Unter einem Dach mit Monstern:

 

Ben Miller war ein Pechvogel. Egal was er anpackte, er konnte sich darauf verlassen, dass es in die Hose ging. So war es bei seiner Ehe, seinem Job und dem neuen Haus. Seine Frau hatte ihn nach 5 Jahren Ehe von heute auf gleich verlassen, die Firma, in der er schon seine Lehrzeit verbracht hatte, hatte ihn nach beinahe 20 Jahren vor die Tür gesetzt und das neue Haus erwies sich als Bruchbude.
Das einzige Glück, das das Leben ihm gönnte, war sein 5-jähriges Töchterchen Greta. Sie war bei ihrem Vater geblieben, als ihre Mutter plötzlich auf dem Karriere-Trip war.


Als die beiden das neue Haus, eine alte Villa auf einem Hügel, bezogen, verwendete er besondere Mühe auf Gretas Zimmer. Sie bekam eine Winnie Puh-Tapete an die Wand und Leuchtsterne an die Decke.


Während ihr Vater oben arbeitete, saß Greta im Wohnzimmer auf dem mit Planen abgedeckten Sofa und frisierte ihre Puppe. Plötzlich entdeckte die Kleine etwas glänzendes auf dem Boden und hob es auf. Es war eine Perle und daneben lag noch eine und noch eine - eine ganze Perlenspur! Greta folgte ihr bis zu einer großen Tür im Flur. Das kleinen Mädchen musste sich kräftig strecken, um die Türklinke zu erreichen.
Hinter der Tür befand sich eine Treppe, die nach unten führte. Auch hier ging die Perlenspur weiter. Auf jeder Treppenstufe lag eine Perle, die im Licht der altmodischen muschelförmigen Lämpchen an der Wand, hübsch glänzte.


Als Ben mit Tapezieren fertig war, ging er nach unten ins Wohnzimmer. Dort lag nur der rosa Glitzerkamm, den Greta immer für ihr Püppchen Marie benutzte.
„Greta?“ rief er, doch es kam keine Antwort.
Völlig kopflos begann er, durchs Haus zu rennen und in alle Zimmer zu schauen.


Greta war inzwischen am Fuß der Treppe angekommen und stand vor einer alten Tür, von der die blaue Farbe fast vollständig abgeblättert war. Wieder musste Greta sich strecken, um die Tür zu öffnen. Auch dahinter ging die Perlenspur weiter.
Greta sammelte alle Perlen auf und trug sie in ihrem Röckchen, das sie mit den Händen zu einer Tasche formte.

Plötzlich stand die Kleine vor einer großen Frau, die weinte. Sie hatte wirres schwarzes Haar und gräulich-grüne Haut. Ihr bodenlanges Kleid musste einmal weiß gewesen sein; jetzt war es grau verfärbt und zerrissen. Am Oberteil waren Perlenketten angenäht. Einige davon waren abgerissen und hatten ihre Perlen verloren, die Perlen, die Greta in ihrem Röckchen trug.
„Weinst du, weil du deine Perlen verloren hast?“ fragte Greta.
Die Frau drehte sich um und sah sie aus starren Schlangenaugen überrascht an. „Ich hab mich einfach über mich selbst geärgert. Das passiert mir dauernd“, sagte die Frau. „Ich hatte schon Angst, ich finde sie nicht mehr alle.“ Sie nahm von einem Tisch eine Schale, in der schon drei Perlen lagen. „Tu sie da rein.“
Greta ließ die Perlen in die Schale gleiten und ließ den Rock los. „So, jetzt hast du sie wieder. Soll ich dir helfen, sie wieder aufzufädeln?“
„Das wäre nett von dir. Du mit deinen kleinen Fingerchen kannst das bestimmt besser und schneller als ich“, antwortete die große Frau.
„Ja, ich hab Übung darin. Ich mach nämlich immer Halsketten und Armbänder für Marie“, antwortete Greta stolz.
„Wer ist den Marie?“ fragte die Frau verwundert.
„Oh, das hätte ich fast vergessen………..“Greta nahm ihr Tragetäschchen ab, das sie auf dem Rücken trug. Darin saß Marie, ein blondes Püppchen mit blonden Zöpfen und blauen Augen. „Das ist Marie.“ Greta setzte sie auf den Tisch.
Die Frau mit den Schlangenaugen nahm Maries Hand und meinte: „Schön, dich kennenzulernen, Marie. – Hast du auch einen Namen?“
„Ich bin Greta. – Und du?“
„Awa“, antwortete die Frau.


Ben war unterdessen immer noch auf der Suche nach Greta und der Verzweiflung nahe. Da entdeckte er, dass die Tür zur Kellertreppe einen Spalt breit offen stand. Er rannte die Kellertreppe hinunter. Dabei wunderte er sich, warum hier Licht brannte. Als er die ehemals blaue Tür erreichte, fiel ihm ein Stein vom Herzen, denn er hörte Greta plappern. Er war so glücklich, dass er sich gar nicht fragte, wem die andere Stimme gehörte, die der von Greta antwortete.
Er machte die Tür auf – und sah Greta, die Perlen auf eine Schnur fädelte, vor ihr auf dem Tisch saß Marie und ihr gegenüber ein wahres Monster. Eine Frau mit wirrem schwarzem Haar, rissiger grau-grüner Haut und starren Augen. Sie trug ein Kleid, das zerfetzt war und geradewegs aus der Gruft zu kommen schien. Um die Arme hatte sie Lederriemen geschlungen. Sie trug eine lederartige Halskrause mit grünen Medallions darauf, die stark verblichen waren. Die Frau sah aus als käme sie direkt vom Friedhof und zwar nicht als Besucherin!
„Hallo, Papi!“ rief Greta munter. „Das ist Awa. Sie hatte ihre Perlen verloren und ich helf ihr, sie wieder aufzufädeln.“
„Geh da weg, Greta“, stieß Ben hervor.
„Wieso?“ fragte das Mädchen. „Soll ich ihr nicht helfen?“
„Nein, das ist ein Monster! – Davon hat der Makler aber nichts gesagt!“ antwortete ihr Vater.
„Welcher Makler?“ fragte Awa. „Doch nicht etwa dieser gelackte Hering, der neulich hier war und meine schönen Spinnwebenvorhänge in der Küche zerrissen hat?“
„Doch, genau der“, antwortete Greta. „Der hat Papa das Haus verkauft.“
„Der hat dir unser Haus verkauft?“ kreischte Awa wütend.
„Ja“, antwortete Ben zitternd.
„Wie kann er was verkaufen, was ihm nicht gehört? Wenn ich den erwische……“ Awa kochte vor Wut.
„Soll das heißen ich krieg doch kein eigenes Zimmer?“ fragte Greta enttäuscht.
„Zumindest nicht das, das ich oben für dich hergerichtet habe“, sagte Ben bedauernd. „Ich ruf den Kerl sofort an.“
„Machen Sie das! Und sagen Sie ihm, er soll hierher kommen“, sagte Awa. „Dem werd ich was erzählen!“
„Und ich erst“, setzte Greta hinzu.

 

Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür.
Ben öffnet und ließ George Mayer, den Makler, herein.
„Bitte folgen Sie mir ins Wohnzimmer“, sagte Ben. „Ich habe was mit ihnen zu bereden.“
Als der Makler das Wohnzimmer betrat, schrie er auf, als er Awa sah, die mit Greta in ihrem kleinen Kaufladen spielte.
„Was ist das denn?“ fragte der Makler und zeigte auf Awa.
„Das ist ja der Kerl, der unser Haus verkauft hat! – Warte einen Moment, mein Schatz.“ Awa stach auf den Makler zu.
„Schon gut, Awa“, antwortete Greta.
Der Makler wurde ärgerlich. „Seid ihr Monster immer noch da?“
„Ja, sind wir“, antwortete Awa.
„Noch mehr Monster?“ fragte Ben und wurde blaß.
„Es sind 5“, antwortete Herr Mayer. „Eine echte Plage.“
„5 MONSTER?“ kreischte Ben.
„Eu!“ machte Greta. „Eine Monster-WG!“
„Genau.“ Awa lächelte.
„Cool“ sagte Greta. „Wo sind denn die anderen?“
„Die müssen hier irgendwo sein“, meinte Awa. „Ox! Amen! KITA! Lordi!“
Es gab ein gewaltiges Rumpeln und schwere Schritte waren auf der Kellertreppe zu hören.
Ben und der Makler schraken zusammen. Greta blickte gespannt auf die Tür.
Dann erschien ein Kopf, der mit roten Augen in den Raum schaute.
„Warum hast du gerufen, Awa?“ fragte er. Er hatte Hörner auf der Stirn und langes schwarzes Haar und einen Bart.
„Der Knilch da hat unser Haus verkauft…………….wieder mal“, antwortete Awa.
„Der macht das öfter?“ fragte Greta.
„Ständig“, sagte das riesengroße Monster an der Tür, das sich nun ins Zimmer schob. Es war über zwei Meter groß, trug eine Art silberne Rüstung und war ziemlich mies gelaunt. „Sag mal, wie oft willst du das noch machen? Wir werden hier nicht verschwinden, klar? Noch einmal und du wirst Stargast auf meiner nächsten Grillparty!“
George Mayer wollte sich hinter Ben verstecken, doch der sagte: „Vergessen Sie’s. Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.“
Der Makler sah Ben irritiert an. „Wie meinen Sie das?“
„Papa meint, der Makler verkauft so lange das Haus bis das Monster ihn grillt“, antwortete Greta.
Ben, Awa und das andere Monster lachten.
„Du bist ja ein aufgewecktes Kind!“ Das Monster stupste sie freundschaftlich an.
„Dabei ist Greta erst 5“, sagte Awa.
„Erst 5 und schon schlauer als der Makler, der 10 mal so alt ist“, lobte das Monster die Kleine.
„Ich bin 47“, wandte der Makler zaghaft ein, doch niemand beachtete ihn.
„Wie heißt du?“ fragte Greta das Monster.
„Ich bin Lordi.“
„Freut mich.“ Greta reichte ihm die kleine Hand.
„Hat er euch beiden das Haus verkauft?“ fragte Lordi.
„Ja“, sagte Greta. „Und von Monstern hat er keinen Ton gepfiffen.“
In diesem Moment stapfte eine Mumie ins Zimmer, ging auf Herrn Mayer zu und fragte: „Hast du Interesse an einem netten kleinen Grundstück? Ich hätte nämlich eins für dich, 2x1 Meter groß. unten auf dem Friedhof! – Wenn du noch einmal das Haus verkaufst, verlagere ich deine Adresse dorthin, und es ist mir völlig gleich, ob du dann tot bist oder noch lebst, verstanden?“
Der Makler wurde unter der Tirade der Mumie immer kleiner. Er wollte etwas sagen, da tauchte eine weitere Kreatur wie aus dem Gruselfilm auf. Sie war dunkelrot und hatte starke Ähnlichkeit mit einem Insekt.
Ben rannte zu Greta und nahm sie in den Arm. Greta beobachtete die Kreatur fasziniert.
„Du hast es wieder versucht“, zischte das Wesen und packte den Makler. „Dafür werd ich dir bei lebendigem Leib die Eingeweide rausreißen und dann lass ich dich zuschauen, wie ich sie koche und verspeise.“
Der Makler war gelähmt vor Angst.
Ben zitterte.
Greta befreite sich aus seiner Umarmung und ging auf das Ungeheuer zu. Sie zupfte an seinem Gewand. „Iss den nicht. Du weißt nicht, wo der rumgelegen hat.“

„Stimmt.“ Das Monster ließ den Makler Makler sein und ging in die Knie, um das kleine Mädchen besser betrachten zu können. „Wer bist du denn?“
„Greta, und du?“
„Ich bin KITA und die olle Mumie da ist Amen.“
Greta schüttelte den beiden die Hand.
Da fragte eine tiefe Stimme an der Tür: „Was ist denn das für eine süsse Kleine? Können wir die behalten?“
Es war ein weiteres Monster. Es hatte einen massigen Schädel mit Hörnern und tief liegenden gelben Augen. Außerdem hatte es eine schwarze Mähne und Hufe.
„Ich glaub kaum, dass ihr Vater die Süsse freiwillig rausrückt“, meinte Lordi augenzwinkernd.
„Hallo, ich bin Greta“, sagte sie fröhlich.
Das Monster brummte gutmütig und strich ihr übers Haar. „Ich bin Ox. Und das da ist dein Papa?“ Er zeigte auf Ben. Doch dann sah er rot. „Was machst du denn hier?“
Von jetzt auf gleich hatte sich Ox in einen wütenden Stier verwandelt.
Der Makler nahm die Beine in die Hand und rannte.
„Jetzt isser weg“, sagte Greta.
„Ist besser für ihn“, meinte Amen.
„Du, Awa, spielen wir weiter?“ bat die Kleine.
„Gerne.“ Awa folgte ihr zum Kaufladen.
„Darf ich auch mitspielen?“ fragte KITA.
„Klar. – Willst du ein Gummibärchen?“ Greta zog eine kleine Schublade auf und hielt sie ihm hin. Sie war voller Gummibärchen.
„Danke!“ KITA mampfte vergnügt eine ganze Hand voll Gummibärchen.


