie gehörte nicht mehr weit von ihm war. Es wurde Tag und es wurde Nacht, doch seine Kraft lies nicht nach, er konnte immer weiter, egal ob es heiß am Tage war oder kühl in der Nacht. Wenn seine Mutter ihn nur so sehen könnte…ob sie stolz auf ihren starken Sohn wäre? Amen konnte bald die Tage nicht mehr zählen, die er so verbracht hatte. Nur wenige Menschen hatten seinen Weg gekreuzt, aber wenn dies geschah, überkam ihn die gleiche Wut wie in dem Nachtlager, welches er nach seiner Auferstehung besucht hatte. Und immer waren die Ergebnisse solcher Begegnungen sehr ähnlich. Aufgelöste schreiende Menschen, die vor ihm die Flucht zu ergreifen versuchen, oder starr vor Angst einfach zuließen, was er mit ihnen vorhatte. Und er, wie im Blutrausch, verspürte nicht eher Ruhe einkehren bis die Körper in Einzelteile zerlegt waren, oder seine Opfer wegen zu großem Blutverlust das Bewusstsein verloren und ihn nicht mehr reizten.

   Endlich wurde die Eintönigkeit der Wüste immer wieder durch Felsen aufgelockert und die Anzahl der Pflanzen nahm stetig zu. Irgendwann erblickte er in einer Nacht einen Zypressenwald, dessen Ende er nicht absehen konnte und er beschloss etwas Ruhe einkehren zu lassen und sich im Unterholz etwas zu entspannen. Kurze Zeit nachdem er sein Lager bezogen hatte, war er in eine Art Trance gefallen und seine Gedanken wurden von dunklen Träumen durchwühlt und immer wieder erklangen die Stimmen in seinen Ohren. Über seinem bizarren Gesicht lag ein verträumtes Lächeln.

 

   „Hey…“Amen wollte seine Augen noch nicht öffnen auch wenn das Sonnenlicht durch das dichte Blätterwerk genau in sein rechtes Auge fiel und ihn blendete. Er wollte sich überhaupt noch nicht bewegen, war in seine jahrtausende gewohnte Starre gefallen und grunzte leicht beim einatmen.

„Endlich hab ich dich gefunden und du schnarchst hier rum!“ ein heftiger Tritt gegen seinen Oberschenkel lies ihn endlich die Augen aufschlagen. Wer störte ihn da? Wer hatte so viel Mut und gar keine Angst vor ihm? Und überhaupt: warum verspürte er nicht diese Raserei und drehte dem Geschöpf gleich den Hals um?!

 

(c) satura 2006