Lordi – return of the monsters – Teil 5 –

 

Kita staunte nicht schlecht, als er die Augen öffnete. Er konnte sich keinen Millimeter bewegen und die Umgebung in der er sich befand, kam ihm völlig irreal vor. Er lies ein giftiges Knurren von sich und versuchte sich von den Ketten zu befreien, doch es gelang ihm nicht. Er zog damit nur die Aufmerksamkeit seines Peinigers auf sich. „Ah, mein Lieblingsmonster ist endlich wach geworden! Na, mein Schöner…hast Du die Reise gut überstanden?“ Kita verstand gar nichts, wo war er denn bitte? Und was sollte er hier? Leider konnte er seinen Kopf kaum drehen, um zu sehen wer da sprach und wenn er ihn gesehen hätte – er hätte seine Züge auswendig gelernt und den Idioten, der sich mit ihm angelegt hatte irgendwann kalt gemacht. Egal wie!

   „Es war ein langer Weg, Dich hier her zu bringen und glaub mir, es war nicht einfach das alles geheim zu halten. Doch du bist genau zum richtigen Zeitpunkt aufgewacht, in wenigen Minuten beginnt der spannende Teil unserer Reise und ich bin sicher, der Herr wird uns gleich in Empfang nehmen und mich reichlich belohnen, wenn er Dich sieht, da bin ich sicher.“ Kita schaute den Mann immer noch grimmig an. Wie war es dieser halben Portion überhaupt gelungen ihm das Bewusstsein zu nehmen und ihn hierher zu verschleppen?? Er versuchte sich an Details zu erinnern, aber es gelang ihm nicht. War eigentlich auch egal; jetzt hatte er einen Grund sich an jemandem zu rächen. Mit einem Mal begann alles um ihn leicht zu vibrieren und es war ein lauteres Grollen von draußen zu hören. Der Mann lies Kita wissen, dass der Landeanflug eingeleitet worden war und dass sie in ein paar Minuten auf der Erde sein würden. Die Erde? Kita wusste jetzt ungefähr was hier lief; der Typ hatte ihn von seinem Heimatplaneten anscheinend entführt und hatte ihn hierher gebracht, denn von einem Planeten namens Erde hatte er schon mal gehört. Also stimmten die Gerüchte, die es in seiner Heimat gab und auf der Erde gab es tatsächlich Leben. Schade, dass seine Kumpels das nicht wussten, man hätte hier gewiss viel Spaß zusammen haben können, wenn alle Bewohner so schwächlich waren, wie dieser hier aussah.

   Einige Minuten später setzte das Shuttle mit einem sanften Ruck auf und das Geräusch der Triebwerke verstummte schnell. Das Manbeast wurde mit samt der Unterlage auf der es sich befand Rollenderweise ausgeladen, wobei es sich heftig wehrte. Er knurrte und fauchte die Umstehenden an und soweit er sich bewegen konnte, riss er an seinen Ketten wie er nur konnte. Bei manchen Anwesenden zeigte sein Benehmen auch durchaus Wirkung: einige wendeten sich angewidert ab, andere zuckten zurück, wenn Kita ihnen zu nahe kam. Man brachte ihn durch eine große hohe Halle hindurch und mit einem Aufzug zwei Stockwerke tiefer. In einem dunklen Raum stellte man ihn ab und lies ihn allein zurück. In der Stille liegend fielen Kita plötzlich Stimmen auf, die leise seinen Namen riefen. Sie kamen ihm irgendwie bekannt vor und sagten ihm auf der anderen Seite doch nichts. Er blieb still liegen und versuchte eine Richtung auszumachen aus der sie kommen könnten, doch erst nach einigen Minuten wurde ihm klar, dass diese Stimmen in seinem Kopf sein mussten. Kita entspannte sich und ließ einen langen knurrigen Seufzer ins Dunkel. Was ging hier nur vor sich?!

 

   Ox lag in einer feuchten Ecke und schnarchte. Seit Wochen lagen ihm diese Stimmen im Ohr, die ihn mittlerweile halb wahnsinnig gemacht hatten, wenn er es nicht schon von Natur aus gewesen wäre. Überhaupt war sein Leben nicht mehr das was es früher einmal war. Damals hatte man noch in den Gassen herumstreifen können und sich zum Vergnügen alles nehmen können, was man wollte. Die Menschen hatten Angst gehabt und so mancher junger Mann hatte auf einem Abendspaziergang seine zierliche Verlobte in Panik einfach ganz vergessen und stehen gelassen, wenn Ox sich ihnen genähert hatte. Das waren noch Zeiten, als er diese zappelnd mit in seine Gemächer genommen hatte, um mit ihnen zu spielen…eine Nacht, vielleicht auch mehr als das. Doch jetzt, da er auch seinen Bruder aus den Augen verloren hatte hier oben und die Menschen ihn nur noch für einen verrückten Freak in Maske und Kostüm hielten, hatte er keine Lust mehr draußen herum zustreifen.