Ben ließ sich unterdessen seufzend aufs Sofa fallen.
„Was ist denn?“ fragte Amen.
„Ich war so dumm. Ich hab dem Kerl meine letzten Ersparnisse gegeben und jetzt sitz ich ohne Geld mit der Kleinen auf der Straße.“
„Keine Sorge. Das Geld kriegst du wieder. Ich kümmer mich drum“, versprach Lordi.
„Danke“, sagte Ben leise und drehte sich nach Greta um.

Ox lag auf dem Boden und Greta kletterte auf ihm rum und kitzelte ihn. Ox lachte sich scheckig und kitzelte zurück. Greta kicherte und wäre fast runtergefallen, wenn Awa sie nicht festgehalten hätte.
„Hey, was ist das denn?“ fragte Ox plötzlich.

Ein schwarzes Kaninchen hoppelte auf dem Teppich herum.
„Das ist Mümmel“, sagte Greta. „Der ist schon wieder ausgebüxt.“
„Das ist ja putzig. Awa schau mal!“ rief Ox.
Greta nahm ihr Kaninchen auf den Arm.
„Hallo, Mümmel“, sagte Awa und strich ihm über den Rücken.
Mümmel war wesentlich weniger von den Monstern begeistert als sie von ihm. Er zappelte und strampelte wie verrückt.
„Was hast du denn?“ fragte Greta.
„Setzt ihn in den Käfig zurück, Schatz“, sagte Ben. „Der hat Angst.“
Greta setzte Mümmel in den Käfig, der hinter der Couch stand, wo der Hase sofort in seinem Häuschen verschwand. „Du, Papa, ich hab Hunger.“
„Ich mach dir gleich ein paar Nudeln, mein Schatz“, antwortete Ben.
„Schon wieder Nudeln?“ fragte Greta.
„Ja, leider“, seufzte Ben. „Was anderes gibt es erst wieder, wenn ich das Geld wieder habe.“
„Ihr könnt doch bei uns mitessen“, meinte Amen.
„Genau, wir haben genug Spanferkel für alle“, setzte Lordi hinzu.
„Ähm,…………wir essen aber kein rohes Fleisch……..“, wandte Ben ein.
„Wir auch nicht“, lachte Ox. „Das wird doch gegrillt.“
„Dann schaut mal nach dem Fleisch! Die Kleine hat Hunger“ sagte Awa zu ihren Jungs. „Ich mache die Beilagen fertig.“ Dann ging sie in die Küche.
„Warte, ich helf dir“, rief Greta und flitzte hinterher.

Die Küche war groß und düster. Vor den Fenstern hingen Vorhänge aus Spinnweben.
„Was kann ich dir denn helfen, Awa?“ fragte Greta.
„Du kannst den Salat waschen, wenn du magst“, antwortete Awa.
„Die Jungs essen Salat?“ wunderte sich Greta.
„Nein, nicht wirklich“, antwortete Awa. „Meistens ignorieren sie ihn. Ich bin froh, wenn sie ihn mir nicht nachwerfen.“
„Warum machst du ihn dann?“ fragte die Kleine.
„Frag ich mich inzwischen auch“, seufzte Awa.


Unterdessen führte Lordi Ben ins Freie, wo hinter dem Haus 5 ganze Spanferkel auf kleiner Flamme brieten.
„Das sieht ja lecker aus“, meinte Ben.
„Oh ja“, antwortete Lordi. „Und für dich und die Kleine fällt auch noch was ab.“
„Danke, Lordi, das ist sehr nett von euch“, sagte Ben. „Wenn ich jetzt noch ne neue Wohnung finden könnte………“
„Aber wieso denn? Bleibt doch hier. Für euch ist genug Platz“, meinte Lordi gelassen.
„Naja, wird wohl das Beste sein. Greta scheint euch sehr zu mögen….“
„Wir mögen sie auch“, sagte Lordi. „Ox, was machst du da?“

Ox fummelte in einem Beet herum, scharrte und buddelte. Zog da an einem Hälmchen, schnitt hier etwas ab….
„Ich jäte Unkraut. Warum?“ fragte Ox. „Dann wachsen die Rosen besser.“
„Du und deine Rosen!“ Lordi verdrehte die Augen. „Seit er sich in das Nachbarmädchen verliebt hat, züchtet er Rosen und das mit einer Leidenschaft! Jeden Tag legt er ihr eine vor die Haustür.“
„Wie romantisch“, sagte Ben. „Und was sagt sie dazu, dass er ein Monster ist?“
„Sie weiß es nicht. – Sie kriegt immer nur Rosen und Liebesbriefe“, antwortete Lordi.
Ox seufzte und holte eine kleine Gießkanne.
„Er hat schon drei neue Sorten gezüchtet“, erzählte Lordi.
Ben sah sich die Rosen genauer an. Es gab weiße mit roten Tropfen auf den Blütenblättern, dunkelrote, die schon fast schwarz erschienen und dunkelviolette Rosen. Dazwischen standen weiße, rote, rosane, orangene und gelbe Rosen.
„Schöne Blumen“, sagte Ben.
„Danke“, sagte Ox und begann, seine Lieblinge zu gießen.
„Gärtnern ist wohl nicht so ganz deine Sache, was?“ fragte Ben Lordi.
„Doch. Mein Garten ist dahinten. Ich züchte Fleisch fressende Pflanzen“, erklärte Lordi stolz und zeigte auf eine Ecke des Gartens, die mehr als chaotisch aussah.
„Du pflanzt wohl eher nach dem biblischen Prinzip?“ fragte Ben.
„Bitte?“ Lordis Gesicht war ein einziges Fragezeichen.
„Suchet und ihr werdet finden“, antwortete Ben.
„Du klingst schon wie Awa“, maulte Lordi.
„Das war nicht meine Absicht. Was ist denn das dahinten?“ Ben zeigte auf ein paar Pflanzen, die wie grün leuchtende Tintenfische aussahen.
„Weiß nicht so genau. Musst du KITA fragen. Der hat die angepflanzt. Die kommen wohl von seinem Heimatplaneten“, meinte Lordi.
„Und der Sandhügel da hinten ist wohl Amens Garten?“ fragte Ben.
„Genau. Er hat sich dahinter eine richtige Oase mit Tempel, Palmen und Pool eingerichtet. Und das dahinten ist das Sperrgebiet. Da darfst du niemals hingehen, wenn dir dein Leben lieb ist! Das ist Awas Zauberpflanzen-Garten. Der ist voller Dinger, die dich angreifen könnten. Es gibt nur einen Bereich, der noch gefährlicher ist……..Awas Kräutergarten vor dem Küchenfenster! Wenn du dort aus Versehen was platt-latschst, gibt’s ein Donnerwetter, das sich gewaschen hat“, erklärte Lordi.
„Ich verstehe“, antwortete Ben.


Plötzlich ging das Küchenfenster auf und Awa fragte: „Wie weit ist das Fleisch?“
„Ist fertig. Ihr könnt kommen“, antwortete Lordi.


Wenig später kamen Awa und Greta in den Garten. Awa trug ein Tablett mit Geschirr,
Besteck und der Salatschüssel. Greta trug die Servietten.
Die beiden deckten den Tisch.


Nach dem Essen räumten Amen und KITA ab und trugen das Geschirr in die Küche.
„Wenn ihr wieder mit Absicht was fallen lasst, gibt’s Ärger“, rief Awa ihnen nach.
„Warum machen die das denn?“ fragte Greta.
„Weil sie sich vor dem Abwasch drücken wollen“, sagte Awa. „Aber ich lass mich davon nicht beeindrucken. Bin ich vielleicht hier die Putzfrau? Die Jungs können in der Küche ruhig auch mal was machen, denkst du nicht?“
„Doch, Awa, ich gebe dir Recht. Auch Jungs brechen sich keinen Zacken aus der Krone, wenn sie mal was in der Küche machen“, antwortete Greta.
„Meine Rede“, sagte Awa. „Magst du dir vielleicht in der Eisdiele um die Ecke ein Eis holen? Du warst so brav.“
„Ja!“ Greta sprang auf. „Aber du musst mit. Ich trau mich noch nicht alleine über die Strasse.“
„Klar“, sagte Awa und reichte ihr die Hand.
Dann zogen die beiden ab.

 

Als Awa und Greta die Eisdiele betraten, sprangen ein paar Leute schreiend auf und rannten davon. Andere blieben wie gelähmt sitzen. Wieder andere verschanzten sich hinter Tischen und Bänken.
Awa kümmerte sich nicht darum, sondern ging mit Greta an die Theke.
„Dann such dir mal was aus“, sagte sie zu ihr.
„Ich nehm Erdbeer, Schoko und Joghurt“, antwortete die Kleine.
Doch der Verkäufer rührte sich nicht von der Stelle, sondern starrte Awa mit weit aufgerissenen Augen an.
„Sag mal, bist du taub? Die Kleine will ein Eis“, fuhr Awa ihn an.
„Ja, ich möchte bitte ein Eis“, sagte Greta.
Der Verkäufer griff zögernd nach seiner Kelle. „B-B-Becher oder W-W-Waffel?“ fragte er.
„Becher bitte“, antwortete Greta. „Ich krieg bitte Erdbeer, Schoko und Joghurt.“
Der Verkäufer zitterte immer noch als er die Eiskugeln in den Becher tat. „Sahne?“
„Darf ich, Awa?“ Greta sah Awa an.
„Klar.“
„Bitte ja. Ich möchte Sahne“, sagte Greta zu dem Verkäufer.
Der Verkäufer tat noch ein paar bunte Zuckerstreusel auf das Sahnehäubchen, dann reichte er Greta den Eisbecher.
Awa zahlte und nahm Greta an der Hand. Dann verließen die beiden die Eisdiele.
Nachdem sich die Tür geschlossen hatte, wagte immer noch niemand, sich zu bewegen.


