Lordi – return of the monsters – Teil 3 –

 

   Amen versuchte gegen das Sonnenlicht etwas zu erkennen, doch das einzige was er ausmachen konnte, waren starre Umrisse eines Schattens. Das Etwas kniete sich hin, so dass er in sein Gesicht schauen konnte. Amen durchfuhr ein zarter Freudenschauer, denn was er da sah, konnte er kaum glauben. Ein Wesen, ihm gar nicht so unähnlich in seiner Erscheinung, welches ganz und gar weiß wirkte, schaute ihn mit starren schmalen Augen an und legte den Kopf dabei etwas zur Seite. „Hast Du nicht auch etwas gehört?? Ich habe nach Dir gerufen und nicht nur ich…..es scheint noch mehr von unserer Sorte zu geben und irgendwie hab ich das Gefühl, dass wir sie suchen sollten….Amen? Hörst Du mir überhaupt zu?“  Amen hatte schon irgendwie zugehört, aber seine Aufmerksamkeit war schon wieder auf etwas Neues gerichtet. Warum wusste dieses Wesen wer er war und kannte sogar seinen Namen? Warum konnten sie und die anderen Stimmen ihn rufen, er aber hatte nach niemandem gesucht? „Amen!! Hallo?“, eine bleiche Hand wedelte vor seinem Gesicht hin und her. „Ja…äh, ja ich hab zugehört. Aber ich versteh so einiges nicht. Wie sollen wir denn die anderen finden? Und warum?? Wer hat uns zu dem gemacht, was wir sind? Ach, und gibt es einen Grund dafür?“ zum ersten Mal seit seiner neuen Existenz fühlte er sich gar nicht mehr so sicher und stark; es gab einfach zu viele ungeklärte Fragen….und wie hinter einem Schleier verborgen lagen seine Erinnerungen an das, was ihn zu dem hier gemacht hatte. „Mmhh…“ machte das Wesen nachdenklich. Amen betrachtete es genauer und er fand es wunderschön. Der filigranen Figur nach zu urteilen und der süßen Stimme musste es sich hierbei eindeutig um eine Frau handeln, das war ihm schon mal klar. Auch ihre Kleidung wies eindeutig darauf hin, denn sie trug, auch wenn es sehr heiß war, einen langen ausladenden Rock. Langes schwarzes Haar fiel auf ihre Schultern und umrahmte das Gesicht mit den langen, spitzen, etwas faulen Zähnen. „Also, was mit Dir geschehen ist, kann ich kaum sagen, so ganz taufrisch siehst Du ja nicht mehr aus. Aber was mir passiert ist, weiß ich noch als wär’s gestern gewesen. Naja und was die anderen betrifft: nach wem wir genau suchen, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass es etwas wie einen Sog in mir gibt, was mich zu Euch allen zieht und so habe ich Dich auch gefunden – Du warst wie ein Magnet. Ich kenne nur die Namen die es in mir immer nach ihnen ruft.“ Amen horchte auf; diese Dame hatte die Namen also auch selbst nicht gewusst….

   Er versuchte in sein Unterbewusstsein hinab zu steigen, und es kam ihm vor wie in einer alten Grabkammer. Er konzentrierte sich und lauschte in sein inneres und durch die Stimmen die seinen Namen riefen, drang ganz leise seine Stimme an die Oberfläche, die ihre Namen rief….Ox….Kita…..Lordi. Er sah fest in die Schlangenaugen seiner neuen Gefährtin und flüsterte ihren Namen: „Awa….ja, Dein Name ist Awa. Ich hab ihn die ganze Zeit gewusst.“ Wortlos stand sie auf und ging ein Stück bis zu einer Anhöhe. Amen folgte ihr und lies sie keine Sekunde aus den Augen. Als er neben ihr stand bemerkte er in einiger Entfernung und im Flimmern der Hitze über der Weite vier Personen die auf sie zukamen. Sofort war er Feuer und Flamme für diesen Anblick. Jetzt würde es erst so richtig lustig werden, jetzt wo er eine Begleitung hatte. Er fühlte die Raserei in sich aufsteigen und lies sich darin fallen, doch als er losstürmen wollte, hielt Awa ihn am Arm zurück. „Hey, langsam. Was hast Du vor? Lass sie erst mal näher kommen und dann überlässt Du zwei von ihnen mir. Du tötest zum Spaß, ich hab wenigstens triftige Gründe dafür….“ Nachdenklich und traurig sah sie jetzt aus. Amen war wie vor den Kopf gestoßen und er sah sie mit großen Augen an. „Ach…und Du hast keinen Spaß daran, was? Wenn wir den gleichen Ursprung haben; und so etwas vermute ich, sonst würden wir uns nicht suchen; dann musst Du doch auch dieses unwiderstehliche Gefühl verspüren.“ Er wartete auf ihre Antwort. Awa überlegte kurz und sah ihn lächelnd an. „Naja, mein unwiderstehliches Gefühl basiert hauptsächlich auf Hunger. Ich brauche diese Menschen, um zu überleben, denn das was mich ausmacht ist wie ein Virus. Ich brauche ihr Blut um zu leben. Weißt Du denn nicht was ein Vampir ist??“ Amen formte das Wort mit seinem unvollständigen Unterkiefer nach. Nein, Vampir hatte er noch nie gehört und Awa sah es ihm an. „ach ist auch egal, Du siehst noch früh genug, was das bedeutet. Lass uns auf sie warten, sie werden schon nach hier kommen.“