   Die Stimmen, die er vernahm jedoch ließen in ihm neue Hoffnungen aufkeimen. Ja, er hatte wirklich das Gefühl, es könnten die alten Zeiten bald wieder hereinbrechen und er würde endlich wieder Spaß an seinem dämonischen Leben haben. Seit ewigen Zeiten streifte er nun auf der Erde herum und hatte immer ein großes und stolzes Leben geführt. Es hatte sogar Zeiten gegeben, da hatten die Menschen ihn für eine Art Gott gehalten und hatten versucht ihn mit Opfergaben zu besänftigen, so dass er die prächtigsten Gemächer in der Gegend bezogen hatte. Jetzt lebte er in einer alten verwitterten Gruft am Rande des alten Friedhofes und vegetierte nur noch vor sich hin. Wie lange schon oder wie lange noch – das hätte Ox nicht sagen können. Er folgte seinem Gefühl und das sagte ihm: Bleib liegen, Junge.

 

   Awa und Amen hatten sich weiter auf den Weg gemacht, wobei Awa die Führung übernommen hatte. Sie kannte sich einigermaßen aus in der modernen Welt und zeigte Amen, wie man unentdeckt bleiben konnte und trotzdem seinen Spaß haben konnte. Sie hatten nur wenige Menschen auf ihrem Weg angegriffen; eigentlich immer nur dann, wenn Awa wieder ihren Blutdurst stillen musste. Amen bekam sich immer häufiger in den Griff, wobei er anfangs echte Probleme hatte, seinen Gefühlen zu widerstehen. So kamen sie weitestgehend unerkannt voran, bis sie das Meer erreichten. Sie stahlen sich auf ein Frachtschiff was am Hafen lag und folgten weiter den Stimmen bis nach Frankreich. Es gab auch für Amen jetzt keinen Zweifel mehr: seit er die letzten Wochen mit Awa  zusammen unterwegs gewesen war, waren einige von ihnen immer lauter und deutlicher geworden. Nur eine blieb gleichmäßig und geheimnisvoll im Hintergrund.

   Endlich kamen sie in das kleine, alte Städtchen Béziers wo sie einem Ruf ganz klar folgen konnten. Er führte sie auf den Friedhof und Amen spürte das Gefühl, welches Awa ihm bei ihrem ersten Treffen geschildert hatte; eine Gruft schien ihn magnetisch anzuziehen und zog auch Awa in ihren Bann. Als sie endlich davor standen, sahen sie sich kurz an und beschlossen hineinzugehen. Mit einem leisen Knarren öffnete sich die Holztür, die die Grabkammer verschloss. Sie war vor langer Zeit mal mit einem Schloss gesichert gewesen, doch das hatte der Zahn der Zeit langsam abgenagt und jetzt hing der metallene Beschlag lose an einer Schraube vom Holz. Awa ging die grün bewachsenen glitschig-feuchten Stufen als erste hinunter; der Pharao folgte ihr dichtauf. Im Halbdunkeln sah man an der gegenüberliegenden Wand große schwere Steinsärge, vier Stück an der Zahl, in der wohl die Familie vor sich hin verweste. Amen fühlte sich an sein eigenes Grab erinnert und versuchte diesen Gedanken möglichst schnell abzuschütteln. Er würde ihn nur wieder zu seinem Beginn als Untoter bringen und damit wollte er sich im Moment nicht auseinandersetzten. Trotzdem tauchte vor seinem Inneren Auge das Gesicht seines alten Freundes Kenofer auf.

   Awa war mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Sie hatte in einer Ecke den Ursprung der intensivsten Stimme entdeckt und lächelte leise vor sich hin. Wenn das hier die Entstehung der fünf war, dann waren seine bisherigen Mitglieder nicht sehr aufgeweckt. Zumindest traf sie sie immer schlafend an anscheinend. Sie trat vor den Bulltaurus und trat ihn leicht in die Seite… „Hey Amen….träum nicht rum, komm lieber her und sieh wenn ich gefunden habe.“ Amen befreite sich von seinen jahrtausende alten Gedanken und trat neben Awa. Zu seinen Füßen drehte sich gerade ein merkwürdiges Wesen auf die andere Seite. Awa kniete sich neben das wesen und flüsterte mit süßer Stimme an seinem Ohr. „Hey….aufwachen. OX…ich weiß dass Du mich hörst. Wenn du wieder was erleben willst, dann solltest Du jetzt besser aufstehen.“

 

   Ox schrak hoch, drehte sich blitzschnell um und in der nächsten Sekunde hatte er eine zierliche Lady am Hals gepackt. Sein Gesicht war nur Zentimeter von ihrem entfernt, doch sie lächelte weiter und verzog keine Miene. Ox ließ sie wieder los und kratze sich. Ihm fiel auf, dass in seinem Kopf beruhigende Stille herrschte. Zwei Stimmen waren verloschen, denn ihre Besitzer schienen vor ihm zu stehen und sie sahen fast so aus, als würden sich seine Hoffnungen bestätigen. „Und jetzt?“ fragte Amen knapp. Die drei sahen sich lange und wortlos an….allen schien klar, was zu tun war. Sie mussten noch zwei weitere Monster finden, um den Plan zu erfüllen. Doch was der Plan war, wussten sie nicht genau.

 

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