Als Awa und Greta in den Garten kamen, räumte Lordi gerade die Reste des Feuers zusammen und verfütterte das übrig gebliebene Fleisch an seine Fleisch fressenden Lieblinge. KITA trug immer noch eine weiß-rosa karierte Schürze, während er seine „Alien-Tintenfisch-Pflanze“ beschnitt. Amen klopfte einen alten Teppich aus. Ben las ein Buch. Und Ox warf mit Schnecken um sich, die er aus seinen Rosen fischte.
Als eine besonders dicke Nacktschnecke in Awas Kräutergarten flog, ging Awa mit der Harke auf ihn los. „Du bist wohl nicht mehr ganz dicht?“ kreischte sie.
Ox konnte nur noch rennen.
Greta setzte sich neben ihren Vater, um ihr Eis zu essen. „Du, ich will hier bleiben.“
„Wir werden hier bleiben“, sagte Ben.
„Meine Güte, sieh dir das an!“ Greta schüttelte den Kopf, als Ox an ihnen vorbei rannte und Awa hinterher.
„Zumindest werden wir hier nie an Langeweile sterben“, meinte Ben.
„Wenn dann nur an Lachkrämpfen!“ Greta zeigte auf KITA, der mit seiner gerüschten Schürze echt beknackt aussah.


Als es dunkel wurde, ließ Ben seiner Tochter ein Bad ein und setzte sie in die Wanne. Dann klingelte sein Telefon. „Ich bin gleich wieder da. Bitte nicht absaufen, ja?“
„Bin doch kein Baby mehr!“ Sie zog einen Schmollmund.
Ben ging in sein Zimmer, wo sein Handy lag.


Lordi kam wenig später am Badezimmer vorbei. Die Tür stand offen.
Er schaute in den Raum hinein und sah Greta mit dem Gesicht im Wasser liegen.
Lordi rannte zur Wanne und zog sie hoch.
„Was ist denn?“ fragte sie.
„Du hast mit dem Gesicht im Wasser gelegen. Ich hatte Angst, du ersäufst“, antwortete er.
„Nein, keine Sorge. Ich hab nur U-Boot gespielt“, sagte sie.
„Und wie ist die Unterwasserwelt da unten so?“ fragte er.
„Lustig. Voller Seeungeheuer“, sagte sie.
„Und wie sind die so?“ fragte Lordi.
„Die können nicht im Entferntesten an euch ran stinken“, kicherte sie.
„Dann bin ich ja beruhigt. Ich mag nämlich keine Konkurrenz“, sagte er.
„Du, Lordi, kann ich dich um was bitten… - Also, ich möchte jetzt echt nicht, dass du denkst, ich bin ein Kleinkind…, aber in meinem Wandschrank ist ein Monster….“, erzählte sie. „Kannst du das weg machen? Papa glaub nämlich nicht, dass da eins ist, aber ich bin doch nicht blind.“
„Ich glaube dir. Diese Schrankmonster gibt es“, antwortete er. „Aber sie zeigen sich Erwachsenen nicht. – Moment, ich bin gleich wieder da…..“ Lordi ging in Gretas Zimmer. Dann war ein Fauchen zu hören, ein Knurren und ein Brüllen, dann kam Lordi wieder ins Bad. Er hatte ein neon-grün-lila gestreiftes Etwas auf dem Arm. „Das ist noch ein ganz Junges, ganz leicht zu fangen. Ich bring’s raus. Dann kannst du heute Nacht in Ruhe schlafen.“
„Danke, Lordi.“

 

Nach dem Baden zog sich Greta ganz alleine ihr rosa Nachthemd an, denn ihr Vater war immer noch am Telefonieren. Es klang, als würde er mit jemandem streiten. „Mir ist egal, was dir die Nachbarin deiner Mutter erzählt hat, ich schlage unser Kind nicht!“
Greta begann, zu weinen.
„Was ist denn los, mein Kleines?“ Ox nahm sie in seine Arme.
„Eine Nachbarin von meiner Oma hat meiner Mama erzählt, sie hat gehört, dass Papa mich haut“, antwortete sie und kuschelte sich in den Arm ihres Monsterfreundes.
„Ich glaub nicht, dass er das macht. Würde er nie“, sagte Ox und streichelte sie.
„Aber Mama glaubt das“, heulte die Kleine.
„Sie macht sich halt Sorgen“, antwortete er.
„Meinst du?“
„Klar. Sie ist doch deine Mama.“ Ox wischte ihr die Tränen ab. „Kommst du mit runter ins Wohnzimmer? Wir machen unseren allwöchentlichen Monstropoly-Abend.“
„Was zum Teufel ist ein Monstropoly-Abend?“ fragte sie.
„Ein Abend, an dem wir Monstropoly spielen“, antwortete Ox.
„Ach, ist das so was wie Monopoly?“ fragte Greta, der langsam ein Licht aufging.
„Genau“, sagte Ox. „Nur halt für Monster.“
„Und wie unterscheidet sich das?“ fragte sie.
„Naja, man kauft keinen Straßen, sondern Friedhöfe, baut keine Häuser und Hotels, sondern Gräber und Mausoleen und die Spielfiguren sind kleine Monster.“
„Klingt nett. Ich mach mit“, sagte sie und ging mit ihm runter.

Im Wohnzimmer bauten die anderen grade das Spielbrett auf. KITA riss entgegen seiner sonstigen Gewohnheit eine Tüte Gummibärchen auf und verteilte sie auf Schüsselchen. Amen tat das gleiche mit Erdnüssen.
„Ich hab noch einen Mitspieler mitgebracht“, sagte Ox und hielt Greta hoch.
„Lass mich runter!“ Sie strampelte mit ihren Beinen.
Ox setzte sie auf einen Stuhl und ließ sich neben ihr nieder.
„Hey, wer bist denn du?“ fragte sie das Monster, das ihr gegenüber saß.
Es war scheußlich anzusehen. Wie ein Skelett mit Haut- und Fleischresten dran. Es hatte leuchtende grüne Augen und verfilzte lange blonde Haare und trug einen Ledermantel.
„Ich bin Kalma. Ich hab auch mal hier gewohnt. Ich bin ein Zombie“, antwortete er. “Und wer bist du?“
„Ich bin Greta. Und ich bin ein Krümelmonster“, sagte sie.
Awa, Lordi, Ox, KITA, Amen und Kalma lachten.
„Noch ein Monster!“ Lordi lachte. „Deswegen passt du so gut hier rein!“
„Genau. Ich bin der Albtraum eines jeden Plätzchens…...und jeder Mami, die keine Krümel mag.“ Greta grinste. „Oh, Gummibärchen!“ Sie griff in die Schüssel neben sich.
„Lass mir noch was übrig!“ KITA krallte sich den Rest in der Schüssel.
„Du wirst bald selbst ein Gummibärchen, KITA, wenn du so weitermachst“, kicherte die Kleine.
„Ich will aber nicht süß und fruchtig werden!“ protestierte er.
„Dann lasst uns endlich spielen“, meinte Lordi.
„Der Gast darf sich zuerst eine Spielfigur aussuchen“, sagte Amen und hielt Kalma eine Hand voll silbern glänzender Figürchen hin.
„Zuerst die Dame!“ Kalma wies auf Greta.
Greta wurde rot. „Bin keine Dame. Ich nehm die Pyramide.“
„Dann nehme ich den Werwolf“, sagte Kalma.


Als Ben herunterkam, war das Spiel in vollem Gange.
Der Stapel Spielgeld vor Greta war viel höher als der der anderen.
„1, 2, 3, ……Schei…, Schei…, Schei…“, machte Kalma.
„Das sind dann 11. 000 Kröten Miete für mein schönes Mausoleum“, sagte Greta grinsend.
„Schon wieder?“ stöhnte Kalma.
„Ich kann doch nix dafür, wenn es dir hier so gut gefällt“, lachte sie.
„Ja, irgendwie setz ich mich immer voll rein!“ Kalma verdrehte die Augen.
„Was soll denn ich da sagen?“ jammerte Ox. „Ich kann machen was ich will, ich lande immer auf ihrem teuersten Friedhof!“
„Wem sagst du das?“ stöhnte Lordi. „Ha! So, meine Süße, jetzt kriegt der Onkel Lordi 10.000 Mäuse in bar von dir!“
„Von wegen!“ krähte Greta. „Du hast die Karte umgedreht, weil du ne Hypothek aufgenommen hast. Du kriegst gar nix!“
Lordi fluchte.
„Schön zu sehen, dass sie nicht nur mich bis aufs letzte Hemd auszieht“, meinte Ben.
„Das macht nichts“, sagte Awa. „Normalerweise gewinnt immer KITA, aber der ist heute schon pleite.“
KITA saß beleidigt in einer Ecke und mampfte Gumimibärchen.

 

„So, mein Schatz, es ist Zeit, ins Bett zu gehen“, sagte Ben.
„Ach, menno!“ maulte Greta.
„Sag Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Ox“, sagte sie und gab ihm ein dickes Bussi.
„Eu!“ machte er.
Nachdem alle Monster ein Gute-Nacht-Küsschen bekommen hatten, brachte Ben seine Tochter ins Bett.


Als Ben am nächsten Morgen aufwachte, schien die Sonne und die Vögel sangen. Er wusste erst nicht wo er war, doch dann fiel es ihm wieder ein, das neue Haus.
Er ging ins Bad und wusch sich.
Mann, war das ein verrückter Traum! Eine Monster-WG! dachte er kopfschüttelnd, während er die Treppe hinunterstieg.
Ben öffnete die Küchentür und stieß einen lauten Schrei aus.
„Ist dir nicht gut?“ fragte KITA besorgt. Er stand am Herd und machte Pfannkuchen. Dabei trug er wieder die aparte weiß-rosa Rüschenschürze.
„Jetzt setz dich erst mal, trink einen Kaffee und iss einen Pfannkuchen“, sagte KITA. und stellte Ben Kaffee und Pfannkuchen hin.
Ben setzte sich hin und schlug die Zeitung auf. „Der Makler wurde gestern Nacht in seinem Haus hingemetzelt. Hier steht, dass ihm bei lebendigem Leib die Eingeweide rausgerissen wurden, dann wurde ihm der Kopf abgerissen. Und die Eingeweide wurden nicht gefunden…“
„Die waren lecker. Die hab ich mit Knoblauchöl in der Pfanne angebraten und dann auf Toast gegessen“, antwortete KITA.
Ben starrte KITA an.
„Ach, hättest du auch was gewollt?“ fragte KITA. „Tut mir leid, hab schon alles gegessen.“
„Nein, ist schon in Ordnung“, meinte Ben.
„Kalma hat dein Geld gefunden. Wo hat er es denn hin?“ KITA wischte seine Pranken an der Schürze ab und begann, auf dem Büffet zu suchen. „Da ist es ja!“ Er wedelte mit einem Stapel Geldscheine. 15.000 €, ist das richtig?“
„Ja, danke“, sagte Ben und nahm das Geld aus KITAs Hand.
„Keine Ursache“, sagte KITA.
„Mensch, schon 10 Uhr! Ich muss mal Greta wecken“, meinte Ben plötzlich.
„Mach dir keine Umstände! Die ist schon wach. Amen und Awa sind mit ihr ins Stadtmuseum in die Ägypten-Ausstellung gegangen“, meinte das Alien am Herd.
„Aber hat sie sich ganz alleine angezogen und gewaschen?“ staunte Ben.
„Awa hat ihr geholfen, glaube ich.“

Im Museum war nicht viel los so kurz nachdem es geöffnet hatte.
Awa führte Greta an der Hand, damit das kleine Mädchen nicht verloren ging. Amen spielte den Fremdenführer.
„Und hier, meine Damen, seht ihr einen Sarkophag aus der 17. Dynastie…“
„18. Dynastie!“ verbesserte die Mumie im Sarg.
„Oh, Verzeihung! Auf jeden Fall ist die Bemalung sehr gut erhalten. Hier in dieser Szene ist zu erkennen wie die Göttinnen Isis und Nephtys…..“
„Selket!“, kam es aus dem Sarg.
„Dann komm doch raus und mach es selbst!“ sagte Amen verstimmt.
„Nö!“ antwortete die andere Mumie.
„Dann halt den Rand!“ sagte Amen. „Der Sarg besteht aus Zedernholz mit Goldauflage und Halbedelsteinen. Wahrscheinlich gehörte er einem Hofbeamten.“
„Ich war Priester“, kam es aus dem Sarg.
Greta und Awa bogen sich vor Lachen.
Amen hob den Deckel ab und fragte: „Willste Haue?“
„Nein“, sagte die andere Mumie und machte den Deckel wieder zu.
Amen schüttelte den Kopf. „Ich zeig euch was anderes.“
„Das sind doch eh alles nur Nachbildungen“, rief der Sarginsasse und machte schnell den Deckel zu.


