Lordi – return of the monsters – Teil 4 –

 

   “es war an einem kalten Wintermorgen in Venedig, der Stadt, in der ich fast mein ganzes Leben verbracht hatte. Ich kam nicht aus der ärmsten Familie und zu der Zeit war es selbstverständlich, dass man eines seiner Kinder ins Kloster schickte. Es hört sich vielleicht merkwürdig an, aber ich war nicht begeistert, dass mein ältester Bruder der dafür Auserwählte sein sollte. Ich hätte dort so viel lernen können und andere Gesichter gesehen. So war ich dazu bestimmt, zu hause mit meinen Eltern und jüngeren Geschwistern zu bleiben und irgendwann einen guten Mann zu heiraten und ihm eine gute Ehefrau zu werden.

   Ich hätte mir so viel anderes gewünscht, so viel mehr als das. Ich wollte nur weg von zu hause. An diesem besagten Morgen hatte ich mich früh weggeschlichen um den Tag alleine in dieser irgendwie doch wundervollen Stadt zu verbringen und von dem wenigen Geld, was ich für mich selbst hatte, auf dem Markt das ein oder andere zu kaufen. Mir war noch bevor ich losging schon klar, dass es wieder großen Ärger geben würde, wenn ich abends zurückkehren würde, aber das war mir egal. So lief ich durch die engen verschmutzen Gassen durchs Halbdunkel in Richtung des Marktes, als mich plötzlich jemand rückwärts in einen dunklen Hauseingang zog. Das war im Jahre 1428 und Martinus V. war schon lange Papst zu der Zeit gewesen. Ich hatte Angst und versuchte mich zu wehren und zu schreien, doch zu starke Arme hielten mich fest umklammert, so dass ich mich kaum rühren konnte und auch kaum Luft bekam. Meinen Angreifer konnte ich nicht erkennen; er stand hinter mir und ich spürte seinen kühlen Atem in meinem Nacken und an meinem Ohr und vernahm leise seine warme, weiche, flüsternde Stimme: „Ich kenne deinen Namen nicht und ich weiß nicht warum Du hier in der Stadt bist. Aber eins fühle ich deutlich: Du bist unglücklich. Wenn Du willst, kann ich Dich glücklich machen und das für immer. Und ich meine auch für immer. Willst Du zurückgehen und Dein altes Leben wieder haben, oder willst Du Dein neues mit anderen Augen sehen?“