   So warteten sie im Schatten einer großen Zypresse und die Männer kamen tatsächlich näher. Sie wollten wohl genau zu diesem Waldstück, in dem die beiden Monster sich versteckt hielten. Als sie nur noch einige Meter von ihnen entfernt waren, hielt sich Awa nicht mehr zurück. Amen hatte gedacht schnell zu sein, aber was dieses Wesen da veranstaltete, war schneller als alles was er je gesehen hatte. Und es machte auch Spaß ihr dabei zu zusehen und er wartete geduldig, was sie ihm übrig lassen würde. Die Vampirlady griff schnell an und beendete die Sache fast kurz und schmerzlos mit dem ersten Mann der ihr in die Finger kam. Sie war mit einem Mal hinter ihm und bog ihm den Hals nach hinten; ihre spitzen Zähne bohrten sich in die leicht gebräunte Haut und der Mann der eben noch versucht hatte zu schreien, brachte nur noch einen gurgelnden Laut hervor. Blut rann aus seinem Mund und als Awa fertig war, leckte sie ihm dieses auch noch von den Lippen. Die anderen Männer hatten eben erst bemerkt, dass ihr Freund nicht nachkam und schauten sich um; sehr gutes Timing für Awa, die in der nächsten Sekunde schon ihrem nächsten Opfer am Hals hing. Jetzt hatten nur leider die anderen alles mit angesehen und schickten sich an, schreiend weg zu laufen. Amen spürte, dass die beiden für ihn bestimmt waren und er freute sich auf seinen Auftritt. Er trat hinter dem Baum hervor und stellte sich ihnen in den Weg. Die beiden Männer waren so geschockt auf ein weiteres solches Wesen zu treffen, dass sie abrupt stehen blieben. Amen genoss ihre Angst und trat langsam auf sie zu. Er packte den ersten und drehte ihm ganz langsam und mit Genuss den Hals nach hinten bis es knackte. Er hob den Mann über seinen Kopf hoch in die Luft und schleuderte ihn auf den anderen mit aller Kraft. Dieser flog unter dem Gewicht des ersten gegen einen Baum und blieb regungslos liegen. Amen konnte riechen, dass er noch lebte, aber als er auf ihn zu kommen wollte, war Awa wie aus dem nichts aufgetaucht und hing gierig an dem Bewusstlosen, bis alle Farbe aus dessen Gesicht gewichen war.

   Kurze Zeit später saßen sie im Unterholz und sahen sich lange an. Keiner von ihnen wagte etwas zu sagen; in diesem Moment, den sie jetzt in völliger Ruhe miteinander teilten, hätte jedes Wort diese Zauberhafte Atmosphäre zerstört. Amen hing gleichzeitig seinen Gedanken über Awa’s Vampir-Dasein nach und fragte sich, wie man so werden konnte wie sie. Ihm gefiel der Gedanke sehr, sich so schnell bewegen zu können wie sie. Und sie hatte wenigstens noch einen kleinen Teil ihres alten Lebens behalten: sie hatte Hunger und stillte diesen auf diese Art. Er selbst brauchte keine Nahrung in dem Sinne…er hatte Hunger nach anderen Dingen. Nach scheinbar endlosen Augenblicken rückte Awa ein bisschen näher an den Pharao und begann mit leiser geheimnisvoller Stimme zu erzählen….

 

   „ich hab ja gesagt, ich erinnere mich als wär’s gestern gewesen, dass ich so wurde wie Du mich jetzt siehst. Und als es geschah war ich zwischen größter Angst und höchstem Glück hin und her gerissen. Ich wollte unsterblich sein und war mir nie klar darüber, welchen Preis ich dafür bezahle. Du scheinst wirklich lange geschlafen zu haben, denn in den letzen Jahrhunderten haben die Menschen oft mitbekommen, dass Vampire existieren und es entstanden die wildesten Gerüchte. Manche stimmen im Ansatz, manche kamen einfach mit der Tatsache auf, dass wir immer versucht haben unentdeckt zu bleiben. Aber da Du ein so herrlich unbeschriebenes Blatt bist, was das angeht, will ich Dich nur mit meiner Geschichte vertraut machen.“ Amen hatte ein merkwürdig gutes Gefühl die Vampirin so dicht bei sich zu haben und er war gespannt auf ihre Geschichte. Vielleicht konnte sie ihm helfen noch mehr über sich zu erfahren. Manches war ihm schon eingefallen, aber den letzten Sinn dahinter konnte er noch nicht erkennen.

 

(c) satura 2006