Lordi goß gerade seine Fleisch fressenden Pflanzen, als Ben in den Garten kam.
„Danke fürs Geld Wiederbeschaffen“, sagte er.
„Keine Ursache“, sagte Lordi und warf einer besonders großen Pflanze ein ganzes T-Bone-Steak in den Rachen.
Ox sammelte wieder die Schnecken aus den Rosen und schnippelte daran rum.
„Du, Ben, ich hab ne neue Züchtung!“
„So?“ fragte Ben und kam näher.
„Die hier“, antwortete Ox und zeigte auf eine rosafarbene Rose mit herzförmigen Blütenblättern. „Ich hab nicht gewusst, ob das was wird. Sie ist erst heute Morgen richtig aufgegangen. Ich denke, ich werde sie Greta-Rose nennen.“

 

Wenig später kamen Greta, Awa und Amen zurück.
Greta war sehr gut gelaunt. Sie leckte an einem Eis am Stiel.
„Na, wie war’s im Museum?“ fragte Ben.
„Super! – Besonders als Amen die anderen Mumie verhauen hat“, antwortete Greta.
„Welche andere Mumie?“ fragte Ben.
„Die lag da in ihrem Sarg in der Ausstellung und hat Amen dauernd reingeredet. Da hat Amen sie rausgezogen und verhauen“, erzählte Greta. „Die andere Mumie hat dann versucht, zu flüchten und wollte zum Fenster raus, aber Amen hat sie festgehalten. Dann sind die Fetzen geflogen.“
„Museumsbesuch mit Mumienringkampf, auch nicht schlecht. Sieht man nicht jeden Tag“, meinte Ben.
„Aber Amen war besser“, krähte Greta. „Der war viel stärker. Und dann waren wir noch essen und ich hab ein Eis gekriegt, weil ich brav war.“
„Gut gemacht“, lobte Ben. „Und wie haben dir die ägyptischen Sachen gefallen?“
„Die sind schön“, antwortete sie. „Und Amen hat das alles so schön erklärt, nachdem er die andere Mumie verhaut hatte.“
„Ist ja gut, wenn man eine Fachmann zur Hand hat“, meinte Ben.
„Ja, Amen ist ein echter Mumien-Fachmann!“ Greta knuddelte Amen um den Bauch.
Amen wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. Anscheinend hatte er nicht so oft kleine Mädchen am Bauch hängen. Er sah die Kleine ratlos an.
Lordi, Awa, Ben und Ox lachten sich schief über Amens Gesichtsausdruck.
„Amen, ich find dich prima“, sagte Greta.
„Oooooch“, machten Ox, Lordi, Awa und Ben.
Amen nahm Greta auf den Arm. „Ich find dich auch prima.“
„Du, kann ich bei dir im Garten ein bisschen Sand spielen?“ fragte sie.
„Klar!“ sagte Amen und ließ sie runter.
„Supi! Ich hol meine Förmchen!“ Sie rannte ins Haus und kam mit einer Tüte voller bunter Förmchen und einem Eimerchen mit Schaufel zurück.


KITA war einkaufen. Diesmal hatte er seine Schürze daheim gelassen.
Die Leute, die ihn sahen, rannten panisch davon. KITA packte seelenruhig seinen Einkaufszettel aus und las ihn durch. „Brot…... hol ich später…. Erdbeermarmelade…jawohl“ Er stellte das Marmeladenglas in den Einkaufswagen. „Gummibärchen…jups!“ Eine Hand voll Tüten flog in den Wagen. „Butter, Joghurt, Sahne, Vollmilch……..“Er ging zur Kühltheke und holte das Entsprechende. „Fertiger Tortenboden………Erdbeeren…….Bananen………Äpfel………“ Er packte das Obst behutsam ein, um es nicht mit seinen Pranken zu zermalmen. „Und jetzt noch das Fleisch. Rollbraten, …………nehm ich mal 15, und von den Steaks……………….50. Wir haben ja eine Gefriertruhe. So, jetzt müsste ich alles…...nein, da steht noch was….muss Greta geschrieben haben. Heu fürs Kaninchen. Oje, wo gibt’s das jetzt wieder?“
Er sah sich nach links und rechts um und entdeckte eine Verkäuferin. „Entschuld…“ Weiter kam er nicht, denn die Frau rannte schreiend davon. „Na, vielen Dank auch!“ KITA verdrehte die Augen.
Schließlich fand er das Tierzubehör doch.
An der Kasse legte er alles auf das Band und schon schrie die Kassiererin laut auf, aber nicht wegen ihm, sondern weil ein Mann sie mit einer Waffe bedrohte und Geld wollte.
„Also, darauf hab ich nun gar keinen Bock!“ meinte KITA und scheuerte ihm eine, dass er gegen die nächste Säule flog und bewusstlos liegen blieb.
Die Kassiererin sah KITA ängstlich an.
„Kann ich bitte bezahlen? Ich muss noch weiter“, sagte KITA.


Greta buddelte im Sand und baute eine riesige Burg. Ox half kräftig mit.
Ben lag im Liegestuhl und sah zu.
„Da kommt KITA, und er hat Kalma dabei.“ Lordi sprang auf, um seine Freunde zu begrüßen.
„Kann mir mal jemand helfen, das Zeug ins Haus zu tragen? Eure Begrüßungsorgien können doch bis nachher warten“, meinte KITA.
„Niemand schreibt mir vor, wann ich meine Orgien zu feiern habe“, unkte Lordi.
„Dann mach doch“, meinte Awa.
„OK. Wer macht mit?“ fragte Lordi.
Niemand ging darauf ein. Amen pinselte an seinem kleinen Tempel herum, Awa zupfte Unkraut, Ben lag in der Sonne und Kalma sah Ox und Greta beim Matschen zu.
„Also gut!“ seufzte Lordi. „Tragen wir’s rein!“


Als die beiden in die Küche kamen, saß dort Mümmel auf dem Boden.
„Schon wieder ausgebüxt?“ fragte KITA. „Wartest du aufs Heu?“
„Was für ein Heu?“ wunderte sich Lordi.
„Das, das ich gekauft hab“, sagte KITA und packte den Sack aus. „Da musst du aber mit Greta reden, Mümmel. Ich kenn mich da nicht so aus.“
Das Häschen hoppelte über den Boden und blieb ganz ruhig. Anscheinend hatte es sich an die Monster gewöhnt.
Lordi fing es ein und setzte es in den Käfig zurück.
Plötzlich kam Greta angerannt. „Schnell, ihr müsst was machen! – Ox…..“

 

„Was ist mit Ox?“ fragte Lordi.
„Der dreht total durch. Kalma, Amen und Papi können ihn fast nicht mehr zurückhalten“, antworte-te Greta.
„Was ist denn los? Warum dreht er durch?“ fragte KITA.
„Das Nachbarmädchen hat nen Freund und Ox will ihn auf die Hörner nehmen.“
KITA und Lordi rannten nach draußen.
Kalma, Amen und Ben kämpften mit Ox, während Awa versuchte, ihm eine Flüssigkeit einzuflös-sen.
„Was wird das denn?“ fragte Lordi.
„Das ist Baldrian, damit er sich beruhigt“, antwortete Awa.
„Ich will mich aber nicht beruhigen“, brüllte Ox. „Der Kerl knutscht mit meiner Süßen!“
Lordi sah auf der Straße ein hübsches Mädchen mit einem jungen Mann knutschen.
„Ox, du denkst doch nicht im Ernst, dass die Kleine sich in dich verlieben könnte?“ meinte er.
Ox begann, hemmungslos zu flennen. „Nein, natürlich nicht.“
Greta strich liebevoll über seinen breiten Rücken. „Net weinen. – Du findest bestimmt ein Mäd-chen, dass dich lieb hat.“
„Nein, keiner mag mich“, heulte Ox.
„Doch. Ich mag dich“, sagte Greta und drückte ihn.
„Echt?“ fragte er.
„Ja.“ Sie sah ihn mit ihren großen grünen Augen an.
Ox nahm sie auf den Arm und drückte sie. „Du bist das Süßeste, das ich je gesehen habe! – Du, ich muss dir noch was zeigen. Sieh mal die Rose da.“
„Eu, die hat ja Herzchen als Blütenblätter“, staunte Greta.
„Die Rose heißt wie du. Weil du ein kleines rosanes Herzchen bist“, sagte er.
„Du bist mein absolut bester Monster-Knuddel-Freund“, sagte sie und umarmte ihn.
„Was für eine Ehre!“ Ox freute sich tierisch.
„Wollen wir unsere Burg weiterbauen?“ fragte Greta.
„Machen wir“, sagte Ox.


KITA verräumte die restlichen Sachen, als Ben in die Küche kam.
„Dann wollen wir mal“, meinte Ben und rieb sich die Hände.
„Was wollen wir?“ fragte KITA irritiert.
„Ich will einen Erdbeerkuchen für mein kleines Krümelmonster machen“, klärte Ben ihn auf.
„Aso!“ machte KITA. „Zeig mir das mal.“


Mümmel dachte sich unterdessen: „Ist mir zu blöd, hier im Käfig rumzusitzen. Ich schau mir mal das neue Haus an.“ Ein kurzer Druck und die Tür war auf. „Wo geh ich denn zuerst hin?“ fragte er sich. Er hoppelte auf den Flur und kam zur Kellertreppe, wo die Tür heute offen stand.
Das kleine schwarze Kaninchen dachte nicht lange nach, sondern hoppelte hinunter.
Dort unten war es dunkel wie im Kaninchenbau. Das mochte er. Er hoppelte weiter bis zu einer offenen Tür. Er schlich hinein und sah einen großen Raum mit einem riesigen Tisch aus dunklem Holz. Dort roch es sehr interessant nach Kräutern. Er hoppelte weiter und fand einen großen Käfig mit lauter Kaninchen darin.
Mümmel freute sich. Endlich Artgenossen! War schon doof, immer so alleine.
Plötzlich hörte er ein Zischen hinter sich. Er fuhr herum und blickte in ein Paar starre Augen……

 