   Ich weiß bis heute nicht warum, aber ich fühlte mich zu diesem Mann so sehr hingezogen und von ihm verstanden – ich wäre ihm überall hin gefolgt ohne zu wissen wen ich da hinter mir hatte. Kraftlos und aufgeregt zugleich nickte ich nur. Sein Griff löste sich etwas, er griff zur Tür und öffnete sie. Schnell zog er mich ins Haus, wo es dunkel und kühl war. Nur einige Kerzen erhellten den Raum und ihr seichtes Licht fiel auf sein Gesicht. Ich erschrak kurz, weil ich ihn mit einem Vampir in Verbindung brachte. Sein Gesicht war bleich und kantig und sein Kiefer wies Deformationen auf, die ich einem Vampir zuschrieb. Das sollte sein Geschenk sein? Das neue Leben? Ich versuchte mir darüber klar zu werden, ob ich das hier überhaupt wollte und kam zu dem schnellen Schluss, dass man solche Entscheidungen nicht so leicht treffen konnte, vor allem nicht, wenn es nichts als Gerüchte gab über diese Daseinsform. Ich glaube, er wollte grade damit beginnen, mir zu erklären worauf ich mich hier einließ, doch dazu kam es nicht mehr. Eine große dunkle Gestalt erschien wie aus dem Nichts im Raum, welche in eine schwarze Kutte gehüllt war. Ich konnte ohnehin nicht viel erkennen und ihr Gesicht wurde fast vollkommen verdeckt, doch als ich merkte, wie mein Begleiter Angst bekam, wurde ich verunsichert. Die schwarze Kutte kam ganz langsam auf ihn zu und packte ihn am Hals. Der mutmaßliche Vampir wehrte sich überhaupt nicht, starrte nur ungläubig auf den Dunklen und lies sich in aller Ruhe auf die Rückenlehne eines Holzstuhles aufspießen. Ich war starr vor Angst und drohte ohnmächtig zu werden; ich spürte, wie mir die Beine schwach wurden und sank zu Boden. Wie ein eisiger Luftzug schallte ein unheimliches Lachen durch den Raum und die Kutte kam auf mich zu und zerrte mich durch den Raum in Richtung des Stuhls. Er lies mich kurz davor fallen und im nächsten Moment spürte ich ein Messer an meiner Brust und dann einen leichten Schmerz, welcher immer stärker wurde und von dem mich die Bewusstlosigkeit befreite. Als ich wieder zu mir kam, war der Schwarze damit beschäftigt, sich merkwürdigerweise um mich zu kümmern und gab mir etwas zu trinken. Ich hob den Kopf und kam dem Becher entgegen den er an meine Lippen hielt. „Jaa…trink nur meine Schöne…dann wirst Du mein Kind und die Welt wird Dir zu Füßen liegen. Ornis war sowieso zu schwach für die Vereinigung der fünf. Jetzt bist Du die, die alles wenden wird.“ Ich verstand kein Wort. Ich hatte die Vermutung, dass Ornis wohl mein jetzt toter Begleiter war, aber wer zum Teufel waren die Fünf?? Ich fühle mir jedem kleinen Schluck, wie neues Leben in meine Glieder kam und den Stich spürte ich nicht mehr. Mein Blick wurde merkwürdig klar; obwohl es eher dunkel im Zimmer gewesen war, konnte ich alle Details genau erkennen. Der Dunkle schüttete immer noch den Inhalt des Bechers in mich hinein, doch ich wollte nicht mehr. Alles kam mir merkwürdig vor und ich wollte mich genauer mit mir beschäftigen. Ich schlug leicht gegen den Becher und mit ungeahnter Wucht flog er durch den Raum und zu Boden, sein Inhalt ergoss sich dunkelrot über den Steinboden und ich schrak zurück. War das Blut?? Hatte der Dunkle mir meine Entscheidung genommen? Was wurde hier gespielt und warum ich? Als er erkannte, was in mir vorging verschwand er im Nichts wie er gekommen war und dass mir furchtbarem Gelächter. Und ich saß da und betastete die Wunde, die er mir beigebracht hatte…..es war nichts zu fühlen und ich fühlte mich seltsam stark und gut. Ich stand auf um im alten Venedig mein neues Leben zu erproben, ich öffnete die Tür und trat in die Morgendämmerung. Ich wusste nichts über das, was jetzt kommen würde. Ich wusste nur, dass ich jetzt auch zu den Vampiren gehören musste und das ab jetzt Blut mein Grundnahrungsmittel sein sollte. Und das ich meine Familie, so wie es einmal gewesen war nicht mehr wieder sehen würde.“

 

Awa machte eine Kunstpause und schaute zu Amen. Der saß einfach da und hatte ihr gespannt gelauscht. An der Stelle, an der Awa den schwarzen Kuttenmann erwähnte, hatte sie gesehen wie Amen einen merkwürdigen Blich bekommen hatte und sie hatte das Gefühl etwas angesprochen zu haben, was auch Amen nicht so unbekannt war. „Die ca. 600 Jahre bis heute habe ich mit mehr oder weniger großem Vampir-Erfolg verbracht. Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, einsam zu sein und mich vor den Menschen zu verstecken und die restliche Zeit damit sie zu suchen und an ihnen meinen durst zu stillen. Naja und seit einigen Wochen jetzt schon habe ich Euch meinen Namen rufen gehört und seit 600 Jahren ist mir zum ersten Mal halbwegs klar, wen mein Schöpfer damals gemeint hat. Wir sind die ersten beiden Gestalten der fünf die sich gefunden haben. Und was immer er mit oder durch uns vorhat – nachdem ich Dich jetzt genauer kennen gelernt hab, weiß ich, dass es möglich ist durch uns die Welt zu verändern und ich glaube nicht zum Guten.“ Amen rauchte der Kopf, diese ganzen Jahreszahlen hatten ihn völlig durcheinander gebracht und er konnte nichts damit anfangen. Er hatte gehofft durch Awa’s Geschichte zu erfahren, wie lange er geschlafen hatte, doch das alles half ihm wenig.

 

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