Greta und Ox spielten immer noch im Sand. Sie waren grade dabei als Greta sagte: „Bin mal kurz drinnen. Ich muss aufs Klo.“ Sie rannte ins Haus.
Im Flur sah sie Mümmels leeren Käfig.
„Ah!“ schrie sie. „Mümmel! Wo bist du, Mümmel?“ Auf dem Boden sah sie Krümel von der Einstreu. „Wo ist er denn jetzt wieder hin?“ Sie rannte im Erdgeschoß herum. Auf dem Boden lagen ein paar schwarze Köttelchen. „Mümmel, wenn ich dich erwische!“ schimpfte sie.
Dann sah sie die offene Tür zur Kellertreppe.
Greta ging in den Keller.
Sie kam zu dem Raum, wo sie Awa getroffen hatte – und sah Mümmel und eine riesengroße sma-ragdgrüne Schlange, die ihn bedrohte.
Greta zog ihren Schuh aus und schlug der Schlange damit auf den Kopf. „Dir werd ich’s zeigen! Lass meinen Mümmel in Ruhe! Der ist nicht zum Essen!“ Greta haute die Schlange im Rhythmus ihrer Worte.
Schließlich flüchtete die Schlange durchs Kellerfenster.
Mümmel hoppelte auf Greta zu und sah sie aus seinen dunklen Knopfaugen an.
„Mümmelchen, du lebst noch!“ Greta nahm das Häschen auf den Arm und knuddelte es. „Oh, da sind ja noch mehr Häschen!“ Greta ging zu dem großen Käfig hin.
„Die sind das Futter für meine Thekla“, sagte Awa hinter ihr. Sie hatte sich die Schlange um die Schultern gelegt.
„Die wollte Mümmel essen“, sagte Greta.
„Wie du siehst, sieht er für sie ja auch aus wie was zu essen“, meinte Awa sanft.
„Die tut die ganzen lieben Kaninchen essen?“ fragte Greta.
„Ja, das tut sie.“ Awa strich über die glatte grüne Schlangenhaut. „Aber ich glaube, schwarze Kaninchen schmecken ihr jetzt nicht mehr.“ Awa holte das schwarze Kaninchen aus dem Käfig.
Es zappelte und wollte nur weg. „Nimm du es.“ Sie drückte es Greta in den Arm.
Mümmel schnupperte am anderen Kaninchen. Er schien es zu mögen.
„Halt mal“, sagte Greta zu Awa und gab ihr Mümmel.
Mümmel sah Awa nicht gerade begeistert an.
Greta drehte das andere Kaninchen auf den Rücken. „Jetzt weiß ich warum Mümmel das andere Kaninchen so mag. Das ist ein Weibchen.“


KITA half gerade dabei, den Tortenboden mit Erdbeeren zu belegen, als Kalma hereinkam.
„Also, diese Schürze, steht dir echt prima“, meinte Kalma.
„Ich will mir halt nicht alles einsauen. Was spricht also dagegen?“ fragte KITA.
„Das es einfach ******* aussieht“, meinte Kalma.
„Ich find es niedlich“, meinte Ben, der gerade den Tortenguss anrührte.
„Da kommt dein Kind“, sagte KITA.
Greta hatte die zwei Kaninchen auf dem Arm. „Schau mal. Das ist Lily. Die hab ich von Awa bekommen.“
Ben schnaufte tief durch. „Hoffentlich hat sie dir auch ganz viel Geld gegeben. Wenn du ein Männchen und ein Weibchen hast, muss das Männchen nämlich kastriert werden, weil die sonst dauernd kleine Kaninchen machen.“
„Nein, Papa, Geld war keins dabei…“
Da kam Awa in die Küche.
„Na, da hast du mir ja eine große Freude gemacht“, sagte Ben sarkastisch.
„Wieso?“ fragte Awa.
„Weil ich jetzt das Kaninchen meiner Tochter kastrieren lassen muss.“
„Wie gemein!“ sagte Kalma. „Der arme Kleine.“
„Denkst du, ich will alle Nase lang kleine Kaninchen haben?“ fragte Ben.
„Nicht wirklich“, meinte Kalma. „Kaninchen-Safersex gibt es ja nicht!“
Greta kicherte.
„Verstehst du das denn schon?“ staunte KITA.
„Ja, ich bin doch kein Baby mehr. Ich find nur die Vorstellung von Papi wie er Mümmel erklärt, was ein Kondom ist, zum Schreien.“ Sie lachte.
Mümmel und Lily dachten sich ihren Teil.

 

Einige Zeit später hatte Ben es endlich geschafft, einen neuen Job zu finden. Er arbeitete in einer großen Firma für Haushaltselektronik.
Er war unglaublich froh darüber. Endlich konnte er wieder für seine Kleine sorgen.
Greta ging nun wieder in den Kindergarten, den er nun wieder zahlen konnte. Gerade rechtzeitig, denn es war kurz vor Halloween. Dann würde es wieder eine riesengroße Party gegen, zu der alle eingeladen waren.
„Ich weiß noch gar net, als was ich gehen soll“, meinte Greta.
„Geh doch als Mumie“, schlug Amen vor.
„Nein, als Vampir“, rief Awa.
„Wenn du dich entschieden hast, sag’s mir. Dann kriegst du ein Kostüm, das keiner deiner Freun-de hat“, versprach Lordi.
„Ja!“ Sie umarmte ihn. „Du bist die Wucht in Tüten.“
„Wo feiert ihr denn?“ fragte Ben.
„In einer alten Villa am Waldrand. Die steht leer“, antwortete Greta.
„Nein, tut sie nicht“, sagte Amen grinsend. „Da wohnt Kalma.“
„Der wird ganz schön gucken, wenn 22 kleine Kinder durch seine Bude rennen“, meinte Ben.
„Der kippt aus den Latschen“, sagte Awa und lachte. „Die Menschen kommen nämlich dauernd auf die glorreiche Idee, dort ihre Partys zu feiern.“
„Der Arme!“ sagte Greta.
„Er wird’s überleben“, meinte Ox.
„Kommt ihr mit?“ fragte Greta. „Wir dürfen nämlich wen mitbringen.“
„Klar kommen wir mit“, meinte Lordi. „Wir wollen doch Kalmas Gesicht sehen, wenn ganz viele klei-ne Kinderchen an ihm hängen und sein Zombiekostüm geil finden.“
„Aber nicht den Kindern zu viel Angst machen, hört ihr?“ sagte Ben.
„Nein, wir spielen nur mit ihnen“, versprach KITA.
„Ziehst du auch deine Schürze an? Dann haben die Kleinen garantiert keine Angst vor dir.“ A-men konnte sich nicht mehr einkriegen vor Lachen.
KITA grinste. „Mach ich. – Aber nur, wenn du im Tütü kommst.“
Die anderen lagen am Boden vor Lachen.
Amen machte „haha“.
„Du, Lordi, ich glaub, ich geh als Hexe“, sagte Greta plötzlich.


Als Kalma erfuhr, dass die Menschen schon wieder einen Anschlag auf sein trautes Heim plan-ten, bekam er fast die Krise. „Seh ich aus wie ein Party-Clown?“
„Nein, aber wie ne gute Halloween-Deko“, sagte Greta.
„Vielen Dank für diese aufmunternden Worte.“ Kalma verdrehte die Augen.
„Keine Panik, wir werden auch da sein“, meinte Awa und strich ihm beruhigend über den Rücken.
„Ich kann die Menschen ja eh nicht abhalten, sonst schicken die mir wieder den Exorzisten auf den Hals. Der Kerl ist ja schlimmer als die Pest. Den wird man einfach nicht mehr los“, stöhnte der Zombie.
„Armer Kalma“, sagte Greta und strich über seinen Arm.
„Wenn der Exorzist das nächste Mal ankommt, ruf ich dich an, Greta und du erzählst ihm dann die Geschichte von den Kaninchen und den Kondomen“, schlug Kalma vor. „Dann lacht er sich tot.“

 

Kalma, Ox, Lordi und Amen dekorierten den Festsaal mit Girlanden in Kürbis- und Totenkopf-Form, Ketten aus Knochen und gruseligen Pappfiguren. Dann schoben sie Tische zu einem Buf-fet zusammen und legten orange und schwarze Tischdecken darüber.
Sie waren gerade fertig und betrachteten ihr Werk, als Awa und KITA mit einer riesigen Schüs-sel ankamen.
„Achtung, hier kommt der Salat!“ rief Awa.
„Die armen Kleinen“, sagte Lordi.
„Es gibt ja auch noch was anderes“, antwortete KITA.
„So? Was denn?“ fragte Amen.
„Pizza, Lasagne, Würstchen und Kartoffelecken und später gibt es Nachtisch“, antwortete Awa.
„Ich glaube, das werden die Kinder mögen“, meinte Ox zufrieden.
„Das werden sie lieben“, sagte Lordi und rieb sich die Hände.


Wenig später stürmten die Kinder in den Saal. Alle waren verkleidet und quietschlebendig. Die Mamis und Papis und Kindergärtnerinnen, die als Aufsichtspersonen gekommen waren, folgten mit einigem Abstand.
Die Kleinen wuselten um die Monster rum und fanden die Kostüme toll.
Die Monster mochten die Kleinen und wussten gar nicht, welchen sie zuerst knuddeln sollten.
Lordi hatte auf einmal 5 kleine Mädels an sich hängen, die ihn alle mal drücken wollten. KITA wurde gerade von 7 Kindern geknuddelt und wusste gar nicht, welches er am süßesten fand. Amen erklärte 2 Jungs, warum er ein Schwert trug, während Kalma 3 Kindern bei Pizza und Limonade erzählte, wie er auf die Idee mit seinem „Kostüm“ gekommen ist. Awa tanzte mit 4 Kindern und Ox trug einen ganz kleinen Jungen herum.
Plötzlich stand er vor seiner hübschen Nachbarin. Sie war eine von den Kindergärtnerinnen, die die Kinder begleiteten. Als sie Ox mit dem kleinen Kerl sah, lächelte sie ihn an.
„Ich finde es schön, dass sich jemand um Manuel kümmert.“
„Naja,…..er war so klein und sah so verloren aus….“, sagte Ox verlegen.
„Aber passen Sie auf, dass sie ihn nicht zu arg drücken. Der Kleine hat die Glasknochenkrank-heit, deswegen ist er auch so klein“, sagte die Kindergärtnerin.
„Ich bin ganz vorsichtig. Mach ich das richtig, Manuel?“ fragte er das Kind.
„Ja, machst du super, Ox“, sagte der Kleine.
„Sie heißen Ox?“ fragte die Nachbarin.
„Ja.“ antwortete er. „Und wie heißen Sie?“
„Lena.“


„Guck mal, Lordi, Ox redet mit Lena“, sagte Greta.
„Sieh mal an, unsere schöne Nachbarin ist deine Kindergärtnerin. Und sie redet mit Ox“, meinte er.
„Ja,. weil er sich um den Manuel kümmert. Der ist ja behindert und sie hat immer Angst, dass er unter die Räder kommt“, antwortete sie. „Danke übrigens für meine geiles Hexenkostüm. Papi findet es zum Schreien.“
„Schön, das zu hören“, sagte Lordi.


Kalma flirtete unterdessen mit allen anwesenden Kindergärtnerinnen, außer Lena.
„Na, ihr Süßen, Lust auf einen kleinen Ausflug mit meinem Sportwagen? Der steht gleich neben-an in der Garage.“

 

„Tanzen Sie mal mit mir?“ fragte Ox und staunte über seinen eigenen Mut.
„Aber gerne“, antwortete Lena.
Ox setzte den kleinen Manuel vorsichtig ab. „Bin gleich wieder da.“
„Ok, Ox,. Ich hol mir so lange einen Obstsalat.“ Der Kleine tappelte zum Buffet.
„Mach das, Kleiner“, sagte Ox und legte den Arm um Lena. „Kommen Sie.“

Manuel griff nach dem Löffel in der Obstschüssel. Doch er war zu klein und erreichte ihn nicht.
„Soll ich dir helfen?“ fragte eine nette Mädchenstimme neben ihm.
Er sah sich um und sah Greta, die in ihrem Hexenkostüm und der Maskierung von Lordis Hand einfach nur gruselig aussah. Sie sah ihn aus ihren Rehaugen so lieb an, dass seine Angst sofort verflog.
„Greta, bist du das wirklich?“ fragte er staunend.
„Ja, bin ich“, antwortete sie und strich stolz über ihr Kostüm.
„Du siehst voll cool aus“, sagte Manuel.
„Danke.“ Sie kicherte. „Gib mir deine Schale.“ Sie füllte Obstsalat hinein.
„Danke schön. Du bist echt lieb.“
Greta nahm sich auch Obstsalat. „Setzen wir uns doch hin zum Essen.“
„Oja, sehr gerne!“ Manuel wurde rot.


„Sehen Sie mal. Das ist ja süß“, sagte Lena zu Ox.
„Was meinen Sie?“ fragte Ox, der ganz in Lenas grüne Augen versunken war.
„Na, wie Greta sich um Manuel kümmert. Das ist doch niedlich.“
„Stimmt“, meinte Ox. „Sie ist aber auch ein nettes Mädchen.“
„Das ist sie. – Ach sagen Sie mal, Ox, hätten Sie nicht Lust, morgen zu mir zum Essen zu kom-men?“ fragte Lena plötzlich.
„Oh,……….ja,…..gerne!“ stotterte er.
„Aber dann kommen Sie hoffentlich ohne ihre Maske. Das Ding ist ja gut gemacht, aber ich will doch auch mal wissen, wer der Mann ist der dahintersteckt….“


Greta und Manuel hatten ihren Obstsalat gegessen und ihre Schüsseln aufgeräumt.
„Was machen wir jetzt?“ fragte er schüchtern.
„Wollen wir tanzen…also ganz vorsichtig..?“
„Gerne. Darf ich bitten?“ Er verneigte sich.
Greta kicherte und ließ sich von ihm auf die Tanzfläche führen.


Kalma hatte die Kindergärtnerinnen gerade in seinen heißen Flitzer manövriert, als plötzlich der Exorzist sich vor dem Wagen aufbaute. „Weiche, Dämon des Todes!“ Er hielt ein Kreuz hoch.
„Was ist das denn für ein Spinner?“ fragte eine der Damen im Auto.
„Das, meine Süße, ist gleich ein ehemaliger Pfarrer“, antwortete Kalma und überfuhr ihn.„Und jetzt gehört er mir!“

Greta und Manuel tanzten aneinander gekuschelt und lächelten sich an.
„Du, Greta, …….“
!Ja, was ist denn?“
„Du bist das schönste Mädchen im ganzen Kindergarten und das liebste“, sagte er mutig.
Greta gab ihm einen dicken Schmatz.

„Guck mal! Ist das nicht goldig?“ meinte Amen zu KITA.
„Die fangen aber früh an mit üben“, meinte das Alien.
„Sollen sie doch. Dann schlagen sie sich wenigstens nicht“, meinte Ben.
„Auch wieder wahr“, meinte Amen.

 

Am Abend nach dem Fest wollte Greta ihren Monsterfreunden und ihrem Papa Gute Nacht wünschen, doch Ox war nicht da.
„Wo ist denn Ox?“ fragte sie.
„Auf der Veranda“, antwortete Awa.
„Ich geh ihn mal trösten“, sagte Greta und zog ihr Morgenmäntelchen über. Dann ging sie hinaus.
„O, was hast du denn?“ fragte sie.
Ox heulte wie ein getroffenes Tier.
„Ach, mein Süßer“, sagte sie liebevoll und streichelte ihm über den Kopf. „Ist es wegen Lena?“
„Ja“, Er schmiegte sich an sie. „Lena hat mich zum Essen eingeladen und ich soll ohne Maske kommen.“
„Ach, du dickes Ei!“ entfuhr es Greta.
„Das kann ich so was von vergessen!“
„Kann Lordi da nix machen?“ fragte sie.
„Wenn Lordi mir mit der Axt den Kopf abschlägt, hab ich auch nix davon“, meinte Ox.
„Ich mein doch, ob der mit Make up was machen kann“, antwortete sie. „Ich frag ihn mal.“ Sie wusel-te nach innen. „Du, Lordi, kannst du denn gar nix für Ox tun?“
„Doch. Ich kann ihm seinen Bullenschädel mit meiner Axt abschlagen, dann ist er kein Hindernis mehr“, sagte Lordi und grinste.
„Lordi, ich mein es ernst. Er hat Lena lieb.“ Greta heulte fast.
„Ich werd sehen, was ich tun kann“, brummte Lordi und ging hinaus.


Als Greta am nächsten Morgen zum Frühstück in die Küche kam, briet KITA gerade Spiegelei-er und Speck.
„Mhm, das riecht aber lecker!“ Sie schnupperte. „Ist außer uns noch keiner wach?“
„Nein, die pennen noch alle.“ KITA stellte ihr eine Portion hin.
„Macht nix. Dann können wir beide ja in Ruhe frühstücken“, meinte sie.
„Genau.“ KITA setzte sich ihr gegenüber.
„Was hat Lordi eigentlich gestern Abend mit Ox gemacht?“ fragte sie.
„Das weiß ich auch nicht so genau. Wir werden uns wohl überraschen lassen müssen“, meinte er.
„Das schmeckt gut“, sagte Greta.
„Danke. Du weißt das wenigstens zu schätzen. Die anderen fressen und sagen nicht mal danke“, meinte das Alien frustriert.
„Das ist aber nicht schön. Ich finde es prima, wenn du kochst!“ Greta ging um den Tisch rum und umarmte ihn.
KITA nahm sie auf den Arm.
„Du, KITA, kann ich dich mal was fragen?“
„Aber klar. Was möchtest du denn wissen, mein Kleines?“ fragte er.
„Was sind denn das für Pflanzen in deinem Garten? Wozu dienen die?“
„Das sind Tentakel-Blumen. Die brauche ich um hier auf der Erde atmen zu können. Bei euch ist die Luft anders zusammengesetzt. Wenn ich nicht täglich meine Portion esse, kann mein Blut den Sauerstoff in der Luft nicht binden und ich ersticke“, erklärte er.
„Aso.“ machte sie.
„Magst du noch was essen?“ fragte er.
„Nein, aber ich hätte gerne einen Kakao. Kann ich einen haben?“ fragte sie.
„Aber sicher.“ KITA ging zum Kühlschrank, holte die Milch heraus, goß etwas in einen Topf und stellte ihn auf den Herd. „Kommt gleich, Süße“, sagte er.
„Du, KITA, ich würde heute gerne in den Zoo gehen. Kommst du mit?“
„Aber sicher. Dann motzt mich wenigstens keiner an.“

 

KITA war gerade dabei, belegte Brote zu machen, als Lordi in die Küche kam.
„Morgen“, brummte er. „Was machst du denn da?“
„Belegte Brote. Greta und ich gehen in den Zoo.“
„Na hoffentlich kommst du da auch wieder raus!“ unkte Lordi.
„Sehr witzig!“ maulte KITA.


Ben wollte gerade ins Bad, da stand vor dem Spiegel ein unbekannter Mann und betrachtete sich aufmerksam. Er war sehr groß, hatte lange schwarze Haare und blasse Haut.
„Morgen, Ben, du kannst gleich ins Bad“, sagte der fremde Mann.
„Wer sind Sie und woher kennen Sie meinen Namen?“ fragte Ben fassungslos.
„Wir wohnen doch hier zusammen. Ist dir nicht gut?“ fragte der Mann.
Ben machte riesengroße Augen. „Ox, bist du das?“
„Endlich merkst du was los ist! Was meinst du? Hat Lordi das nicht grandios hinbekommen?“ frag-te er stolz.
„Allerdings!“ Ben rang um Worte. „Hat er das nur mit Make up….“
„Nein, ein bisschen Zauberei war schon dabei“, antwortete Ox.
„Und jetzt machst du dich ein bisschen zurecht für später?“
„Genau.“


KITA und Greta standen an der Zoo-Kasse. Es war nicht viel los an diesem sonnigen, aber kalten Novembermorgen.
KITA ging an die Kasse. „Morgen. Ein Kind und ein Alien bitte.“
Die Dame, die in einer Modezeitschrift gelesen hatte fragte: “Wollen Sie mich verar…- Aaaaaah! Was ist das denn?“
„Ich bin ein Alien. Entschuldigen Sie bitte, dass ich mein Echtheitszertifikat nicht dabei hab“, antwortete KITA.
„Es gibt keine Ermässigung für Spinner!“ sagte die Dame.
„Lass mich mal“, sagte Greta und schob KITA zu Seite. „Ein Erwachsener und ein Kind, bitte.“
Die Dame verkaufte Greta das Gewünschte. „Und Sie Spinner sehen am Besten zu, dass sie Land gewinnen.“

 

Greta und KITA standen vor dem großen Wegweiser am Eingang.
„Wo möchtest du zuerst hin?“ fragte er.
„Zu den Giraffen. Die sind gleich da vorne“, antwortete sie.
„Die haben aber einen langen Hals“, meinte KITA.
„Ja, sähe sonst doof aus. Außerdem kämen sie ja net an ihr Futter.“
„Das leuchtet mir ein“ meinte das Alien. „Und was ist das da für ein Tier mit dem buschigen Fell oder was immer das ist?“
„Das ist ein Vogel Strauß und das ist sein Gefieder“, erklärte Greta.
„Aber warum ist der bei den Giraffen mit drin?“ wunderte sich KITA.
„Weil die in der freien Wildbahn ja auch miteinander leben“, antwortete sie.
„Also so wie ich und Amen“, meinte KITA.
„So ähnlich.“
„Gehen wir weiter?“
„Ja, da vorne sind die Affen, die sind goldig“, antwortete Greta.


Ox klingelte an Lenas Haustür.
Als sie öffnete, hatte sie noch einen einzelnen Lockenwickler im Haar.
Ox zuckte zusammen, sagte aber nichts.
„Oh, Sie sind aber pünktlich! Kommen Sie rein!“
„Hallo, Lena.“
„Möchten Sie was trinken? Ich hab einen sehr guten italienischen Rotwein, den hab ich grade erst aufgemacht. Möchten Sie ein Glas?“ fragte sie.
„Oh ja, gerne“, antwortete Ox und blickte immer noch auf den quietschgelben Lockenwickler und traute sich immer noch nicht, was zu sagen.
„Haben Sie was?“ fragte Lena. „Sagen Sie es ruhig.“
„Sie haben da was in den Haaren….“ Ox wurde rot.
„Oh, da ist mir doch glatt einer durch die Lappen gegangen!“ Sie lachte und nahm den Locken-wickler raus. „So was blödes aber auch!“
Ox schmunzelte.


KITA und Greta beobachteten die Delfine.
„Und das sind keine Fische, sagst du?“ fragte er.
„Nein, die atmen Luft. – Siehst du? So wie der da grade. Und sie kriegen lebende Kinder.“
„Du weißt aber viel über Tiere“, staunte KITA.
„Ja, ich mag Tiere so gerne“, antwortete Greta.
„Das merkt man. Und die Tiere scheinen dich auch zu mögen, wenn ich da so an deine Häschen denke….“
„Gehen wir weiter? „
„Aber klar. Wo gehen wir jetzt hin?“ fragte KITA.
„Ins Nilpferd-Haus.“ Greta nahm seine Hand.


Mümmel und Lily machten sich mal wieder aus dem Staub. Immer nur im Käfig war ihnen zu doof und seit Awas Schlange keine schwarzen Kaninchen mehr zu sich nahm, konnten sie sich auch in Ruhe alles anschauen.
Als erstes hoppelten die beiden in die Küche, wo ein Radieschen auf dem Boden lag. Mümmel schnupperte daran und biß hinein. Das war ein leckeres Radieschen, hatte bestimmt Awa gezüch-tet. Lily fraß unterdessen einen Kanten Brot, der noch unter dem Tisch lag.
Dieses Haus war echt prima, weil man immer was zu fressen fand.

 

KITA und Greta saßen auf einer Bank gegenüber vom Entenweiher und aßen ihre Brote.
„Möchtest du Obst?“ fragte KITA. „Ich hab Bananen, Trauben, Äpfel….Was du willst.“
„Gib mir einen Apfel.“
„Bitte sehr.“ KITA gab ihr einen roten Apfel.
„Danke.“ Sie biss hinein.
„Ich hab auch noch Gummibärchen….“, sagte er verlegen.
„Du und deine Gummibärchen!“ Sie lachte.
„Ja, die sind echt lecker“, sagte er und warf sich die ganze Tüte ins Maul.


Mümmel und Lily hatten ihr Frühstück beendet und hoppelten ins Wohnzimmer. Dort saß Amen auf dem Sofa und las einen Brief. Er sah äußerst besorgt aus.
Lily und Mümmel hoppelten zu ihm hin und sahen sich ratlos an. Lily legte ihr Pfötchen auf Amens Fuß und sah zu ihm hinauf. Amen spürte was an seinem Fuß und sah hinunter.
„Ihr seid ja schon wieder draußen, ihr Racker! Das müsst ihr aber sein lassen, wenn morgen meine Schwester kommt. Die hat eine Allergie gegen alles, was lebt. Sie muss in die USA und ich darf derweil auf meine kleine Nichte aufpassen! Seh ich vielleicht aus wie ein Babysitter?“
„Nee“, dachte Mümmel und auch Lily war dieser Meinung.


Kalma sammelte das, was von dem überfahrenen Exorzisten übrig geblieben war, vor seiner Gara-ge ein. Nachdem er seinen Spaß mit den Mädels gehabt hatte, konnte er sich nun ganz seinem Lieblingsfeind widmen.
Er trug die Leiche ins Haus und legte sie auf den Küchentisch. Dort nahm er ihr alle Kreuze, Bibeln, Hostien und sonstiges ab, dann besprühte er sie sorgfältig mit geweihtem Messwein, den er mit seinem untoten Blut vermischt hatte. Dabei sang er vor sich hin.
Danach ging er in den Garten und hob ein Grab aus, in das er die Leiche sorgfältig bettete. Er schaufelte das Loch wieder zu, legte eine blutrote Rose auf das Grab und sagte kichernd „Ruhe in Frieden.“ Mit fiesem Grinsen fügte er hinzu: „Bis zum nächsten Vollmond.“


Amen hatte Lordi grade mitgeteilt, dass seine Schwester Cleo gedachte, ihre „Nachgeburt“, wie Lordi gerne sagte, für ein paar Wochen in ihrer WG zu parken.
„Nur über meine Leiche“, sagte das Obermonster erregt.
„Sag das nicht zu laut. Meine Schwester erfüllt dir diesen Wunsch schneller als dir lieb ist“, ant-wortete Amen seufzend.
„Oh nein“, meinte Lordi. „Sie wird ihr Balg sofort wieder mitnehmen, denn ich spalte ihm den Schädel, wenn sie es da lässt, das schwör ich dir.“ Er spielte mit seiner Axt.
„Aber das Kind kann doch nichts dafür“, wandte Amen ein.
„Dann soll sie’s nicht da lassen“, sagte Lordi.


Lena und Ox waren grade mit dem Essen fertig.
„Das war verdammt lecker“, meinte Ox und wischte sich den Mund ab.
„Freut mich“, sagte Lena und wurde rot.
„Ich sag nur die Wahrheit“, antwortete Ox.
Lena lächelte, ging um den Tisch herum, legte die Arme um seinen Hals und gab ihm einen dicken Kuss.

 

Greta und KITA hatten den Streichelzoo erreicht. Greta lief sofort zu den Zwergziegen und streichelte sie.
KITA folgte etwas langsamer und vorsichtiger. Die Ziegen drängten sich um ihn herum und such-ten ihn nach Futter ab. KITA streckte etwas unbeholfen die Hand aus und streichelte sie.
Eine ganz kleine Ziege kletterte auf einen großen Stein und schlabberte seinen Arm ab.
KITA zog den Arm zurück und sah die Ziege irritiert an.
„Was hast du denn?“ fragte Greta.
„Die Viecher wollen mich fressen!“ sagte KITA.
„So ein Quatsch. Das sind doch Vegetarier!“ meinte sie.
„Aber die kleine Schwarze hat an mir geleckt!“
„Weil deine Haut salzig schmeckt und da stehen die Viecher drauf“, kicherte Greta als die kleine Ziege wieder an KITA schnullte.


Amen saß auf dem Sofa wie ein Häufchen Elend. Er hatte Lily auf dem Arm und Mümmel hop-pelte auf dem Sofa rum. „Ihr beiden seid die einzigen, die mich nicht anmaulen – und Greta. Was soll ich denn bitte machen? Wenn ich meine Nichte aufnehme, killt Lordi mich, tue ich es nicht, killt mich meine Schwester.“
„Dann kill doch Lordi und deine Schwester“, dachte Mümmel.
„Was mach ich denn jetzt?“ fragte Amen das Kaninchen auf seinem Arm.
„Grab dir einen schönen tiefen Bau im Garten und bleib drinnen bis die Wolken sich verzogen haben“, riet Lily auf Hasisch, doch das verstand Amen natürlich nicht.


Kalma kochte sich einen starken Kaffee und ging schnell nach nebenan zum Bäcker, um sich ein Plunderteilchen zu holen. Außerdem fand er es so putzig wie die Bäckerin und die jungen Verkäu-ferinnen bibberten, wenn sie ihn sahen. Bedient wurde er aber immer.
Als er nach Hause kam, war der Kaffee schon durchgelaufen.
Kalma biss gerade in sein Gebäck, als das Telefon klingelte.
Missmutig tappte er zum Telefon und nahm ab. „Krematorium, was kann ich für sie tun?“
„WAS? – Achso, Kalma, du bist das.“ Es war Lordi.
„Was willst du?“ fragte Kalma.
„Amens Schwester kommt und will ihr Katastrophenkind bei uns parken.“
„Oh nee“, antwortete Kalma. „Wenn das Balg wieder meine Schrumpfköpfe in Awas Putzeimer einweicht, krieg ich nen Anfall.“


KITA und Greta stiegen in die Straßenbahn und fuhren heim.
„War schön mit dir im Zoo“, sagte Greta und drückte ihn. „Das machen wir mal wieder.“
„Immer wieder gerne“, antwortete KITA.

 

Am anderen Morgen wurde wie gewohnt gefrühstückt. Die Monster saßen mit Ben und Greta am Tisch und aßen. Nur im Gegensatz zu sonst sprach keiner ein Wort.
Lordi, weil er sauer auf Amen war, weil er es zuließ, dass seine Schwester ihr furchtbares Kind in der WG parkte. Amen, weil er zwischen Lordi und seiner Schwester hin und her gerissen war. Die anderen Monster, weil sie keinen Bock auf Amens Nichte hatten. Und Greta und Ben weil sie nicht zwischen die Fronten geraten wollten.


Um 11 Uhr klingelte es an der Haustür.
Alle hielten den Atem an.
Schließlich schlurfte Amen zur Tür und öffnete.
„Cleo, da bist du ja! Willst du nicht reinkommen?“ fragte er.
„Nein, ein andermal. Ich muss meinen Flieger kriegen“, antwortete Cleo. „Da ist Isis und hier ihr Koffer. Mach’s gut.“ Die Tür flog zu.
Dann war alles still und die 6 in der Küche konnten sich Amen regelrecht vorstellen wie er mit dem kleinen Mumienkind auf dem Arm und dem Koffer da stand und dumm aus der Wäsche guckte.
Sie begannen zu lachen.
„Ich hol unsere Salzsäule mal“, meinte Awa, ging zur Haustür und schob Amen in die Küche. „Hinsetzen.“
Amen setzte sich mit der Kleinen auf dem Arm hin und nahm sich ein Stück Kuchen. Das Mu-mienkind begann zu quengeln. Es hatte große blaue Augen, lange dunkle Haare und trug ein goldgelbes, ziemlich neues Kleidchen.
„Willst du auch ein Stück?“ fragte Amen und hielt ihr was hin. Isis verzog das Gesicht und schüt-telte den Kopf. Dann quengelte sie munter weiter.
„Magst du eine Banane?“ versuchte es Amen noch einmal. Wieder Gequengel.
„Wie sieht’s mit Kaba aus?“ fragte Amen und erntete wieder Geschrei.
„Geht der Mist schon wieder los!“ stöhnte Ox.
Die kleine Mumie quengelte weiter.
Jetzt wurde es Lordi zu bunt. „HALT DEN RAND!!!!“ brüllte er.
Isis machte sich ganz klein.
„Wenn du kleine Made nicht spurst, zieh ich andere Seiten auf, verstanden? Ich dulde dich nur hier, weil dein Onkel ein guter Freund von mir ist“, fuhr das Obermonster, das immer noch geladen war, fort. „Und wenn du wieder Kalmas Schrumpfköpfe im Putzeimer versenkst, wie vor 200 Jah-ren, dann vergess ich mich!“
„Aber Kalma wohnt doch gar nicht mehr hier“, wandte Ben ein.
„Aber seine Schrumpfkopfsammlung schon“, antwortete Ox.

Plötzlich machte es „Ping!“. Die Monster und auch Ben und Greta fuhren herum.
Auf dem Boden lag eine zerbrochene Tasse, die aber zum Glück leer gewesen war. Isis zeigte ganz schnell auf Amen.

 

Während KITA das Mittagessen machte, spielte Ox mit Greta im Kaufladen. Amen versuchte unterdessen alles, um seine Nichte bei Laune zu halten. Doch die plärrte nur rum und konnte sich für kein Spiel erwärmen.
„Lass doch die blöde Heulsuse sitzen und spiel mit uns“, sagte Greta.
Amen ließ Isis sitzen und ging zu Greta hin.
Isis versuchte, durch Plärren und Heulen Aufmerksamkeit zu kriegen, doch die anderen 3 ließen sie links liegen.
Schließlich stand sie auf und ging zum Kaufladen hin. Sie nahm eine kleine Waschmittelpackung aus dem Regal und zerriss sie mit fiesem Grinsen.
Als Greta das sah, war sie stinksauer. „Dieses blöde Jammerbaby macht meine Sachen kaputt!“ Sie haute Isis mit einer quietschgelben Holzbanane auf den Kopf.
„Onkel Amen, du musst sie in die Wüste schicken!“ plärrte das Mumienkind.
„Nein, das wird er nicht tun“, antwortete Ox. „Greta ist ein ganz liebes nettes Mädchen.“
„Aber sie hat mich mit der Banane gehaut“, plärrte Isis.
„Ja, weil du ihre Sachen kaputt machst“, sagte Amen. „Du kriegst heute keinen Nachtisch.“
Jetzt plärrte Isis noch mehr.
Amen wollte sie hochnehmen und trösten, doch Ben, der auf dem Sofa saß, meinte: „Lass sie ruhig mal brüllen. Sie muss lernen, dass die Welt sich nicht um sie dreht.“
„Ich geh nachher mit Greta in die Stadt und kauf ihr was Neues für den Laden, weil meine Nichte was kaputt gemacht hat. Außerdem sind ein paar von den Schächtelchen doch schon total abge-griffen“, meinte Amen.
„Und was krieg ich?“ fragte das Mumienkind.
„Eine Hinter die Löffel“, antwortete Ox.

Bei Essen war Isis unausstehlich. Die Suppe war ihr zu heiß, die Nudeln zu kalt, das Fleisch nicht zart genug, die Pfeffersoße zu scharf und der Salat zu grün.
„ES REICHT, VERSTEHST DU, ES IST GENUG. NOCH EIN WORT UND ICH VERGRAB DICH IN DEINEM SARG IM GARTEN BIS DEINE MAMI KOMMT UND DICH HOLT! – ALLES KLAR SO WEIT?“ Lordi platzte mal wieder der Kragen.
Isis machte sich ganz klein.
„UND NACH DEM ESSEN HILFST DU KITA UND AWA BEIM AUFRÄUMEN!“
Isis kroch unter den Tisch.

Nach dem Essen tigerten Amen und Greta los.
Im größten Spielzeugladen der Stadt standen sie wenig später vor einem Haufen schöner Sa-chen für den Kaufladen und Greta machte große Augen.
„Wow, so viele Sachen!“ staunte sie. „Siehst du hier irgendwo so kleine Packungen?“
„Ja, da oben!“ Amen nahm sie aus dem Regal. Es war ein ganzes Packchen, das Mini-Ausgaben der Verpackungen bekannter Markenprodukte enthielt, vom Waschmittel über Tiefkühlkost bis zu Eiscreme.
Greta freute sich. „Danke, Amen.“
„Willst du dir nicht vielleicht was ganz neues aussuchen?“ fragte er plötzlich. Was, was du noch nicht hast?“
Greta sah ihn mit großen Augen an. „Darf ich?“
„Aber klar, meine Süße“, antwortete Amen.
„Aber was ist, wenn das ganz arg teuer ist?“ fragte sie.
„So teuer wird das bestimmt nicht“, meinte Amen. „Ich hab genug Taschengeld.“
„Ich möchte das!“ sagte Greta und zeigte auf eine große Schachtel direkt vor sich.
„Was ist das denn?“ fragte Amen und nahm die Schachtel aus dem Regal. „Oh, eine kleine Tief-kühltruhe aus Holz fürs Eis und die Tiefkühlsachen. Ich muß sagen, du denkst schon wie ne richti-ge Ladenbesitzerin.“
„Klar, ich kann das Zeug doch nimmer verkaufen, wenn alles matschig ist“, antwortete Greta.


Zu Hause waren die anderen 5 damit beschäftigt, Isis zu suchen. Die hatte sich nämlich versteckt, um nicht beim Abwasch helfen zu müssen.
„Wo steckt sie nur?“ fragte Ben.
„Wenn ich sie erwische, mach ich Putzlappen aus ihr“,. grollte Lordi.
„Aber, Lordi, sie ist doch noch ein Kind“, wandte Ben ein.
„Von wegen Kind“, meinte Ox. „Der kleine Mistkäfer ist 3000 Jahre alt.“

 

Lordi, Ox, Ben, Awa und KITA stellten die Bude auf den Kopf.
„Wenn ich sie erwische, nehm ich sie auseinander!“ murmelte Lordi.
„Sei nicht so brutal“, meinte Awa.
Ox durchsuchte das Badezimmer, während KITA im Keller die Gartenmöbel umpflügte.

Inzwischen kamen Amen und Greta nach Hause.
Das erste was sie sahen, war Ben, der eine große Truhe wieder einräumte.
„Was hat sie jetzt wieder angestellt?“ fragte Amen entsetzt.
„Sie ist weg“, antwortete Ben.
„Nein!“ Amen bekam die Krise. „Ihre Mutter zerhackt mich.“
Greta ging noch mal ins Freie. Sie hatte doch etwas gesehen! Sie ging im Garten herum und stand schließlich vor Amens Tempel. Dort hörte sie ein Weinen.
Greta ging in den Tempel hinein und folgte dem Weinen.
Sie fand Isis in einer kleinen Kammer.
„Hey, was hast du denn?“ fragte sie.
Ihr seid alle gegen mich“, heulte Isis.
„Quatsch! Als es gestern hieß, Amens Nichte kommt, hatte ich mich eigentlich gefreut, weil ich jemanden zum Spielen bekomme. Ich kann nicht glauben, dass du nicht auch nett sein kannst. Willst du’s nicht mal versuchen? Wär doch schön, wenn wir zusammen spielen könnten.“
Isis machte große Augen. „Echt? – Oh, du bist lieb. Kann ich mal mit deinem Kaufladen spielen?“
„Nur, wenn du nichts mehr kaputt machst. Dann hau ich auch nimmer mit Holzbananen“, sagte Greta.
„Tut mir leid, dass ich die Schachtel zerrissen habe. Ich mach’s nie wieder“, versprach Isis.
„Ich hab ja neue“, antwortete Greta. „Komm, ich zeig sie dir.“
„Auja.“ Die kleine Mumie stand auf. „Sag mal wie alt bist du eigentlich?“
„5 Jahre, aber ich werd bald 6“, sagte Greta. „Und du?“
„6, und das seit 3000 Jahren“, antwortete Isis.
„Das ist aber lang“, meinte Greta.
„Man gewöhnt sich daran!“ Isis zuckte die Schultern.
Die beiden gingen ins Haus, wo immer noch fluchend und schreiend gesucht wurde.
„Leute, ich hab sie!“ rief Greta. „Ihr könnt aufhören!“
Die sechs kamen sofort angelaufen - und trauten ihren Augen nicht.
Isis half Greta, die neuen Sachen einzuräumen – und das ohne Heulen, Schreien oder Nerven! Völlig geschockt waren die Monster aber als Isis zwischen ihren Bandagen wühlte, einen hüb-schen, ägyptischen Parfümflakon in Entenform herauszog und Greta fragte: „Willst du den viel-leicht haben?“
„Eu, der ist aber hübsch“, sagte Greta. „Den willst du mir echt schenken?“
„Ja, als Wiedergutmachung“, antwortete Isis und stellte den hübschen Flakon zu den anderen kleinen Parfümflaschen in das Regal.
Greta knuddelte Isis vor Freude.
„Bitte nicht die Mumie plätten“, sagte Isis scherzhaft.
„“Uuups! Sorry“, antwortete Greta.
Amen fand langsam die Sprache wieder. „Was ist denn mit dir passiert?“
„Nix, Onkel Amen. Was soll denn passiert sein?“ fragte Isis unschuldig.
Ox, kneif mich, ich seh Gespenster“, sagte Lordi.

 

Ein paar Tage später war Ox mal wieder mit Lena unterwegs, Awa war mit einer Freundin im Ki-no, KITA bastelte an einer Erweiterung des Kaufladens, da es nach dem Einkauf von Greta und Amen etwas unübersichtlich in den kleinen Regalen geworden war, Amen reparierte alte Er-satzbandagen, Ben bügelte und Lordi las die Abendzeitung.
„Du, Lordi,....“, fragte Greta. „Können wir den DVD-Player und den Fernseher benutzen, Isis und ich?“
„Weißt du wie das funktioniert oder soll ich dir helfen?“ fragte Lordi.
„Nein, ich kann das“, antwortete Greta und wuselte zum DVD-Player.
Isis kam inzwischen mit einer Schüssel Popcorn ins Wohnzimmer.
„So, es fängt an“, sagte Greta und setzte sich zu Isis auf das Sofa.

Der Film war eine Weile gelaufen als Lordi auf den Bildschirm guckte. „Oh, mein Gott, wie schrecklich! Was ist denn das für ein schrecklicher Film?“
„Wie bitte?“ Amen sah von seiner Arbeit auf.
„Na, dieser Horrorschocker da!“ Lordi deutete auf den Bildschirm.
Ben sah von seinem Bügelbrett kurz auf und kriegte einen Lachkrampf.
Lordi sah ihn irritiert an.
„Lordi, „Bambi“ ist ein Kinderfilm.“ Ben lachte immer noch.
„Aber dieses Wesen mit den großen Augen und den langen Beinen sieht aus, als wäre es gefähr-lich“, antwortete Lordi.
„Was soll den an einem kleinen Reh gefährlich sein?“ fragte Ben.
„Ich weiß nicht, vielleicht hat es giftige Bakterien in seinem Speichel“, meinte Lordi.
„Papi, Bambi ist doch kein Reh“, sagte Greta. „Der ist ein Weißwedel-Hirsch. Das lernt man doch als Baby im Kindergarten.“
„Siehst du, Lordi, Greta hat keine Angst vor dem Tierchen.“
„Also, ich finde es niedlich“, meinte Amen.


Ox knutschte unterdessen mit Lena im Auto vor ihrem Haus.
„Wollen wir nicht reingehen?“ fragte sie. „Da ist es doch gemütlicher.“
Ox folgte ihr ins Haus. Dort wollte er wie immer ins Wohnzimmer, doch Lena zog ihn nach oben ins Schlafzimmer.
Er schwitzte.
„Was ist denn los?“ fragte Lena.
„Also, ich ähm, ……bin ein bisschen nervös…“, sagte er leise.
„Warum denn? Ist doch was ganz normales“, meinte sie und gab ihm einen Kuss.
„Also, ich weiß nicht…Ich hab nicht damit gerechnet und ich hab keine Ahnung….“, stotterte er.
„Du hast noch nie mit einer Frau geschlafen?“ fragte sie.
„Doch, aber noch nie mit so’ ner hübschen wie dir“, stotterte er.

 

Lena küsste Ox leidenschaftlich und bugsierte ihn aufs Bett. Dort begann sie, ihn auszuziehen.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute…“, protestierte er zaghaft.
„Ox, du machst jetzt Mund und Augen zu und lässt mich mal machen“, sagte sie sanft.


Kalma ging unterdessen in seinen Garten, um nach dem vergrabenen Exorzisten zu sehen.
Ein bleicher Vollmond stand am Himmel, als er anfing zu graben.
Der Verwesungsgeruch, der aufstieg, verriet ihm wie nah er seinen Ziel war.
Kalma löste den Toten behutsam aus dem Erdreich und bürstete ihn sorgfältig ab.
Dann goß er eine Flasche Messwein, vermischt mit Blut und in Essig eingelegte entweihte Hos-tien darüber.
Dann schlug er ein kleines, in Leder gebundenes Buch auf. „Zum Schluss den zukünftigen Zom-bie an einem Fleischerhaken hängend drei Tage gut durchziehen lassen. Schon haben Sie Ihren eigenen Haus-und Hof-Zombie, der Ihnen viele Jahre Freude bereiten wird.“


Lordi bibberte hinter dem Sofa. „Ist es vorbei?“
„Ja, keine Angst. Das süße Tierchen ist weg.“ Greta strich ihm über den Rücken.
„Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist. Aber immer, wenn ich Ox verwandle, krieg ich die ganzen Herzschmerz-Gefühle in großen Mengen ab, und zwar so lange, bis ich ihn wieder zurück-verwandle. – Es war nicht das kleine Bambi, das mir Angst gemacht hat, sondern die Tatsache, dass ich auf einmal das Bedürfnis habe, es zu knuddeln und zu hegen und zu pflegen. So richtige Mutter-Gefühle!“ erklärte das Obermonster.
„Naja, aber du hilfst deinem Freund ja damit“, meinte Ben.
„Aber nur so lange er enthaltsam bleibt“, meinte Lordi. „Sonst ist das alte Monster wieder da.“
„Die sind grade in Lenas Haus verschwunden“, meinte Greta schockiert.
„Ach, du dickes Ei!“, entfuhr es Amen.


Lena schmiegte sich nach vollzogenem Liebesakt an Ox und meinte: „Siehst du? War doch nicht schlimm!“
Ox grunzte wohlig und wollte sie küssen, doch sie schrie auf.
„Wo kommt die Maske auf einmal her? Das ist nicht lustig“, sagte sie.
Jetzt fiel es Ox siedendheiß ein. „Kein Sex!“ hatte Lordi ihm eingeschärft.
Er sprang auf. “Entschuldige Lena.“ Dann rannte er, nackt wie er war, aus dem Haus und über die Straße.

 

(c) by Queen of the Night 2006